Stadtgeschichte Steinfurt

 
 

 
 
 

Steinfurt - Die heutige Stadt Steinfurt besteht seit der Gebietsreform vom 01.01.1975 aus den ehemals selbständigen Orten Borghorstund Burgsteinfurt.Das frühere Steinfurt (der heutige Stadtteil Burgsteinfurt) tritt mit der ersten Erwähnung des Haupthofes der Bauerschaft Sellen als Besitz der Abtei Werden an der Ruhr im Jahre 890 in die Geschichte ein.

Wenig später, im Jahre 968, erfolgte die Gründung des Damenstiftes Borghorst auf der Burg des gleichnamigen Grafengeschlechtes, die im Bereich der heutigen Nikomedes-Kirche inmitten der drei Bauernschaften Dumte, Ostendorf und Wilmsberg lag. Die ersten Mitglieder dieses Stifts kamen aus dem Kloster Essen zwischen der Gründerfamilie von Essen und derjenigen von Borghorst bestanden enge Verbindungen, die sich noch lange nach der Gründung dieses Stifts nachweisen lassen. Wenn man auch vielleicht nicht sagen kann, daß im Gebiet der heutigen Stadt Essen die Wiege der Ureinwohner Steinfurts gestanden hat, eine gemeinsame Wurzel beider Stadtteile ist dort sicherlich zu finden.

War in Borghorst eine kirchliche Einrichtung Kern der Siedlung, so richtete sich in Burgsteinfurt ein weltliches Geschlecht von Adelsherren ein. Diese, die späteren Grafen von Steinfurt, erbauten vermutlich an der Stelle des Haupthofes von Sellen eine Wasserburg, die zur Sicherung der Furt in der Steinfurter Aa diente, nach der sie auch ihren Namen erhielt. Das imposante Bauwerk wurde in seiner Gegenwärtigen Anlage nach der 1164 erfolgten Zerstörung neu errichtet. Von den ältesten Teilen der Burg ist noch die Schloßkapelle, eine Doppelkapelle, und der Rittersaal erhalten. Das Schloß wird von den Nachfahren der Steinfurter Grafen, den Fürsten zu Bentheim und Steinfurt, bewohnt.

Burgsteinfurt ist eine Gründung der Grafen, die Kaufleute, Handwerkern und anderen Ackerbürgern Hausstätten in verkehrsgünstiger Lage an der Furt gegen geringes Entgelt in Hühnern, Wachs oder Geld vererblich überließen. Wohl schon im 13. Jh. wurde die so entstandene Siedlung aus dem dörflichen Verband der drei Bauerschaften Hollich, Sellen und Veltrup durch Verleihung des Weichbildrechts, einer Organisationsform zwischen Dorf- und Stadtrecht, ausgegliedert. 1338 wird sie in einer Urkunde von dem Edlen Ludolf als Aunse Stat to Stenvorde bezeichnet.

In Borghorst war es das Stift als Grundherr, das den Ansiedlungswilligen Grund und Boden als vererbliche Hausplätze oder Worten gegen das sog. Wortgeld ausgab. Zu einer Stadtgründung kam es jedoch nicht. Bis zum Ende des Mittelalters waren es wohl nur wenige Bauern und Handwerkern, die Wortstätten erhielten. Dies änderte sich erst, als nach dem 30jährigen Krieg die Leinenweberei in Borghorst, deren Beginn um 1500 anzusiedeln ist, größeren Umfang annahm. Die Gründung der Leinentuchmachergilde im Jahre 1657 ist ein bedeutsames Zeugnis dieser Entwicklung, die wir auch aus dem sprunghaften Ansteigen der Bevölkerungszahlen zwischen 1645 und 1650 ablesen können.

Die Leinenweberei war Grundstock für die Entwicklung der Textilindustrie in Borghorst, die dem Stadtteil heute sein Gepräge gibt. Sie wurde bis in die Mitte des 19. Jh. als Hausweberei betrieben. Die Weber lieferten die in Heimarbeit gefertigte Ware an Händler, die sog. Faktoren, ab, die für den Verkauf, insbesondere auch in den Niederlanden, sorgten. Aus diesen Händlerfamilien gingen dann auch die Unternehmer hervor, die die ersten mechanischen Webstühle in Borghorst aufstellten.

