Laer: St. Bartholomäus

 
 

 
 
 

Die Pfarrei Laer wird erstmals im Jahre 1181 in einer Urkunde erwähnt. Sicherlich gehört sie aber zu denen, die von hl. Ludgerus im 9. Jahrhundert gegründet wurden.

Von den ersten Kirchenbauten finden wir nichts mehr. Was aber vom 13. Jahrhundert an geschah, lässt sich am Bauwerk deutlich ablesen. In dieser Zeit nämlich muss ein größerer Neubau erstellt worden sein. Spuren davon findet man noch bei einem Rundgang durch die heutige Kirche, deren Bau im Jahre 1485 begonnen wurde. Das lehrt eine Inschrift im Turm „1484 und een lag Henrik Valk den ersten Stehen“.

1599 legte eine verheerende Feuersbrunst das Dorf und einen Teil des Gotteshauses in Asche. Auch daran erinnert eine „Brandtafel“. Damals wurden der Turmhelm und das Chorgebäude im alten Stil erneuert. Später erfolgten nur noch geringe Veränderungen, wie die Vergrößerung des Turmportals um 1900 und der Anbau der Taufkapelle im Norden von 1939-1940. 1968 wurde die Kirche hervorragend instandgesetzt.

Der mächtige Turm beherrscht das Dorfbild. Aus der engen Umbauung der Kirchhofsburg hebt sich der geschlossene Block aus hellgelbem Baumberger Sandstein kraftvoll heraus. Für die Zeit um 1485 ist selbst in Westfalen ein so wuchtiger Turm ungewöhnlich. Dazu ist er mit über 11 Metern Dicke noch mehr als zwei Meter breiter als das Mittelschiff. Eine Erklärung für diese ungewöhnlichen Maße findet man, wenn man nordwärts um die Kirche herumgeht. Wo das Seitenschiff am Turm ansetzt, erkennt man den Rest eines Rundfensters. (Die Steine sind vom Brand gerötet) Es kann nur von der erwähnten romanischen Kirche stammen. So versteckt sich auch im Turm der romanische Vorgänger, der die Breite angab. Er wurde 1585 wohl erhöht und dabei außen mit den schönen Quadersteinen verblendet.

Das Langhaus lässt sich am besten an der Südseite überblicken. Es wirkt mit seinen drei Fenster auf jeder Seite kurz und kastenförmig. Die Strebepfeiler sind nicht einmal so hoch wie die Fenster und hören schon einige Meter unter dem Dachansatz auf. Das ist ungewöhnlich. Dahinter verbirgt sich eine Besonderheit der Gewölbedecke.

An der Südseite des Turmes steht eine große barocke Kreuzigungsgruppe deren Entstehungszeit die Mitte des 18. Jahrhunderts sein dürfte.

Wenn man die Kirche betritt, ist man zunächst von der Weiträumigkeit und Helligkeit des Raumes überrascht. Nur vier runde Pfeiler, schlank und sehr weit voneinander entfernt, stehen im Raum. Wenn man weiter ins Mittelschiff geht, ist man neuerlich überrascht. Nun wirkt der Raum deutlich längsgerichtet, er hat also seinen Charakter geändert. Das Mittelschiff richtet sich jetzt auf den ziemlich tiefen Chor aus. Auch der Turm öffnet sich –selten für Westfalen- in voller Breite und Höhe zum Hauptschiff. Sogar die ungewöhnlich schmalen Seitenschiffe wirken jetzt wie längsgestreckte Räume. Die dritte Überraschung bietet der Blick ins Gewölbe.

Hier erst wird deutlich, wie ungewöhnlich breit das Mittelschiff ist. Die Gurtbögen, welche die gegenüberliegenden Pfeiler miteinander verbinden, sind sehr flach gespannt. Sie bewirken den Eindruck der Breitenausdehnung. Dabei ist im Grunde das Gewölbe außerordentlich hoch. Mit 6,80 m Höhe bis in seine Spitze ist es erheblich höher als die nur 5,5 m langen Pfeiler. Man muss also wieder umdenken. Es entstehen für den Betrachter lauter widersprüchliche Eindrücke. Alles verkehrt sich rasch in sein Gegenteil. Dieses geistreiche Spiel mit wechselnden Gefühlslagen ist ein reizvolles Merkmal der spätesten Stufe der Gotik.

