Ausstellung: "Reif für die Insel" - Tourismus auf Sylt, Hiddensee und Mallorca

 

 
 

Sylt, Hiddensee und Mallorca - jede dieser Inseln verkörpert ein bestimmtes Klischee: die Insel der Schönen und Reichen in der Nordsee, die Insel der Einzelgänger und Naturliebhaber in der Ostsee, die Insel der Massen und der Stars im Mittelmeer.

Die Wirklichkeit ist allerdings vielschichtiger. Mit rund 500 Exponaten - Bademoden, Plakaten, Postkarten, Souvenirs, Gemälden und Fotografien - zeigt die Ausstellung, wie sich der Tourismus an den verschiedenen Orten entwickelt und wie sich die Urlaubskleidung verändert hat. Das Spektrum der Objekte reicht vom 100 Jahre alten, mit Rüschen besetzten Badeanzug für Damen bis zur Jukebox mit Strandhits, vom Westerland-Bass eines Mitglieds der Rockband "Die Ärzte" bis zum Original-Inventar eines kompletten Gästezimmers aus Hiddensee. Video-Interviews mit Insulanern, die ganz persönliche Geschichten erzählen, bereichern die Präsentation. 

"Die Ausstellung zeigt auf erfrischende und kompakte Weise, wie die Deutschen Urlaub machten und machen: vom Kaiserreich bis heute, in West und Ost, im Inland und im Ausland. Ein tolles Thema, das Spaß macht", erklärte LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger am Freitag (30.6.) bei der Vorstellung der Schau im LWL-Textilwerk Bocholt. 

Tatsächlich steckt in der Geschichte des Tourismus mehr als Sonne, Sand und Meer. "Urlaub ist die Kehrseite der Arbeitswelt und immer auch ein Spiegel der Gesellschaft. Veränderungen machen sich immer auf beiden Seiten bemerkbar. Das zeigt unsere Ausstellung ganz deutlich", so Dirk Zache, Direktor des LWL-Industriemuseums. Drei Leitfragen haben die Konzeption der im LWL-Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg entwickelten Schau bestimmt: Wie wurden die Inseln entdeckt? Wer fuhr und fährt aus welchen Gründen dorthin? Welche Folgen hat der Tourismus für die Zielorte? In Bocholt wurde die Frage nach den modischen Veränderungen auf den Inseln vertieft. "Wir haben die in Waltrop erstmals gezeigte Schau noch um viele Stücke aus unserer Sammlung ergänzt", hebt Martin Schmidt, wissenschaftlicher Referent im LWL-Textilwerk, den besonderen Reiz der Präsentation hervor.

Sylt
Westerland darf sich seit 1855 "Seebad" nennen - zu diesem Zeitpunkt stand Sylt noch unter dänischer Hoheit. Bald entstanden die ersten Hotels. Am Strand gab es ein Herren- und ein Damenbad. Ab 1902 durften sich dann im Familienbad - dem ersten in Preußen - die Geschlechter mischen. Sylt stieg zur "Königin der Nordsee" auf, mit Modeschauen, Hunderennen und Tanzabenden. Seit 1927 verbindet der als technische Meisterleistung gefeierte Hindenburgdamm Sylt mit dem Festland.

Nach dem Krieg entwickelte sich die Insel zum Treffpunkt der Eliten aus Wirtschaft und Medien. Gunter Sachs, Axel Springer und Berthold Beitz gehörten zu den Stammgästen, was die Auswahl der Reisekleidung bei den Inselbesuchern stark beeinflusste. Auch wer noch nicht da war, kennt die Insel-Silhouette: der Autoaufkleber ist der meist verkaufte in Deutschland. Das VIP-Image ist bis heute geblieben und zeigt sich deutlich in der auf Sylt getragenen Kleidung, auch wenn der eigentliche Reiz der Insel in ihrer Strand- und Dünenlandschaft liegt.

Hiddensee
Auf Hiddensee geht es ungezwungener zu - der fahrbare Untersatz taugt auf der autofreien Insel nicht als Statussymbol. Auch die Kleidung spiegelt die Naturverbundenheit der Hiddensee-Urlauber wieder. In der Weimarer Republik war die Insel der "Balkon von Berlin". Gerhart Hauptmann und Asta Nielsen besaßen hier Sommerhäuser; Thomas Mann, Albert Einstein, Joachim Ringelnatz und Heinrich George suchten Erholung. In der DDR galt Hiddensee als das begehrteste Reiseziel des Landes. Der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund kontrollierte die Zuteilung fast aller freien Betten auf der Insel. "Die Hiddenseer durften einige Zimmer direkt an Privatgäste vermieten. Sie vergaben jeden Winkel in Scheune, Stall und Stiege an Schwarzschläfer", so Schmidt. Einige Gäste versuchten die DDR zu verlassen und nach Dänemark zu fliehen - für sie war Hiddensee der Start zu einer ganz besonderen Reise.

Mallorca
Ab 1900 etablierte sich Mallorca mit der Kathedrale von Palma als Kulturreiseziel, während sich erst später auch der Strandurlaub entwickelte. In den 1930er Jahren bildete sich eine Kolonie von Deutschen, von denen einige Zuflucht vor dem Nationalsozialismus suchten. Spätestens als der Düsenjet Ende der 1960er Jahre das Propellerflugzeug ablöste, setzte sich Mallorca als erschwinglicher Urlaubsort mit Sonnengarantie bei den Deutschen durch. Heute stellen sie 40 Prozent der 9,7 Millionen Touristen. Hatten die ersten Pauschaltouristen noch mit Hut und Krawatte im Flieger gesessen, fuhren bald die "Ballermänner" mit einheitlichen Motto-T-Shirts los, um ordentlich "die Sau 'raus zu lassen". Für das Ausstellungsprojekt hat das LWL-Industriemuseum die Ruhrgebietsfotografin Brigitte Kraemer zur Partymeile von S'Arenal geschickt.
Überfüllte Strände mit maroden Bettenburgen verschlechterten in den 1990er Jahren den Ruf der Insel. Diesen Trend hat Mallorca gestoppt, indem es neben dem Strand auch die Berge, den Sport und die Kultur hervorhebt. 

Rahmenprogramm
An zwei Sonntagen im Monat findet um 15 Uhr eine öffentliche Führung durch die Sonderausstellung statt. Die Teilnahme ist jeweils kostenlos; Besucher zahlen nur den normalen Eintritt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Gruppen können Führungen an frei zu vereinbarenden Terminen buchen.

(Bild: Farbenfroh geht es am "Strand" von Mallorca zu.Foto: LWL/Holtappels)

Weitere Informationen:
https://www.lwl.org/industriemuseum/standorte/textilwerk-bocholt


Veranstaltungsort:
LWL-Industriemuseum - TextilWerk, Spinnerei
Industriestr. 5
46395 Bocholt

 
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Kategorien: Ausstellungen
Veranstaltungsort: LWL-Industriemuseum - TextilWerk, Spinnerei, Industriestr. 5, 46395 Bocholt
Termin
So, 24.09.2017 10:00 - 18:00 Uhr 
Di, 26.09.2017 10:00 - 18:00 Uhr 
Mi, 27.09.2017 10:00 - 18:00 Uhr 
Do, 28.09.2017 10:00 - 18:00 Uhr 
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