Münsteraner Bäckergesellen retten Wien

 
 

 
 
 

Der „Gute Montag“ wird noch heute in Münster begangen und geht auf eine wahrhaft ehrenvolle Tat zurück, die drei Bäckergesellen aus Münster zugeschrieben wird. Denn diese Drei entschieden angeblich den türkisch-österreichischen Kampf um das kaiserliche Wien im Jahre 1683!

Mehrere Versuche der türkischen Kriegsscharen, die Stadt einzunehmen, waren bereits gescheitert, so dass das Heer auf andere Möglichkeiten der Kriegsführung sann: Die türkischen Truppen beschlossen, einen unterirdischen Gang zu graben und so endlich die Stadtmauern umgehen zu können. Durch den Gang sollte eine auserlesene Abteilung während der Nacht in die Stadt eindringen, sich des nahen Tores am Roten Turm bemächtigen und durch dasselbe dem türkischen Heere den Eingang ermöglichen.

Gegraben wurde selbstredend nur in der Nacht, dafür aber umso emsiger und schon bald waren die türkischen Tunnelbauer mit ihrem Stollen in der Nähe des Turms angekommen. Nur wenige Schritte von dem Turm entfernt stand die Backstube eines Wiener Bäckermeisters, in der mit westfälischem Fleiß auch schon zu nachtschlafender Zeit die drei Gesellen aus dem Münsterland ihr Handwerk verrichteten.

Einer von ihnen vernahm nun plötzlich ein merkwürdiges Geräusch. Zu dieser Zeit? Wer sollte das sein? „Still! Seid doch mal ruhig!“, mag er seinen münsterschen Freunden zugerufen haben. Und dann vernahmen sie es alle. Leises Scharren unter dem Erdboden. Als waschechte Münsteraner waren die Drei freilich nicht auf den Kopf gefallen und erkannten sofort die drohende Gefahr und informierten die Stadtbehörden und Truppenführer.

Als in der nächsten Nacht die emsigen Tunnelbauer aus dem gegrabenen Gang zutage traten, wird das Entsetzen in ihren Gesichtern gestanden haben, denn freilich empfing sie die österreichische Miliz mit allen militärischen Ehren. Keiner von ihnen verließ die Stadt lebend und am nächsten Tag traf dann auch das sehnlichst erwartete polnische Entsatzheer ein, das im Verbund mit den österreichischen Truppen der Belagerung ein Ende setzte.

Kaiser Leopold I. wünschte, sich den Bäckergesellen für ihren Anteil an der glücklichen Wendung der Dinge erkenntlich zu zeigen, und forderte sie auf, selbst eine Belohnung zu bestimmen. Da wiesen die Drei daraufhin, dass es gerade ein Montag gewesen sei, an dem sie sich der Kaiserstadt hätten nützlich erweisen können. Deshalb möge den Bäckergesellen für immer ein Montag jährlich zu besonderer Feier freigegeben werden. Diese Bitte wurde gern gewährt, und unter Anerkennung ihrer Mannhaftigkeit und Treue überwies ihnen der Kaiser so reiche Geschenke, dass sie bei der Ankunft in der westfälischen Heimat ihre Absicht, sich selbständig zu machen, zur Ausführung bringen konnten.