ZWISCHEN SERIALITÄT UND ALEATORIK

Musik pur – Klarheit gegen die Beliebigkeit des persönlichen Geschmacks, könnte der Untertitel des Programms lauten. Die Serialisten um Pierre Boulez und Karlheinz Stockhausen waren nach den Erfahrungen des 2. Weltkriegs angetreten, eine neue, reine Musik zu entwickeln. Jeder Bezug zur klassisch romantischen Tradition sollte ausgeschlossen sein, nichts erinnern an das musikalische „Ausdrucks – und Gefühlsrepertoire“ der Vorkriegszeit. Auch jede Instrumentalisierung für außermusikalische Zwecke sollte ausgeschlossen sein. Zur gleichen Zeit entwickelte der Schönberg Schüler John Cage in den USA mit aleatorischen Operationen arbeitend ein Verfahren, das Intentionalität gänzlich aus seinem Werk verbannen sollte. Persönliche Vorstellungen, Vorlieben und Abneigungen sollten beim Komponieren eine völlig untergeordnete Rolle spielen. Die konträren Ansätze, Überzeugungen und die dabei entstehenden Werke faszinierten zunächst gleichermaßen. Es zeichnete sich jedoch bald ab, dass unter den angewandten strengen Techniken Lähmungen eintreten würden, die Freiheit und Erfindungsreichtum der Künstler*innen sehr einschränkte. Einflussreich auf alles Nachfolgende waren die Überlegungen dennoch. Der Anspruch, alle Parameter der Musik miteinander vermitteln zu wollen faszinierte und wirkte in unterschiedlichen, stark modifizierten und freieren Ausformungen lange nach. Mit Werken von Karlheinz Stockhausen und John Cage stellen wir 2 Protagonisten der reinen Lehre vor. Kompositionen von Gottfried Michael Koenig, Roman Haubenstock- Ramati, Volker Blumenthaler und Achim Bornhöft stellen dar, inwieweit serielles Denken sowie der Gedanke des Spiels mit Zufallsoperationen in den folgenden Jahrzehnten bis ins 21. Jahrhundert weiterwirkte.

Das Ensemble Phorminx wurde 1993 von Musikerinnen, Musikern und Komponisten in Darmstadt gegründet. Die un-mittelbare und langfristige Kooperation zwischen Interpreten und Komponisten war von Anfang an unverzichtbarer Leitgedanke des Ensembles. Werke der neuen Musik werden daher fast ausschließlich in enger Zusammenarbeit mit Komponistinnen und Komponisten erarbeitet und aufgeführt. Inzwischen sind weit über 200 Kompositionen für Phorminx entstanden. Das vielfältige Repertoire wird regelmäßig auf diversen Festivals (Internationale Ferienkurse für Neue Musik in Darmstadt, Frankfurt Feste, Schleswig-Holstein Musikfestival, Festival Rainy Days Luxembourg, Heidelberger Frühling, Contemporary Music Week Seoul, DAEGU – Contemporary Music Festival, Festival für Europäische Kirchenmusik, alpsmove festival südtirol) sowie bei Konzerten im In – und Ausland präsentiert. 1996 wurde es mit dem Bad Homburger Förderpreis ausgezeichnet. Rundfunkproduktionen, Konzertaufzeichnungen (SWR, HR, SFB, BR, DLF) und Tonträger dokumentieren seine Arbeit. Die CD Vom Eise befreit (EMI) wurde mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet. Zwei weitere CD´s mit Kammermusik von Helmut Lachenmann und Kompositionen zu Max Beckmanns graphischem Apokalypse Zyklus (inklusive Buch mit den Reproduktionen der Grafiken Max Beckmanns und Texten zur Kunst und zur Musik) sind 2009 bei WERGO und in der edition neue zeitschrift für musik erschienen. Zwei Portrait-CD´s mit Werken von Achim Bornhöft und Kompositionen Volker Blumenthalers sind unlängst erschienen. 2011 wurde das Ensemble mit dem Darmstädter Musikpreis ausgezeichnet. Eine Portrait – CD mit Werken von Karola Obermüller erscheint 2019 beim renommierten Label WERGO.

Das Konzert findet im Rahmen der Konzertreihe „frei & streng“ statt. Künstlerische Prozesse schwanken zwischen Freiheit und Strenge. Formale Vorgaben, Konzepte, Kunstregeln sind erforderlich – um lustvoll überschritten oder negiert zu werden. Die Konzertreihe „frei & streng“ zeigt das Schwanken zwischen den beiden Polen – in der Komposition wie auch in der Interpretation von Musik.

Die Reihe erstreckt sich von Mai 2017 bis Herbst 2018 und findet in drei Räumen mit unterschiedlicher religiöser Geschichte statt: im ehemaligen Kreuzherrenkloster Bentlage in Rheine, in der Stiftskirche St. Felicitas des ehemaligen Damenstifts Vreden und in der ehemaligen englischen Garnisonskirche und heutigen Friedenskapelle in Münster.

BESETZUNG

Thomas Löffler Klarinette/Baßklarinette
Angelika Bender Flöten
Alwyn Tomas Westbrooke Violine
Wolfgang Lessing Violoncello
Anna Zassimova Klavier

PROGRAMM

Zwischen Serialität und Aleatorik
Musik zwischen Determination und Zufall

Karlheinz Stockhausen (1928-2007): Klavierstück IX (1954-1961)

John Cage (1912-1992): Music for (1984-1987), Version für Flöte, Klarinette, Violine und Violoncello

Volker Blumenthaler (*1951): Schattengeburt (1982), für Klarinette, Violine und Violoncello

Gottfried Michael Koenig (*1926): Segmente 85 – 91 (1984), für Flöte, Bassklarinette und Violoncello

Nicolaus A. Huber (1919-1994): multiple 5, für ein holzbalsinstrument und ein streichinstrument

Achim Bornhöft (*1966): Sepia (2008), für Flöte, Klarinette, Violine , Violoncello und Klavier

VERANSTALTER

VHS Ahaus

Eintritt: 15€, freie Platzwahl

Weitere Informationen:
http://www.friedenskapelle-am-friedenspark.de/


Veranstaltungsort:
Friedenskapelle am Friedenspark
Willy-Brandt-Weg 37 b
48155 Münster

 
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