Die Ausstattung ist für eine Dorfkirche ungewöhnlich reich und wertvoll. Das älteste Werk ist zugleich auch das wertvollste. Die monumentale Figur des Kirchenpatron, des hl. Bartholomäus, steht gleich links am Eingang des Altarraums. Der Meister der 2,65 m hohen Steinplastik kommt aus der Werkstatt, die im 13. Jahrhundert am Dom zu Münster arbeitete. Sie dürfte etwa von 1260 sein. Aus der Zeit um 1320 stammt der kleine Holzkruzificus auf dem rechten Seitenaltar. Ein zweites bedeutendes Bildwerk ist die unterlebensgroße Steinfigur des hl. Antonius. Er wurde im 15. Jahrhundert in Westfalen als Schutzpatron gegen die Pest und als Patron der Haustiere sehr verehrt.

Beachtenswert sind die drei großen Glasfenster im Chor. Die warme, nach oben immer intensiver werdende Rottönung verleiht dem Raum Glanz. Sie wurden von Heinrich Dieckmann aus Köln 1939-40 während der Herrschaft des Nationalsozialismus gearbeitet. Im Programm steckt verschlüsselt eine Absage an das gottlose Regime. Die Mitte zeigt die Auferstehung Christi.

An den Seiten sind die Namenspatrone der Laerer Bürger dargestellt, welche die Fenster stifteten. Vom gleichen Künstler stammen die beiden Wandmosaiken über den Seitenaltären, die Muttergottes und die beiden Ewalde darstellend. Anders als die beachtlichen Glastfenster sind es formal und farblich zurückhaltende Werke.
 
Zu nennen wäre noch ein schlichter Fensterzyklus in der Taufkapelle. Die Glasbilder mit den Symbolen für die sieben Sakramente stammen ebenfalls von Heinrich Dieckmann, unter dessen Leitung die Laerer Pfarrkirche 1939/40 hervorragend restauriert worden ist.

Besondere Aufmerksamkeit hat die Laerer Kirchhofsburg verdient, obwohl es schwer fällt, von heute auf die äußere Anlage der Kirchhofsburg zu schließen. Die baulichen Veränderungen im laufe der Jahrhunderte lassen nicht mehr sehr viel von dem ursprünglichen Bild erkennen. Es gibt aber eine große Anzahl von Beweisen (vgl. I. Rösmann: Lage und Bedeutung der Kirchhofsburg in Laer) über das Vorhandensein dieser Verteidigungsanlage im Zentrum des Dorfes.

In die Zeit des 13. Jahrhunderts kann man wahrscheinlich die Kirchhofburg datieren, weil in dieser Zeit zumeist die ersten steinernen Kirchen ihre hölzernen Vorgänger ablösten. In der heutigen 1485 erbauten St. Bartholomäus-Kirche finden sich noch Überreste, (Teil des Turms) ihrer steinernen Vorgängerin, deren Gründungsjahr nicht bekannt ist. Anzunehmen ist, dass der Kirchhof mit einer Ringmauer umgeben war, in die Schießscharten eingelassen waren. Innerhalb dieser Mauer standen in einem inneren Ring die sogenannten Gaden, hierzulande eher Speicher genannt.

Das waren manchmal unterkellerte Fachwerkbauten zur Aufnahme von Getreide, Kleidungsstücken und sonstiger beweglicher Habe. Das Vieh wurde in gefährlichen Zeiten auf den Kirchhof getrieben. Der Turm diente oft als letzte Zuflucht. Günstig waren eine etwas erhöhte Lage der Kirche und Wasser, das man rings um die Kirchhofsburg leiten könnte.

 
 

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Weitere Informationen

St. Bartholomäus
Kolpingweg 4
48366 Laer
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