Stadtgeschichte Warendorf

 
 

 
 
 

Stadt Warendorf - Die Stadt Warendorf besteht aus den Ortsteilen Einen, Freckenhorst, Hoetmar, Milte, Müssingen,und Warendorfselbst. Die Stadt liegt an der hier von 0st nach West durch das ebene Ostmünsterland fließenden Ems, deren bis zu 600 m breite Talaue sich im Ortsbereich auf 150 Meter verengt und von jeher den Flußübergang der Fernstraße vom Hellweg im Süden nach Osnabrück und zu den Handelsplätzen an die Ostsee begünstigte.

twa 2 km westlich der Stadt lag auf dem Südufer der Ems an einer Furt eine altwestfälische Siedlung. Sie wurde in den Jahren 1951-59 zum größten Teil ausgegraben. Über 200 Grundrisse von größeren und kleineren Wohn- und Wirtschaftsgebäuden und ein reiches Fundmaterial an Gefäßen und Geräten zeigten Aufbau und Gliederung dieser Siedlung: 2 benachbarte, an alten Emsschleifen liegende Gruppen von 4-5 großen Hofanlagen mit ihren Wohn- und Wirtschaftsgebäuden. Sogenannte schiffsförmige Häuser und keramische Funde weisen auf nord- und nordwest-europäische Verbindung. Die Höfe wurden im 7. Jh. angelegt und während der Sachsenkriege kurz vor 800 n. Chr. zerstört. Das alte Siedlungsgelände ist durch fortschreitenden Sandabbau zum größtenTeil abgebaggert.

Die Alte Kirche (St. Laurentius, kath.) gehört zu den Urpfarrkirchen der Münster. Diözese. "Warantharpa" aber war nicht nur kirchlicher, sondern als Gerichtsstätte in einem umfangreichen Go (im MA. in Sachsen und Thüringen der unterste Gerichtsbezirk) auch weltlicher Mittelpunkt des östlichen Münsterlandes. Mit der Zeit ließen sich dort, durch eine Emsfurt und die Lage an einer Fernhandelsstraße angezogen, Gewerbetreibende und wohl auch Fernhändler nieder. Ob Giselbertus de Warendorpe, der 1158 an der zweiten Gründung Lübecks führend beteiligt war und dort 1188 in einer Urkunde Kaisers Friedrich Barbarossas noch erscheint, einer Warendorfer Kaufmannsfamilie entstammte oder Angehöriger eines gleichnamigen ministerialadligen Geschlechts war, ist ungewiß. Der inzwischen ansehnliche Marktflecken muß um 1200 zur Stadt aufgestiegen sein, die um dieselbe Zeit in zwei Kirchsprengel (Alte Kirche Neue Kirche, älterer Bau 1927 bis auf Turmreste abgerissen) aufgeteilt wurde und mit der Vergrößerung ihrer Bebauungsfläche um das Dreifache etwa 1230 ihre endgültige Gestalt erhielt.

Warendorf fand früh (1255) Anschluß an die Städtebünde, war später Mitglied der Hanse und in ihrem Verband Vorort der ostmünsterländischen Städte "auf dem Drein". In den großen Fehden des 15. Jh. stand es auf seiten der zu Münster haltenden landständischen Städte des Fürstbistums auch hier dürften die "hoyaschen Wirren" zum Sturz der bis dahin tonangebenden Patrizierfamilien benutzt worden sein.

Dass in der Stadt heftig wütende Täufertum wurde 1534 durch einen gelungenen Handstreich des Fürstbischofs Franz von Waldeck rasch niedergeworfen, die Stadt selbst daraufhin für längere Zeit ihrer Vorrechte beraubt. Damals führte Hermann Regewort, Pfarrer der Neuen Kirche, eine stattliche Anzahl Anhänger den Wiedertäufern Münsters zu der Warendorfer Johann DusentscWarendorf fand früh (1255) Anschluß an die Städtebünde, war später Mitglied der Hanse und in ihrem Verband Vorort der ostmünsterländischen Städte "auf dem Drein".

In den großen Fehden des 15. Jh. stand es auf seiten der zu Münster haltenden landständischen Städte des Fürstbistums auch hier dürften die "hoyaschen Wirren" zum Sturz der bis dahin tonangebenden Patrizierfamilien benutzt worden sein. Das in der Stadt heftig wütende Täufertum wurde 1534 durch einen gelungenen Handstreich des Fürstbischofs Franz von Waldeck rasch niedergeworfen, die Stadt selbst daraufhin für längere Zeit ihrer Vorrechte beraubt.

