Handwerk expandiert weiter

 
 

 
 
 

Münster / Münsterland - Die Zeichen im Handwerk des Kammerbezirks Münster stehen weiterhin auf Expansionskurs. Die Handwerksunternehmerinnen und -unternehmer sind im Frühjahr 2018 in Hochstimmung und voller Zukunftsoptimismus – der Geschäftslageindikator aus aktueller Lage und Prognose zeigt mit 137,2 Prozentpunkten ein Allzeithoch an. Diese Ergebnisse der Frühjahrskonjunkturumfrage der Handwerkskammer (HWK) Münster präsentierte Präsident Hans Hund vor wenigen Tagen.

„Gut!“, antworten 56 Prozent von 407 befragten Betrieben auf die Frage nach ihrer Geschäftslage. Das ist der größte Anteil seit Beginn der Konjunkturbeobachtung durch die HWK Münster in 1977.

35 Prozent aus 39 Berufen finden ihre Situation „befriedigend“ – das ist ein historischer Minimalwert. Nur 9 Prozent der Betriebe berichten von „schlechten“ Geschäften.

Die Kapazitätsauslastung liegt bei 81 Prozent. Die Aufträge reichen rekordmäßige 8,3 Wochen weit. Der Saldo aus verbesserter und verschlechterter Auftragslage liegt bei 12 Prozentpunkten. Ein Drittel der befragten Betriebe konnte höhere Verkaufspreise erzielen. Die Umsätze sind folglich weiter gestiegen (Saldo: 12 Prozentpunkte). Der Arbeitsplatzmotor Handwerk läuft daher weiter hochtourig: Jeder vierte Betrieb hat Mitarbeiter eingestellt, nur jeder Zehnte musste seinen Personalstamm verkleinern (Beschäftigungssaldo: 15 Prozentpunkte).

31 Prozent prognostizieren, dass sich die Geschäftslage in den kommenden 6 Monaten verbessert. 66 Prozent erwarten eine gleichbleibende Konjunktur, nur 3 Prozent eine Verschlechterung. „Der Prognosesaldo aus optimistischen und pessimistischen Betrieben liegt bei beeindruckenden 28 Prozentpunkten – auch das ist ein Rekordwert“, freute sich Hund. Die Betriebe haben Investitionen in die Zukunft getätigt (Saldo: 15 Prozentpunkte) und rechnen mit weiterem Beschäftigungswachstum (Saldo: 10 Prozentpunkte).  

In beiden Regionen des Kammerbezirks Münster gibt es positive Entwicklungen: Die Geschäftslageindikatoren erreichen sowohl im Münsterland mit 141 und in Emscher-Lippe mit 126 Prozentpunkten nie da gewesene Höhen. Die Unterschiede zwischen beiden Teilen des Bezirks haben jedoch wieder etwas zugenommen. Die Geschäftslageindikatoren liegen 15 Prozentpunkt auseinander. Die Kluft in der Konjunkturentwicklung hat sich damit nach einer kleinen Annäherung im Vorjahr jetzt wieder um 1,5 Prozentpunkte vergrößert.

Das Bauhaupt- und das Ausbaugewerbe stehen im Konjunkturranking erneut auf den Plätzen 1 und 2 (Geschäftslagesaldo: 63 und 58 Prozentpunkte). Die Auftragsreichweiten in den Bauhauptgewerken sind auf dem Höchststand von 14,9 Wochen. Etwas schneller können die Aufträge im Ausbau abgearbeitet werden. Hier warten Kunden 9,5 Wochen, bis sie an der Reihe sind. Die Fachkräfteknappheit bremst das Wachstum aus.

Im Gesundheitsgewerbe mit drittbester Geschäftslage (Saldo: 49 Prozentpunkte) blicken die Betriebe trotz eines nur mäßigen Umsatzplus bei stabil gebliebenen Verkaufspreisen mit großer Zuversicht in die Zukunft.

Die Anbieter für den gewerblichen Bedarf profitieren von der generell guten Wirtschaftslage des Standortes Deutschland und dem hohen Export (Geschäftslagesaldo: 42 Prozentpunkte). Die Branche hat bei einer glänzenden Auftragslage am meisten neue Mitarbeiter eingestellt.

Das Nahrungsmittelgewerbe (Geschäftslagesaldo: 31 Prozentpunkte) kann sich über die beste Auftragslage und Umsatzentwicklung freuen. Auch die Investitionen sind am deutlichsten gestiegen und der Arbeitsmarkt zeigt im Jahresvergleich die größte Bewegung. Hier gibt es die beste Geschäftsprognose.

Im Kraftfahrzeuggewerbe hält sich die Geschäftslage stabil gut (Saldo: 29 Prozentpunkte), wenngleich der Konjunkturmotor stottert. So ist die Auftragslage leicht rückläufig.

Selbst wenn das personenbezogene Dienstleistungsgewerbe in der Konjunkturrangliste den letzten Platz belegt (Geschäftslagesaldo: 23 Prozentpunkte), gehen auch von hier positive Signale aus: Seit einem Jahr laufen die Geschäfte deutlich besser.

Das Handwerk im Kammerbezirk Münster ist konjunkturell, aber auch strukturell stark. HWK-Hauptgeschäftsführer Thomas Banasiewicz teilte mit, dass aktuell 28.443 Handwerksbetriebe im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region einen Jahresumsatz in Höhe von 24 Milliarden Euro erwirtschaften und rund 195.000 Mitarbeiter beschäftigen, darunter 15.000 Auszubildende.

15 Prozent aller Erwerbstätigen im Kammerbezirk sind im Handwerk tätig. Das ist überdurchschnittlich. NRW-weit sind es weniger, nämlich 12 Prozent aller Erwerbstätigen. Hier erlernen 31 Prozent aller Auszubildenden einen Handwerksberuf, in ganz NRW sind es 26 Prozent. „Das heißt, unsere Betriebe sind überproportional in der Ausbildung aktiv“, betonte Banasiewicz.

Auch der Lehrstellenmarkt entwickele sich weiter erfreulich. Seit Jahresbeginn haben die Handwerksbetriebe 4,7 Prozent mehr neue Lehrverträge abgeschlossen als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Insgesamt gibt es 2.242 neue Auszubildende. Die HWK geht davon aus, dass das Handwerk bis zum Jahresende mindestens wieder, wie im Vorjahr, rund 5.300 Lehrlinge eingestellt haben wird.


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