Sonderausstellung: »Vergessen Sie uns nicht.«

 

 
 

Die Malerin Julie Wolfthorn (Thorn 1864 – 1944 Theresienstadt)

Julie Wolf wird am 8. Januar 1864 als Kind einer bürgerlichen Familie jüdischen Glaubens im westpreußischen Thorn, dem heutigen Torún, geboren. Sie ist das jüngste von fünf Kindern. Nach dem frühen Tod der Eltern wächst Julie bei ihren Großeltern auf. Die Familie steht den künstlerischen Ambitionen der Kinder aufgeschlossen gegenüber, so wird ihr Bruder Georg Bildhauer und ihre Schwester Luise kann sich als Übersetzerin literarischer, kunst- und kulturwissenschaftlicher Texte einen Namen machen. 1883 siedelt Julie Wolf mit der Großmutter und ihren beiden Schwestern nach Berlin über. Dort beginnt sie ab etwa 1890 mit einer künstlerischen Ausbildung. Da Frauen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, bis in das 20. Jahrhundert hinein zum Studium an einer staatlichen Kunstschule nicht zugelassen werden, bleibt ihnen nur die Möglichkeit, an privat geführte Akademien oder Künstlerateliers auszuweichen. Dies ändert sich erst 1919 mit der Weimarer Verfassung und der darin festgeschriebenen Gleichstellung von Mann und Frau. So nimmt auch die Akademie der Künste in Berlin erst 1919 Frauen auf. Julie Wolf studiert daher, wie viele ihrer Zeitgenossinnen, ausschließlich an privaten Akademien. Der genaue Ausbildungsweg ist nicht mehr vollständig rekonstruierbar, doch es ist davon auszugehen, dass sie in Berlin zunächst das Schülerinnenatelier des Portrait-, Landschafts- und Genremalers Ernst Nelson (1858 – 1911) besucht. Anschließend wechselt sie nach München und studiert an der »Damenakademie« der »Künstlervereinigung München«. Angezogen von den neuen Ideen der Freilichtmalerei und des Impressionismus, reist sie in den frühen 1890er Jahren nach Paris, um dort an der ebenfalls privat geführten Akademie Colarossi ihr Studium fortzusetzen. Nach ihrer Rückkehr nach Berlin besucht sie 1895 die »Mal- und Zeichenschule für Damen« des Impressionisten und Neoimpressionisten Curt Herrmann (1854 – 1929).

Bekanntheit erlangt die Künstlerin vor allem durch ihre Portraitmalerei. Die ausdruckstarken Arbeiten zeugen von der Fähigkeit, das Charakteristische der Persönlichkeit ihres Gegenübers zu erfassen und es durch Farbe und Komposition sichtbar zu machen.

Die Aufenthalte in verschiedenen Künstlerkolonien, unter anderem in Dachau, Grez-sur-Loing, Worpswede, Ferch und Ascona inspirieren sie zu Arbeiten unter freiem Himmel. Hier stehen vor allem das Studium der natürlichen Lichtverhältnisse und deren Farbwirkungen im Vordergrund ihres künstlerischen Interesses. Die Landschaftsarbeiten weisen einen durch den Impressionismus beeinflussten lockeren Pinselstrich auf und stehen in deutlichem Gegensatz zu den zumeist streng durchkomponierten Portraits. In den grafischen Arbeiten zeigt sich neben ihrer Verbundenheit mit dem Impressionismus auch eine Inspiration durch Elemente des Jugendstils.

Seit Mitte der 1890er Jahre sind die Arbeiten der Künstlerin auf der »Großen Berliner Kunstausstellung« sowie in verschiedenen Salons u.a. in München, Hamburg und Breslau zu sehen. In dieser Zeit fügt Julie Wolf ihrem Nachnahmen den Namen der Stadt ihrer Kindheit an und nennt sich fortan »Wolfthorn«.

1898 zählt sie zu den Gründungsmitgliedern der Berliner »Secession« mit Max Liebermann als erstem Präsidenten. Seit 1904 betreibt sie zudem ein Ausbildungsatelier für angehende Künstler, welches ihr einen Teil ihres Lebensunterhaltes sichert. Gemeinsam mit Käthe Kollwitz und weiteren Künstlerinnen gründet sie 1906 die Ausstellungsgemeinschaft »Verbindung Bildender Künstlerinnen Berlin-München«. Sie engagiert sich intensiv für die Förderung von Künstlerinnen, wird Mitglied im »Verein der Berliner Künstlerinnen«, dem »Deutschen Lyceum-Club« und im »Frauenkunstverband« und unterzeichnet mehrere Petitionen zur Zulassung des Akademiestudiums für Frauen.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 ändert sich das Leben der erfolgreichen Künstlerin jüdischer Herkunft radikal. Sie wird aus Vereinigungen ausgeschlossen, erhält Publikationsverbot und darf nur noch im Rahmen des »Jüdischen Kulturbundes« und anderer jüdischer Institutionen ausstellen. Für die Künstlerin wird es fast unmöglich, Aufträge zu erhalten. Ihre Bemühungen um ein Visum für die Ausreise in die USA scheitern. Am 28. Oktober 1942 erfolgt die Deportation in das Konzentrationslager Theresienstadt, wo Julie Wolfthorn am 29. Dezember 1944 stirbt.

Mit dieser Ausstellung möchte das Westpreußische Landesmuseum anlässlich des 75. Todestages Julie Wolfthorns das Leben und Werk der Künstlerin würdigen. Die Ausstellung präsentiert die Vielseitigkeit Wolfthorns anhand von Gemälden und grafischen Arbeiten, darunter vor allem Portraits und Landschaftsansichten.

(Bild: Julie Wolfthorn, Frau mit Taube, o. J., Öl auf Leinwand 28 x 34 cm, Privatbesitz)

Weitere Informationen:
http://westpreussisches-landesmuseum.de/de/ausstellungen/naechste-sonderausstellungen/julie-wolfthorn1864-thorn-1944-kz-theresienstadt/


Veranstaltungsort:
Westpreußisches Landesmuseum
Klosterstraße 21
48231 Warendorf

 
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Kategorien: Ausstellungen
Veranstaltungsort: Westpreußisches Landesmuseum, Klosterstraße 21, 48231 Warendorf
Termin
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