Oelde: St. Vitus

 
 

 
 
 

Oelde/Lette - Alte und moderne Bauformen prägen das Bild der heutigen Letter Pfarrkirche. Nach Plänen des Kölner Architekten Alfons Leitl wurde 1970/72 der erhaltene romanische Teil von St. Vitus um einen großen, in Nord-Süd-Richtung angelegten Neubau erweitert.

St. Vitus

Gleichzeitig wurden der alte und der neue Teil mit einem überdachten Rundgang verbunden, so dass ein Innenhof entstand, der an die klösterliche Vergangenheit der Kirche erinnert und eine schöne Atmosphäre für liturgische Feiern bietet. In diesem Innenhof sollte man die Betrachtung der Kirche beginnen.Zunächst zieht hier die Südwand der romanischen Kirche den Blick an. Zwei von ursprünglich drei Jochen sind erhalten. Das westliche Joch weist zwei kleine Rundfenster auf, die ursprünglich den Raum unter der hier befindlichen Schwesternempore belichteten. Das mittlere Joch schmückt ein sehr schönes Portal. Es wird beiderseits von je zwei Säulen flankiert, deren reiche Kapitellplastik einen phantasievollen Künstler zum Schöpfer gehabt haben muss. Auf Regelmäßigkeit und Symmetrie ist verzichtet worden; in immer wieder wechselnder Form finden sich neben Pflanzenornamenten auch Darstellungen skurriler Fabelwesen, wie Vogelleiber mit Menschenköpfen und Löwentatzen, ein froschähnlicher Dämon und Drachenfiguren.Ruhiger wirkt das Tympanon, in dessen von Ranken umrahmtem Mittelfeld ein Kreuz steht.Das östliche Joch und der Choranbau, mit denen der Altbau ursprünglich eine Länge von 27 m erreichte, wurden 1921 abgerissen. An ihrer Stelle trat ein Querhaus mit Chorraum in neubarocken Formen, das wiederum 1971 dem jetzigen Neubau Platz machen musste. Nur seine Apsis blieb erhalten.Der Weg ins Innere führt durch das Turmportal.Der Letter Kirchturm wurde 1856/58 nach Plänen des Architekten Emil von Manger (Oelde) in neuromanischen Formen errichtet. Innen verbindet eine spitzbogige Öffnung den Turm mit dem erhaltenen mittelalterlichen Kirchenraum. Dort fallen zunächst wieder die beiden Rundfenster in der Südwand auf, die früher den Raum unterhalb der nicht mehr vorhandenen Empore erhellten.Gegenüber sieht man im oberen Teil der Nordwand den heute vermauerten Zugang, durch den man einst vom Klostergebäude auf die Empore gelangen konnte. Oberhalb der Pfeilervorlage der Nordwand ist noch zu erkennen, dass die Kirche ursprünglich eingewölbt war; wegen Einsturzgefahr sind die Gewölbe 1641 abgebrochen und durch eine Flachdecke ersetzt worden.Die Westwand zieren beiderseits des Durchgangs zum Turm barocke Statuen der Apostel Petrus und Paulus.In der Achse des Altbaus liegt die erhalten gebliebene Apsis der neubarocken Kirche; in ihr steht die Sakramentssäule mit dem Tabernakel. Dazwischen erstreckt sich der Altarraum des sehr großzügig angelegten Neubaus.Im Sockel des neuen Altares werden zwei kostbare Sakralgegenstände aus der früheren Klosterzeit aufbewahrt, ein Reliquiar und ein Tragaltar.An den Wandseiten des Reliquienkastens sind die zwölf Apostel dargestellt, je vier an den Längsseiten, je zwei an den Schmalseiten. Szenen aus der Heilsgeschichte schmücken das Walmdach; auf einer Längsseite sind die Geburt Christi und die Verkündigung an Maria dargestellt, auf der anderen sind die Frauen am Grabe und die Kreuzigung Christi zu sehen.Auffällig ist, dass die Szenen in verkehrter chronologischer Folge gegeben sind – im Gegensatz zu den auf sie bezogenen Inschriften; diese lauten: „VIRGO SALVTATVR – P[ER] EAM DEVS EGENERATVR“ und „AGNVS MACTATVR – MORS A SVRGENTE ICXC FVGATVR.“ Die Walmseiten des Reliquiars sind mit Gravuren von Taufe und Himmelfahrt Christi verziert. Der in Material und Technik ähnliche Tragaltar, ein mit vergoldeten Kupferplatten beschlagener Holzkasten, zeigt seinerseits die zwölf sitzenden, paarweise angeordneten Apostel unter gedrungenen Arkaden.Beide Arbeiten gehören noch in das 12. Jahrhundert und verraten den Einfluss der Helmarshausener Werkstätten.Von der übrigen Ausstattung der Kirche ist an erster Stelle der Taufstein zu nennen, ein zylindrisches Becken mit zehn spitzbogigen Blendarkaden (nach Mitte des 13. Jahrhunderts), steinerner Zeuge dafür, dass die Kirche nicht nur Klosterkirche, sondern zugleich Pfarrkirche war; erstmals wird sie 1251 als solche bezeichnet. Erhalten ist in Lette auch das Mittelteil eines spätgotischen Hungertuches; es zeigt eine Kreuzigungsszene; alljährlich während der Fastenzeit wird es im alten Teil des Gotteshauses aufgehängt.Beachtung verdienen ferner zwei neubarocke Altarbilder (die Emmaus-Begegnung und Aufnahme Mariens in den Himmel), eine Statue des Kirchenpatrons St. Vitus und der Kreuzweg von dem Wiedenbrücker Maler Wilhelm Repke (1923/25).An der Südwand des Neubaus befindet sich die Empore mit einer großen Orgel, die 1975 in den Speithschen Werkstätten zu Rietberg gebaut wurde; mit ihren 39 Registern vermag sie das hohe Kirchenschiff klangvoll zu füllen. Drei ihrer Vorgängerinnen sind archivalisch nachweisbar, und zwar 1716/17 eine Orgel aus der Werkstatt Menke in Beckum, 1792 eine Orgel von Epmann in Recklinghausen, von der noch Reste erhalten sind, und schließlich 1903 eine Orgel von Johannes Speith in Rietberg.Seit alters erfreut sich Lette bis in die weitere Umgebung des Rufes gepflegter Kirchenmusik. Ein letzter Blick gilt den drei modernen Fenstern unter der Orgelbühne; gewidmet sind sie der Mutter Gottes, dem hl. Ludgerus als dem ersten Bischof von Münster und, womit sich der Kreis schließt, dem Gründer der Prämonstratenser.

Auszug aus:
Westfälische Kunststätten, Heft 56: Kloster Clarholz und die Pfarrkirche von Lette.

Herausgeber: Westfälischer Heimatbund, Kaiser-Wilhelm-Ring 3, 48145 Münster.

Der Westfälische Heimatbund
Der Westfälische Heimatbund nimmt als Dachorganisation von über 530 Heimatvereinen und rund 650 Ortsheimatpflegern in Westfalen Aufgaben der regionalen Heimat- und Kulturpflege wahr. Er bündelt die Aktivitäten der einzelnen Mitgliedsvereine und verfolgt das Ziel, die Einheit Westfalens zu erhalten und seine Eigenart zu pflegen. In den Menschen, die in diesem Raum leben oder sich ihm zugehörig fühlen, will er das Bewusstsein der Zusammengehörigkeit wecken und vertiefen.

 
 

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St. Vitus
Schultenfeld 7
59302 Oelde
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