Radtour: Venntüte und Klappertopf

 
 

 
 
 

Feuchte Wiesen, sandige Dünen, knorrige Eichen - das sind einige der Zutaten auf dieser NaTourismusRoute, die auf 40 Kilometern ins südliche Tecklenburger Land und noch ein klein wenig darüber hinaus führt. Die Hauptrolle spielen jene Wiesen, in denen bis weit ins Frühjahr hinein das Wasser steht.

Gleich zwei der bedeutendsten Feuchtwiesengebiete im Kreis Steinfurt durchquert die Route. Sie sind auch die Heimat von Venntüte und Klappertopf, die der Route den Namen gegeben haben. Was es mit den beiden auf sich hat? Da hilft nur eins: sich auf’s Rad schwingen und mit der Broschüre im Gepäck auf Entdeckungsreise gehen!

Wir starten in Ladbergen dort, wo die Route den Mühlenbach überquert. Es geht  in südliche Richtung über den Westerweg. Zu beiden Seiten säumen Kirschbäume den Weg, was dem Radler im Frühjahr zur Kirschblüte ein optisches Erlebnis ersten Ranges beschert. Es dauert nicht lange, und wir sind schon mittendrin im Reich von Brachvogel, Kiebitz und Steinkauz.

Das Hölter Feld, das wir als Erstes erreichen, ist eines der großen Feuchtwiesenschutzgebiete im Kreis Steinfurt. 380 Hektar stehen unter Schutz. Austernfischern und Bekassinen können wir hier begegnen, sowie natürlich vielen anderen Vogelarten.

Sobald wir das Hölter Feld verlassen, wird es kurviger. Wir kommen in die Bauerschaft Wester und damit in die alten Siedlungsbereiche. Einige stattliche Höfe mit den für das Münsterland so typischen Hofbäumen, meist Eichen, begleiten uns. Die Bäume stehen fast immer auf der Wetterseite, bieten Schutz vor den vorherrschenden westlichen Winden und spenden gleichzeitig Schatten.

Für einige Zeit bewegen wir uns sodann im Brennpunkt mehrerer Verkehrsadern. Autobahn, Dortmund-Ems-Kanal und startende Flieger vom nahe gelegenen Flughafen Münster-Osnabrück kommen hier zusammen. Am friedlichsten ist noch der Dortmund-Ems-Kanal. Um ihn abzudichten, benötigte man beim Bau Lehm und Ton, die man erst unter dicken Sandschichten fand. Aus solch einer Abgrabung entstand der Waldsee. Bei den Einheimischen hieß der See früher immer nur „Lehmkuhle“ und war eine beliebte Gelegenheit zum „Plümpsen“, wie die Badefreuden im Münsterland auch gerne genannt werden. Heute ist aus der Lehmkuhle ein Waldfreibad geworden.

Wie erreichen das Feuchtgebiet Saerbeck. Vor allem im Frühjahr geht es hier hoch her. Brachvögel, Kiebitze und Uferschnepfen steigen immer wieder aus den Wiesen auf, um Konkurrenten aus dem Revier zu vertreiben oder vor möglicher Gefahr zu warnen. Im Feuchtgebiet Saerbeck genießen die Vögel Privilegien, auf die Landwirte Rücksicht nehmen müssen. Alle Flächen im Feuchtgebiet sind in öffentlicher Hand und an Landwirte verpachtet. Frühestens ab Mitte Juni dürfen sie die Wiesen mähen. „Herzstück“ des Naturschutzgebietes ist eine große Staufläche. Durch sie fließt der Mühlenbach.

Wir fahren ein Stück am Dortmund-Ems-Kanal entlang. Auf der anderen Seite des Kanals setzen sich die Feuchtwiesen fort. Im Naturschutzgebiet „Am Janhaarspool“ ist es aber nicht so nass wie nebenan im Feuchtgebiet Saerbeck... Die Venntüte hatten wir schon. Fehlt noch der zweite Namensgeber für unsere Route. Er wächst im Naturschutzgebiet in feuchten Wiesen: der Klappertopf. Der deutsche Name Klappertopf bezieht sich auf die reifen Früchte, deren Samen im aufgeblasenen Fruchtkelch beim Schütteln deutlich hörbar klappern.