Damals führte Hermann Regewort, Pfarrer der Neuen Kirche, eine stattliche Anzahl Anhänger den Wiedertäufern Münsters zu der Warendorfer Johann Dusentschuer rief dort Johann van Leiden zum König aus. Im 30jährigen Krieg wurde Warendorf als letzte der widersetzlichen münsterländischen Städte 1623 von den Kaiserlichen unterworfen. Dies bedeutete zugleich den Sieg des Katholizismus über den bis dahin in der Stadt vorherrschenden Protestantismus. 1628 ließen sich die Franziskaner in Warendorf nieder ihr Kloster besteht noch heute (1875-87 vorübergehend geschlossen). Nach dem 7jährigen Krieg wurde die seit 1534 besonders stark ausgebaute Festung geschleift (erhalten der sogenannte Bentheimer Turm im Nordosten), der äußere Wall in eine Promenade verwandelt. Die erste Steinbrücke über die Ems wurde 1794 gebaut bis 1800 folgten über ihre verschiedenen Arme drei weitere.

Warendorf war immer eine Textilstadt. Seine Leinwand hatte die sprichwörtliche Qualität eines weithin bekannten Markenartikels: es ist dies durch Äußerungen von König Friedrich Wilhelm I. von Preußen und von Goethes Mutter zu belegen, und noch 1839 wurde die gesamte Damastleinenaussteuer für Königin Viktoria von England aus Warendorf geliefert. Heute beherbergt die Stadt die größte Inlettwarenindustrie Deutschlands. Ihre Reitertradition wurde 1826 mit der Einrichtung eines Landgestüts begründet. Im Fürstentum Münster zum Amt Sassenberg gehörig, wurde Warendorf in preußischer Zeit 1803-07 und wieder ab 1816 Hauptort eines Kreises.

Ortsteil Einen: Im Mittelpunkt des bereits mehrfach beim Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" ausgezeichneten Dorfes Einen erhebt sich auf einer Anhöhe über dem rechten Emsufer die schlichte Pfarrkirche St. Bartholomäus. Die Kirche in Einen ist eine frühe Abtrennung der Laurentiuspfarre in Warendorf, ein Pfarrer in Einen wird erstmals 1216 erwähnt. Das Dorf selbst ist als Haupthof des Stiftes Metelen gegründet worden.

Ortsteil Freckenhorst: Die Gründung eines Kanonissenstifts geht nach der Überlieferung auf den (durch eine Fuldaer Quelle gesicherten) sächsischen Edelherren Everward und seine vermeintliche Gemahlin Geva zurück. Die Gründung erfolgte gegen 860. Damals stattete Bischof Liutbert von Münster das Stift mit Reliquien, darunter einer solchen des hl. Bonifatius, aus. Die Stiftung bewahrte bis zur Aufhebung ihren adeligen Charakter die Äbtissinnen stammten bis 1688 aus edelfreiem Geschlecht. Die als erste Äbtissin angesprochene Thiathildis, angeblich eine Nichte des Stifterehepaares, gelangte in den Ruf der Heiligkeit. An ihrem Todestage (30.1.) fanden bis zur Reformation besondere Feierlichkeiten statt. 1669 ließ Bischof Christoph Bernhard von Galen ihre Gebeine erheben und in einen neuen silbernen Schrein umbetten. Von der Bedeutung des Stifts im Mittelalter zeugt die Stiftskirche, deren wesentliche Bauteile dem 11. und 12. Jh. entstammen. Von der im Süden an sie anschließenden Klosteranlage steht noch ein Teil des Kreuzgangs aus dem 13. Jh. An seiner Stelle lag ein karolingischer Kreuzgang mit den Stiftsgebäuden, von denen Teile 1967 ausgegraben wurden. In dem freien Raum zwischen Kreuzgang und Kirche wurde ein Baumsargfriedhof des 10. Jh. festgestellt. Die Kirche birgt einen Taufstein aus der 1. Hälfte 19. Jh., dessen Inschrift die Weihe der Kirche für 1129 - nach einem Brand im Jahre 1116 - bezeugt, ferner das Grabmal der Geva aus der 2. Hälfte 12. Jh. (?) in der Krypta mit der ältesten niederdeutschen Inschrift.

