1964 nahmen 76 Jugendliche aus der Türkei Abschied von ihrer Familie und einem oft behüteten Dorfleben und fanden sich nach einer langen Bahnfahrt im spätherbstlichen, kühlen Ruhrgebiet wieder. Sie sollten zu fremden Menschen "Mutter" und "Vater" sagen und sich an vollständig andere Lebensumstände gewöhnen: Um spätestens 5 Uhr aufstehen, um 6 Uhr bei der Arbeit sein, Butterbrote kauen, schwer arbeiten, bald sogar unter Tage, und lernen, lernen, lernen.

Neun dieser ehemaligen Jugendlichen erzählen ihre Geschichte in der Wanderausstellung "Glückauf in Deutschland", die LWL-Direktor Matthias Löb am Montag (28.8.) im LWL-Landeshaus eröffnete. Der LWL zeigt die Schau mit szenischen Fotografien von Cornelia Suhan und dokumentarischen Bildern aus fünf Jahrzehnten bis zum 14. September in Münster.

Produziert wurde die Ausstellung vom Verein für Internationale Freundschaften Dortmund (ViF e.V.), einem Selbsthilfeverein und Begegnungsort für ältere Arbeitsmigranten. 

Die meisten türkischen Jugendlichen wurden in deutschen Familien in den verschiedenen sogenannten Pestalozzidörfern in Dortmund und Castrop untergebracht, nur einige wenige in zecheneigenen Lehrlingsheimen. Am 1. April 1965 begannen sie ihre Lehre an den Berufsschulen der Zechen Hansa, Germania, Erin und Emscher-Lippe, legten die Knappen- und Facharbeiterprüfung ab und wurden später Techniker, Ingenieur oder Steiger. Auch ein Betriebsrat ist unter ihnen. "Diese inspirierende Ausstellung zeigt berührende Geschichten des Ankommens und Weiterkommens in Deutschland. Die Biografien können uns als gute Beispiele Mut machen in der angespannten und oft sehr emotional geführten Debatte um Integration", sagte Löb.

Quelle: publikom - Stadtnetz für Münster


Veranstaltungsort:
LWL-Landeshaus Münster
Freiherr-vom-Stein-Platz 1
48143 Münster

 
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Kategorien: Ausstellungen
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