Deutschlands erste Berufstaucherin kommt aus Ibbenbüren

 
 

 
 
 

Ibbenbüren / Hörstel - Privat genießt sie die exotischen Unterwasserwelten der Malediven oder vor Florida. Beruflich taucht sie mit schwerem Gerät ab in trübe Kanäle, um Schleusen zu warten. Conny Revermann aus Ibbenbüren ist Deutschlands erste geprüfte Berufstaucherin. Ihre Prüfung legte vor der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen ab.

200 Tauchgänge und 320 Theoriestunden musste die Ibbenbürenerin für die Prüfungszulassung nachweisen. In der zweijährigen Ausbildung im Tauchlehrbetrieb in Hörstel lernte sie, in Wassertiefen von bis zu 50 Meter zu schweißen, Holz zu montieren, Verschleißteile zu wechseln – und in kritischen Situation besonnen zu reagieren. Die Ausbilder drehten schon mal kurz die Luft ab, um die Reaktion darauf zu testen, berichtet Revermann, die im Hauptberuf in der Verwaltung des Kompetenzzentrums für das Tauchwesen in Hörstel arbeitet. 

Die Erfahrungen und die Tauchscheine, die sie als ambitionierte Sporttaucherin in den Jahren zuvor gemacht hatte, kamen ihr in der Ausbildung zu gute. Doch ohne die Förderung ihres Chefs und Leiters des Tauchlehrbetriebs, Karl-Heinz Anton, sagt sie selbst, hätte sie sich wohl aber nicht getraut. „Tauchen ist eine Männerdomäne“, stellt Revermann fest. Die Arbeit gilt als schwer, ganz abgesehen von der Ausrüstung, die heute immer noch 60 bis 70 Kilogramm auf die Waage bringt.

Rücksicht erwartet sie darum nicht, wenn sie mit zwei Kollegen im Dreierteam in Kanäle abtaucht, um technische Anlagen zu kontrollieren oder Autos, Anhänger und Fahrräder zu bergen. Die Sprache sei rau, zimperlich dürfe man in diesem Job nicht sein, sagt sie. „Aber im Zweifel bekommen die Männer einen dummen Spruch zurück, dann ist gut.“

Im Durchschnitt geht sie jetzt einmal pro Woche im Auftrag der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung unter Wasser. „Wenn man im Kanal einen Fisch sieht, hat man Glück“, berichtet die Ibbenbürenerin. Im meist trüben Wasser seien Fingerspitzengefühl und Vorstellungskraft gefragt. Mit Sporttauchen habe der Job rein gar nichts zu tun.

Seit 2011 nimmt die IHK Nord Westfalen Prüfungen für Berufstaucher ab. Bundesweit gibt es nur noch zwei weitere IHKs, die diese Fortbildungsprüfung anbieten. Das Mindestalter für Bewerber beträgt 21 Jahre. „Durch den Bau von Offshore-Windanlagen in der Nordsee ist die Nachfrage nach qualifizierten Berufstauchern stark gestiegen“, berichtet Stefan Brüggemann, Teamleiter Fortbildungsprüfungen der IHK Nord Westfalen. 

Berufstaucher sind gefragte Spezialisten. Das bestätigt auch Burkhard Nordhoff, Ausbilder im Tauchlehrbetrieb in Hörstel: Pro Jahr werden dort zwölf bis 15 Bewerber geprüft, dabei würden mehr Taucher benötigt, zum Beispiel um Pipelines für Öl- und Gasplattformen zu montieren, Schiffsrümpfe zu reparieren oder Talsperren zu untersuchen. „Aber auch, wenn Reparaturen in Klärbecken oder Biogasanlagen durchgeführt werden müssen, sind qualifizierte und nervenstarke Berufstaucher im Einsatz, ergänzt IHK-Teamleiter Brüggemann.


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