Region steuert auf Fachkräftemangel zu

 
 

 
 
 

Münsterland/Emscher-Lippe-Region. – Die nord-westfälische Wirtschaft steuert auf einen erheblichen Mangel an Fachkräften zu. Das zeigen aktuelle Daten der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen, die IHK-Präsident Dr. Benedikt Hüffer in Münster präsentierte.

Danach fehlen den Unternehmen im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region schon in vier Jahren über 50.000 Fachkräfte. Derzeit sind es rund 6.000. „Besonders betroffen werden kleinere Betriebe mit bis zu 20 Beschäftigten sein“, sagte der IHK-Präsident.

Laut IHK-Fachkräftemonitor fehlen vor allem beruflich Qualifizierte wie Absolventen der betrieblichen Aus- und Weiterbildung. „Natürlich brauchen wir Akademiker, aber nicht minder brauchen wir Industriemeister, Fachwirte oder Bürokaufleute“, sagte Hüffer. Doch angesichts sinkender Schulabgängerzahlen und steigender Studierendenzahlen wird es für die Betriebe immer schwieriger, genügend junge Menschen für eine Ausbildung zu gewinnen. Nach der aktuellen IHK-Ausbildungsumfrage kann jeder vierte Ausbildungsbetrieb nicht alle Ausbildungsplätze besetzen, jeder zehnte Betrieb gerade einmal die Hälfte der Plätze.

„Der Trend zu Abitur und Studium droht die berufliche Bildung ins Abseits zu stellen“, unterstrich Hüffer. Deshalb will die IHK ihr Engagement, Unternehmen bei der Fachkräftesicherung zu unterstützen, weiter verstärken. „Wir bringen Schüler und Unternehmen zueinander“, fasst der IHK-Präsident die Zielrichtung verschiedener IHK-Projekte zusammen.

Mittlerweile habe die IHK über 360 Partnerschaften zwischen Betrieben und Schulen initiiert und per Kooperationsvertrag ganz offiziell besiegelt, allein 52 im vergangenen Jahr. 2016 hätten zudem über 3400 Schüler die zwei IHK-Azubi-Speed-Datings in Münster und Recklinghausen genutzt, um sich im direkten Gespräch mit Chefs einen Ausbildungsplatz zu sichern. Über 400 Auszubildende aus 145 Unternehmen wiederum berichteten in ihrem „Amt“ als IHK-Ausbildungsbotschafter vor insgesamt 5200 Schülern, warum sie sich für eine betriebliche Ausbildung entschieden haben.

Die Botschaft kommt an: „Erste Erfolge sind sichtbar“, resümierte Hüffer. Der Anteil von Abiturienten oder Fachabiturienten unter den Auszubildenden im IHK-Bezirk Nord Westfalen ist in den vergangenen fünf Jahren von 42 auf 51 Prozent gestiegen. „Ein wirklich erfreulicher Trend“, betonte Hüffer.

Letztendlich ist die Gesamtzahl der Ausbildungsverträge aber weiter rückläufig: 24.500 waren es 2016, knapp 3.000 weniger als drei Jahre zuvor. „Aber eben nicht, weil nicht genügend Plätze angeboten werden, sondern weil sie nicht besetzt werden können“, betonte Hüffer. Gründe dafür sind neben der demografischen Entwicklung vor allem der Trend zum Studium und die Anziehungskraft der Metropolen, meinte der IHK-Präsident.

Deshalb will die IHK Nord Westfalen jetzt auch „die wichtigsten Ratgeber der Schüler“ besser über die betriebliche Ausbildung informieren, nämlich: die Eltern: „Wir empfehlen der neuen Landesregierung eine Initiative zu starten, die interessierte Eltern bei der Suche nach geeigneten Zukunftsperspektiven für ihre Kinder unterstützt“, erklärte Hüffer.

Zudem will die IHK die Berufsschulen im ländlichen Raum sichern. Für Schulen in Ahaus, Dülmen oder Ibbenbüren beispielsweise müssten für die Größen der Klassen andere Kriterien gelten als in Großstädten. „Schon heute fällt es mancherorts schwer, die minimale Größe von 16 Schülern zu erreichen“, erläuterte der IHK-Präsident. Lange Wege zu den Berufsschulen aber motivierten nicht gerade dazu, eine betriebliche Ausbildung zu wählen.

Als nachdrücklichen Beitrag, die Attraktivität einer Karriere mit betrieblicher Aus- und Weiterbildung zu verdeutlichen, wertet die IHK hingegen ihr neues Bildungszentrum am Sentmaringer Weg in Münster. Sämtliche Seminare und Lehrgänge, die bisher an verschiedenen Standorten im Stadtgebiet verteilt angeboten wurden, werden hier ab Herbst konzentriert. „Weiterbildung ist eine der wichtigsten Maßnahmen zur Fachkräftesicherung“, unterstrich Hüffer. Die regionale Wirtschaft investiert hier, um Firmen und ihren Mitarbeitern Weiterbildung „auf höchstem technischen Stand“ zu bieten.

Letztendlich sei das Ziel, die betriebliche Ausbildung zu stärken, aber „nur in einem Schulterschluss von Politik, Unternehmen, Verwaltung und Verbänden zu schaffen“, sagte Hüffer. Er zeigte sich optimistisch, das Ziel mit Unterstützung durch die neue Landesregierung zu erreichen.

 


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