Der Impuls dazu kam jedoch von dem aus dem Oldenburgischen gebürtigen Heinrich Brader. Er errichtete im Jahre 1855 eine mit Dampf betriebene Stärkerei und Schlichterei und fügte ihr im darauffolgendem Jahr eine Spinnerei hinzu. Wahrscheinlich nach seinem Beispiel wurden dann im Jahre 1861 eine mechanische Weberei, sowie eine Spinnerei gegründet. Diese Daten setzten den Beginn zu einer stürmischen Entwicklung ein, in deren Verlauf sich Borghorst vom Stiftsdorf zur Industriestadt vergrößerte - eine Entwicklung, die 1950 in der Verleihung der Stadtrechte ihre Anerkennung fand.

Burgsteinfurt hatte die Stadtrechte bereits 1347 von den Edelherren bestätigt erhalten. Nach dem Aussterben der Edelherren konnte die Stadt von deren Nachfolgern, den Grafen von Bentheim aus dem Hause Götterswick bei Dinslaken, durch Schenkung und Kauf darüber hinaus weitere Rechte wie Weggeld und das Recht zur Erhebung der Biersteuer erwerben. Aufgrund dieser Entwicklung erreichte die Stadt 1536 die volle Selbstverwaltung durch gewählte Bürgermeister, Schöffen und Ratsherren. Das Selbstbewußtsein der Bürgerschaft fand seinen Ausdruck in dem 1561 erbauten Rathaus, das zu den bau- und kunsthistorischen Kleinoden der Kreisstadt zählt.

Dem Rathaus als Bürgerbau wurde die von Graf Arnold im Jahre 1588 in Schüttorf gegründete und 1591 nach Burgsteinfurt verlegte Hohe Schule an die Seite gestellt. Die Errichtung der Hohen Schule fiel mit der Einführung der reformierten Lehre anstelle des 1544 vom Grafenhaus zunächst angenommenen lutherischen Bekenntnisses zusammen. Diese erste Hochschule Westfalens, der am Universitätsrang nur das Promotionsrecht fehlte, wurde bald das erstrebte Ziel vieler evangelischen Studenten, insbesondere aus den Niederlanden, wie überhaupt die Grafschaft Steinfurt eine Insel dieses Bekenntnisses im katholischen Bistum Münster war. Der dadurch verschärfte lang andauernde Streit zwischen den Grafen und den Fürstbischöfen wurde erst 1716 durch einen Vertrag beendet, der die Selbständigkeit und Reichsunmittelbarkeit der Grafschaft anerkannte.

Das gestiegene Selbstbewußtsein der Grafen fand seinen Ausdruck in der Gartenanlage des Bagno (nach ital. il bagno = das Bad). Dieser Park wurde 1765 bis 1775 durch den Reichsgrafen Karl Paul Ernst im französischen Stil angelegt. Graf Ludwig zu Bentheim erweiterte den ursprünglich sehr kleinen See und wandelte den Garten in einen englischen Park um. Es entstand eine Fülle von Bauten, von denen vor allem noch der Konzertsaal und die Wachen erhalten sind. Durch die Öffnung des Parks für das gehobene Bürgertum entwickelte sich Bagno zu einer Touristenattraktion und einem nicht zu unterschätzenden Wirtschaftsfaktor für die Stadt Burgsteinfurt, der nach dem Niedergang in der Franzosenzeit leider nicht wieder auflebte.

Die Wahl Burgsteinfurts als Kreissitz ist historisch auf den Einmarsch der Franzosen im Jahre 1806 zurückzuführen. Diese errichteten Ende 1810 das Arrondissement Steinfurt und bestimmten Burgsteinfurt als Verwaltungssitz. Die den Franzosen nachfolgenden Preußen änderten 1816 bei der Gründung des Kreises Steinfurt daran nichts. Dir Einrichtung von Folgeinstutionen wie Amtsgericht und Finanzamt verstärkten den Charakter des Verwaltungsmittelpunkts noch.

Anders als in Borghorst entwickelte sich in Burgsteinfurt die Textilindustrie nicht zum Hauptwirtschaftszweig. Neben einigen Betrieben in dieser Richtung ist vielmehr die Genußmittelbranche mit den Schwerpunkten Tabak - bis in die 60er Jahre hinein von Bedeutung - und Bier - hier gab es großen Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg - bestimmend. Durch die Ansiedlung des Fernmeldezeugamtes - seit 1974 in Betrieb und heute das Logistikzentrum der Telekom - ist ein wichtiger Betrieb der Wachstumsbranche Telekommunikation in die Stadt gekommen.

Quelle: Stadt Steinfurt - Stadtarchiv -

Mit freundlicher Genehmigung der Bezirksregierung Münster