Nach dem Janhaarspool geht es weiter auf unserer Route: Das letzte Feuchtwiesengebiet auf unserer Tour ist erreicht. „In den Hiärken“ heißt das Gebiet, was soviel heißt wie „in den Hecken“. Tatsächlich zeigt ein Blick in ältere Karten, dass es hier früher ein dichtes Netz von Wallhecken gab. Heute ist die Landschaft offener, was Brachvögeln und Kiebitzen durchaus gelegen kommt, weil sie ein weites Blickfeld schätzen.

Wir unterqueren die A 1. Bevor wir zurück in Ladbergen sind, wird es noch einmal hügelig. Eiszeitliche Sande sind hier zu Dünen aufgeweht worden, die früher mit Heide bewachsen waren und sich bis ins 19. Jahrhundert hinein bei Stürmen immer wieder verlagerten. Erst durch Aufforstungen gelang es, die Dünen endgültig festzulegen und ihre Wanderschaft zu beenden. Heute sind die Dünen mit recht monotonen Nadelforsten bewachsen. An der Heideromantik, die längst Geschichte ist, wird dennoch festgehalten. „Lönsheide“ nennen die Einheimischen das Gebiet, in dem sich einiges um den bekannten Heidedichter dreht. Wir radeln auf dem „Lönsweg“ und stoßen unterwegs auf einen „Lönsstein“. Da liegt der Verdacht nahe, dass der Heidedichter hier zu Lebzeiten ein- und ausging. Dem war aber wohl nicht so. Was allerdings viele nicht wissen: Löns war nicht nur Schriftsteller, sondern auch ein anerkannter Naturforscher. Sein Lehrer war Hermann Landois, der Gründer des Zoos in Münster. Löns’ Steckenpferd war durchaus ungewöhnlich: Er beschäftigte sich vor allem mit Schnecken.

Der Dünenzug reicht dicht bis an Ladbergen heran. Die letzten Meter bis zu Start und Ziel geht es durch Wohngebiete. Über 40 Kilometer liegen hinter uns. Eine Erfrischung und eine kleine Stärkung hat der Radler sich da verdient. Kein Problem – Ladbergen bietet dafür eine gute Auswahl an Lokalitäten.

Textauszug aus den Broschüren der NaTourismus-Routen, die u.a. bei der Biologischen Station Kreis Steinfurt e.V. (siehe unten) erhältlich sind.

Kurzportrait


Weitere Infos

Biologische Station Kreis Steinfurt e.V.
Bahnhofstr. 71
49545 Tecklenburg
Tel.: 05482-9291-0
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NaTourismus Routen

Entspannt Radeln und dabei die Naturschönheiten des Tecklenburger Landes mit allen Sinnen genießen – das ist das Anliegen der NaTourismus-Route Tecklenburger Land. Die knapp 200 Kilometer lange Route zeigt Ihnen die unterschiedlichen Facetten einer Landschaft zwischen Moor und Mittelgebirge. Begleitbroschüren zu allen Routen verraten, warum es sich lohnt, diese „Perlen der Natur“ zu schützen und zu pflegen – und dass manchmal eine Menge Arbeit und Enthusiasmus dahintersteckt. Die NaTourismus-Route ist in das Radverkehrsnetz NRW integriert. Achten Sie bei den Pfeilwegweisern auf Einschübe mit dem NaTourismus-Logo. Die große Route ist mit weißgrundigen Einschüben gekennzeichnet. Bei der lokalen Rundroute ist der Einschub farbig hinterlegt und trägt den Routennamen. Folgen Sie ansonsten den Zwischenwegweisern bis zum nächsten Pfeilwegweiser. Befindet sich an einem Abzweig oder einer Kreuzung einmal kein Zwischenwegweiser, heißt es immer: geradeaus fahren. Die Anbindung der Bahnhöfe, sofern sie nicht direkt an der Route liegen, erfolgt über entsprechende Symbole.
 
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