Die im Westen vor der Kirche stehende Petrikapelle, deren Mauerwerk z. T. auf das 10./11. Jh. zurückgeht, soll nach der Überlieferung die erste Kirche in Freckenhorst gewesen sein. (Ihr Patrozinium könnte wie das Bonifatiuspatrozinium der Stiftskirche auf Fulda zurückgehen, dem Everward einen Teil seines Besitzes zuwandte.) Über den reichen Grundbesitz des Stifts gibt zuerst die als altsächsische Sprachdenkmal berühmte Freckenhorster Heberolle (11. Jh.) Auskunft. Trotz mancher, im späteren Mittelalter und in der Neuzeit erlittenen Verluste besaß das Stift bei der Aufhebung noch immer über 250 Bauernhöfe. Die Schutzherrschaft übten anfangs die Edelherren von Freckenhorst aus, dann der seit 1170 in Rheda wohnende Widukind, der vermutlich derselben Familie entstammt. Nach seinem Tode (1190/91) kam die Vogtei an Bernhard von der Lippe und 1365 als Annex der Herrschaft Rheda an die Grafen von Tecklenburg.

Die innere Entwicklung des Klosters, das vor 1240 die Augustinerregel angenommen hatte, wird durch die Umwandlung in ein freiweltliches adliges Damenstift (1495) und den tiefen Einschnitt gekennzeichnet, den die Reformation hervorrief. Zum Protestantismus neigende oder offen dafür eintretende Äbtissinnen ließen manche altkirchlichen Gebräuche einschlafen. Vorübergehend fanden Wiedertäufer hier eine schützende Stätte. Erst Anfang 17. Jh. gelang es dem katholischen. Bekenntnis, sich wieder die Alleinherrschaft im Konvent zu verschaffen. Dem 18. Jh. entstammen die neue Abtei (1740 1840 in Besitz der von Merveldt übergegangen), eine Damenkurie und an der Nordseite 2 Kanonikate. - König Friedrich Wilhelm III. bestimmte 1805, nachdem Freckenhorst. zwei Jahre vorher an Preußen gefallen war, das Stift als Versorgungsanstalt für adlige Damen aller Konfessionen. Die Franzosen befahlen 1811 die Aufhebung. - Eine vor der Stiftsfreiheit entstandene geschlossene Siedlung, deren Bewohner 1308 cives genannt werden, wird seit dem 14. Jh. teiIs als Dorf, teils überwiegend als Wigbold bezeichnet. Durch das 1332 bezeugte abteiliche Wigboldgericht aus dem Kirchspiel ausgesondert, besaß die Siedlung eine bescheidene Selbstverwaltung erst 1782 wurde ein eigenes Siegel geschaffen. Nach der preußischen. Besitzergreifung von 1802 galt Freckenhorst als Stadt.

Ortsteil Hoetmar mit seinen 2.362 Einwohnern (1990) liegt 6 km südlich von Freckenhorst nahe der östlich den Ort umgehenden L 547. Es wird im Freckenhorster Heberegister des 11. Jh. als "Hotnon" greifbar. Die Kirche St. Lambertus steht auf dem Grund der curia Hotmar, des alten Haupthofes und jetzigen Hauses Hoetmar. Als im 13. Jh. Graf Konrad von Rietberg durch Erbteilung den Besitz übernimmt, gründet er die Pfarre, die erstmals 1281 urkundlich erwähnt wird. Das Kirchspiel mit Dorf, Buddenbaum und weiteren vier Bauerschaften um faßt rund 2700 ha, deren neuzeitliche Entwicklung mit der Aufhebung der Hörigkeit 1808 und der Teilung der zwischen dem Dorf und Freckenhorst gelegenen holzreichen Hoetmarer Mark 1839 beginnt.

Ortsteil Milte: Im Warendorfer Ortsteil Milte ist die Pfarrkirche St. Johannes der Täufer von besonderem Interesse. Als erstes fällt der für diese Region recht ungewöhnliche Turm ins Auge. Es handelt sich dabei um einen romanischenTurm in der Spätgotik entstandenen Zwiebelturm. Das Langhaus wurde 1829/30 errichtet. Es ist eines der seltenen Beispiele des preußischen Klassizismus der Schinkel-Schule im Münsterland. Der Kirchenraum wird durch zehn schmucklose Fenster ausgeleuchtet.

Quellen: HANDBUCH DER HISTORISCHEN STäTTEN DEUTSCHLANDS - Nordrhein-Westfalen - Dritter Band 1970, Alfred Kröner Verlag Stuttgart, Kunst im Kreis Warendorf, SCHNELL Buch & Druck Warendorf 1991

Mit freundlicher Genehmigung der Bezirksregierung Münster