Lüdinghausen: St. Dionysius in Seppenrade

 
 

 
 
 

Seppenrade - St. Dionysius in Seppenrade blickt zwar nicht auf eine lange Geschichte bis ins Mittelalter zurück, wie viele andere der Kirchen im Münsterland. Dennoch lohnt ein Besuch der dreischiffigen Hallenkirche in gotischen Formen ebenso wie ein Blick auf ihren "Werdegang".

St. Dionysius

Schon lange hatte die Gemeinde einen Neubau geplant und darauf gespart. Aus dem Jahre 1840 datiert noch ein Entwurf für eine Erweiterung der bestehenden Kirche in gotischem Stil von einem Bauinspektor Dyckhoff. 1869 holte man einen Kostenanschlag für einen Neubau ein. 1878 wurde der in Münster ansässige Architekt August Hanemann (*1840 in Holzminden, †1926 in Höxter) beauftragt, einen neuen Plan zu erstellen. Wie üblich, legte man diesen einem anderen Architekten zur Begutachtung vor.

Es war der damals noch junge Wilhelm Rincklake (1851 – 1927), auf dessen Rat hin man beschloss, statt gemauerter Pfeiler im Schiff Rundsäulen aus Werkstein auszuführen. Mit 136500 Reichsmark hatte Hanemann die Baukosten veranschlagt; 80000 Mark waren gesammelt, als im Frühjahr 1882 der Bau unter der Leitung von Hanemann begann. Nach dreieinhalbjähriger Bauzeit konnte Bischof Johann Bernhard Brinkmann die Kirche am 7. Oktober 1885 weihen.

145000 Mark hatte der Bau gekostet. Davon war über die Hälfte aus Schenkungen und Sammlungen aufgebracht worden, der Rest aus Einkünften und Ersparnissen der Kirchengemeinde. Auch die Ausstattung wurde in den folgenden Jahren überwiegend aus Spenden bezahlt.

Die ausführenden Kräfte für Bau und Ausstattung kamen fast durchweg aus der näheren oder weiteren Umgebung. Leistungsfähige Handwerksbetriebe konnten auch im ländlichen Raum die hohen Ansprüche an Qualitätsarbeit erfüllen, die man damals zu stellen sich angewöhnt hatte. Die Bauarbeiten führte das Baugeschäft Kirschner in Dülmen aus, das der Tiroler Maurer und Steinhauer Aloys Kirschner (1800 – 1879) begründet hatte. Mit anderen Tiroler Handwerkern war er 1819 – 1828 an Haus Stapel bei Havixbeck beschäftigt gewesen und dann im Münsterland sesshaft geworden.

Die Steinmetzarbeiten wurden Kaspar Scherrer in Lüdinghausen übertragen. Die rund 100000 Backsteine und Formziegel lieferte die Lüdinghauser Dampfziegelei Hohland. Als Werkstein für die Pfeiler, Maßwerke, Gesimse usw. wählte man nicht den heimischen Baumberger Sandstein (nur für die Gewölberippen innen wurde er zugelassen), sondern einen rötlichbraunen Sandstein, der aus Kyllburg/Eifel geliefert wurde.

Zu jener Zeit standen schon viele Schäden vor Augen, die der Baumberger Stein erlitt, seit der natürliche Verwitterungsprozess durch die Abgase der frühen Industriebetriebe, u. a. auch die im Münsterland reichlich vorhandenen Ziegeleien rasch beschleunigt wurde.

Der Architekt griff bei seinem Entwurf auf einen altbewährten Kirchentyp zurück: die dreischiffige Hallenkirche in gotischen Formen. Sie hatte sich im westfälischen Raum seit dem 14. Jahrhundert in Stadt und Land durchgesetzt, bot sie doch einen großen, überschaubaren und lichten Raum für die Gemeinde und war konstruktiv leicht zu beherrschen.

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich im Rheinland in dem Kreis um den Publizisten und Politiker August Reichensperger die Ansicht gefestigt, der gotische Stil sei der dem katholischen Kirchenbau am meisten angemessene. Bischof Johann Georg Müller (reg. 1847 bis 1870) hatte ihn im Bistum Münster mit großem Engagement als Vorbild für das zeitgenössische kirchliche Kunstschaffen empfohlen.

So ist es nicht erstaunlich, wenn sich die neugotische Kirche von Seppenrade in die beträchtliche Zahl von Neubauten der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einreiht, die sich in Typus und Einzelformen an die Hallenkirchen des 14./15. Jahrhunderts anschließen. Die Verwendung des Maschinenziegels erlaubt es, ein verhältnismäßig großes Bauvolumen mit begrenzten Kosten herzustellen.

Der mächtige Baublock des Langhauses wird durch die abgetreppten Strebepfeiler und die gotischen Maßwerkfenster gegliedert. Zum gelben Backstein kontrastieren Gesimse und Strebepfeilerabdeckungen aus rotem Sandstein. Anders als bei den spätgotischen Kirchen mit ihren mächtigen Satteldächern ist hier das Dachvolumen durch abgewalmte Querdächer über den Seitenschiffen reduziert. Mit Türmchen bekrönte Gauben und kupferne Kreuzblumen bilden den Schmuck des Schieferdaches.

Größerer architektonischer Ehrgeiz verwirklicht sich am Turm, dessen markante Spitze auf viele Kilometer im Umkreis wahrzeichenhaft sichtbar ist. Am Untergeschoss treten schmale, senkrechte Bänder aus dem Bauerwerk etwas hervor. Daraus werden nach oben hin kräftige Strebepfeiler, die von Fialen aus Sandstein gekrönt werden. Der Turmkörper schließt über den hohen Schallöffnungen mit einem starken plastischen Akzent in Gestalt eines vorspringenden Spitzbogenfrieses ab. Hinter einer Maßwerkbalustrade springen die Giebelwände zurück, die Spitzen abgewalmt. In den schlank darüber aufsteigenden Helm ist, einer Krone gleich, eine offene Laterne eingefügt – ein in Westfalen nicht übliches Motiv, das sich im Werk des Kölner Neugotikers Vinzenz Statz mehrfach findet.

Das Mittelschiff und die gleich hohen, aber schmaleren Seitenschiffe erstrecken sich, in fünf Joche gegliedert, zwischen Turmhalle und Chor. Die sehr schlanken, von je vier Diensten begleiteten Rundpfeiler aus rotem Sandstein geben allseits freien Blick. Im einschiffigen Chor stehen die Fenster näher beieinander als im Langhaus und geben, obwohl sie nicht so weit nach unten reichen, mehr Licht. Hier ist auch das Fenstermaßwerk lichter gestaltet, indem die Maßwerkkronen in der Mitte geöffnet sind. Außerdem ist der Chor noch durch Bildhauerarbeit an den Kapitellen und Schlusssteinen ausgezeichnet.

Auszug aus:
Westfälische Kunststätten, Heft 52: St. Dionysius Seppenrade. Herausgeber: Westfälischer Heimatbund, Kaiser-Wilhelm-Ring 3, 48145 Münster.


Der Westfälische Heimatbund
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St. Dionysius
Kirchplatz 9
59348 Lüdinghausen
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