Stadtgeschichte Saerbeck

 
 

 
 
 

Saerbeck - Saerbeck wird um 1100 im Freckenhorster Heberegister erstmals urkundlich erwähnt. Zahleiche Funde weisen jedoch auf eine ausgedehnte Besiedlung bereits während der Trichterbecher-Epoche (4. Jahrtausend v. Chr.) hin. Sie erstreckten sich insbesondere auf den Bereich der oberen Niederterrasse östlich der Ems.

Über 60 Brandbestattungen aus der Zeit zwischen 800 und 500 v. Chr., die beim Bau der Umgehungsstraße freigelegt wurden, belegen die Kontinuität der Besiedlung der Niederterrasse zwischen Ems und Glane. Bei Entsandungen in der Nähe des heutigen Baggersees südlich des Ortes wurden zahlreiche Spuren frühmittelalterlicher Besiedlung entdeckt. Der Nachweis eines mittelalterlichen Sachsenhofes auf der Terrasse des Mühlenbaches südlich des heutigen Ortkerns schließt die Kette von archäologisch nachgewiesener vor- und frühgeschichtlicher Besiedlung hin zu urkundlich benannter Besiedlung seit dem ausgehenden Mittelalter.

Nach der ältesten bekannten Schreibweise ist der Name der Gemeinde Saerbeck sprachhistorisch auf die Zusammensetzung der Wörter "sar" und "bikie" zurückzuführen und bedeutet: Ort am wasserarmen Bach.

Mit der Gründung der Kirchengemeinde 1150 setzt die Entwicklung des Kirchspiels Saerbeck ein. In einer Willkommensschatzung von 1498 werden für das Kirchspiel 105 steuerpflichtige Familien aufgeführt, was einer Bevölkerung von etwa 500 - 700 Einwohnern entspricht. Es handelt sich dabei um eine rein bäuerliche Bevölkerung, über deren Erbesqualität und Verteilung ein Schatzungsregister von 1534/37 Auskunft gibt. Dabei verteilen sich die Hofflächen fast gleichmäßig auf vier Bauerschaften. Die altbäuerliche Schicht der 45 Vollbauern, auch Erben genannt, siedelte nahen der Ems und Glane in sogenannten Drubbeln, das sind lockere Gruppensiedlungen zwischen trockenem Esch und den feuchten Niederungen. Die 23 Kötter und 17 Brinkbesitzern lagen über die Mark verstreut. Bis Ende des 17. Jh. war die bäuerliche Besiedlung Saerbecks weitgehend abgeschlossen. Die Zahl der Erben (50), Kötter (38) und Brinkbesitzer (34) hatte sich bis dahin kaum noch verändert. In der Folge zeichnete sich eine Verdichtung des heutigen Ortskerns ab, als sich um die Kirche Wirtshäuser, Kramerläden und Handwerksbetriebe wie Schmiede, Sattler, Böttcher, Wagenbauer und Seiler ansiedelten. Sie alle besaßen als Ackerbürger Anteile am Eschland und Nutzungsrechte in der Mark.

Anfang des 19. Jahrhunderts war die Bevölkerung auf annähernd 2.000 Einwohner angewachsen (1821: 1.972 Einwohner). Geringe Erträge auf den kargen Sandböden, drückende Schulden durch die Ablösung der Grundherrlichkeiten, Mißernten in den 30er und 40er Jahren sowie der hohe Anteil der besitzlosen Heuerleute, die sich durch Hollandgang und textiles Heimgewerbe eine kümmerliche Existenz sichern konnten, führten im 19. Jh. zu wirtschaftlichem Niedergang und hoher Abwanderung. Bis zum Ende des Jahrhunderts ging die Bevölkerungszahl auf 1.560 Einwohner zurück.

Ein Teil der Bevölkerung, insbesondere nachgeborene Söhne und Töchter sowie Heuerleute, war nach Amerika ausgewandert oder in die benachbarten Städte Emsdetten und Greven abgewandert, in denen mit der aufkommenden Textilindustrie neue Arbeitsplätze entstanden waren.

Saerbeck blieb bis nach dem Zweiten Weltkrieg eine Agrargemeinde. Nach 1948 setzte eine Umstrukturierung ein, als mit Industrie- und Gewerbeansiedlung neue Arbeitsplätze geschaffen wurden. Es fanden dadurch Arbeitskräfte, die infolge Rationalisierung und Mechanisierung in der Landwirtschaft freigesetzt wurden, Arbeit am Ort. Mit dem Rückgang landwirtschaftlicher Betriebe verloren viele, von der Landwirtschaft abhängige Handwerksbetriebe ihre Existenzgrundlage. Selbständige Handwerker gaben auf und fanden als Unselbständige Beschäftigung in Gewerbebetrieben in Saerbeck oder in den Nachbarstädten. Mit der Zunahme der unselbständig Beschäftigten und dem Anwachsen der Auspendler änderte sich die Sozialstruktur. Aus dem Dorf war ein Schlaf- und Wohnort geworden.

Inzwischen hat die Gemeinde eine neue, von ihren Bürgern getragene Identität gefunden. Dazu haben u. a. folgende Entwicklungen beigetragen: Gegen alle Widerstände konnte Saerbeck bei der Gebietsreform 1975 die Selbständigkeit erhalten und war nach Gebietsabtretungen an Emsdetten mit 4.250 Einwohnern die kleinste selbständige Gemeinde in Nordrhein-Westfalen. Infolge der erstrittenen Selbständigkeit wuchs ein neues Selbstwertgefühl. Gleichzeitig entwickelte man ein neues Bild der Gemeinde. Saerbeck wollte nicht Kleinstadt oder Schlafstätte "heimlicher" Städter werden, sondern Dorf bleiben. Dieses Vorhaben wußte man geschickt mit Maßnahmen der Flurbereinigung zu verbinden und mit ihrer Hilfe den Ortskern neu zu gestalten. In der Überzeugung, daß Schulpolitik die beste Dorfentwicklungspolitik ist, beschloß die Gemeinde die Einrichtung einer 4-zügigen Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe.

Quelle: 1994 Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Schriftreihe -Städte und Gemeinden in Westfalen, Band 1: DER KREIS STEINFURT (Bruno Lievenbrück - Saerbeck)

Mit freundlicher Genehmigung der Bezirksregierung Münster


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