Stadtgeschichte Wadersloh

 
 

 
 
 

Wadersloh - Wadersloh ist eine Großgemeinde die sich auf Grund des "Münster-Hamm-Gesetzes" vom 26.7.1974 zum 1.1.1975 aus den selbständigen Gemeinden Wadersloh, Diestedde und Liesborn gebildet hat.

Zu Wadersloh gehören die Bauerschaften Ackfeld, Basel, Bornefeld. Geist, Vahlhaus und die Dorfbauerschaft. Der gesamte Raum der Gemeinde Wadersloh war schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt, wie Funde von der Steinzeit bezeugen.

Die Pfarrei Wadersloh gehörte mit der Pfarrei Diestedde zu den Pfarreien, die nach Anordnung des Bischofs Hermann II. von Katzenellenbogen 1193 dem Archidiakonat des Propstes des St.-Martini Stiftes in Münster zugeteilt wurden. Als Urpfarrei hat die Pfarrei Liesborn zu gelten. da auch mit anderen karolingischen Klostergründungen alte Pfarrsprengel verbunden waren. Die Abtrennung der Pfarrei Wadersloh muß aber schon lange vor 1100 erfolgt sein, da beide Pfarreien nach der Abtrennung räumlich gesehen noch sehr ausgedehnt waren. Die im 11. und 12. Jahrhundert gegründeten Pfarreien sind räumlich gesehen doch wesentlich kleiner wie etwa die Pfarreien Diestedde, Sünninghausen und Vellern. Die Pfarreien Liesborn und Wadersloh waren ursprünglich etwa gleich groß.

1267 vereinigte der Münsterische Bischof Gerhard von der Mark die Wadersloher Kirche mit der zu Lippborg dem damals von ihm in Beckum gestifteten Kollegiatstift.

Bis zur Säkularisierung hat das gesamte Gemeindegebiet zum fürstbischöflichen Amt Stromberg gehört und lag in der Freigrafschaft der Edelherren von Lippe mit Freistühlen in den Kirchspielen Diestedde, Liesborn und Wadersloh. Diestedde und Wadersloh zählten zum Gogerichtsbezirk Stromberg, während Liesborn dem Gogericht Herzfeld zugeordnet war.

Nach der Besitznahme des östlichen Münstelandes für die preußische Krone (1802) wurde 1803 das Gebiet in Kreise eingeteilt. Damals kam das Gemeindegebiet zum Kreis Beckum. Am 1. Juni 1806 erlangte die neue Einteilung Rechtskraft. Doch schon am 14 November 1806 wurde im Namen des französischen Kaisers Napoleon u. a. vom Munsterland Besitz ergriffen. Noch im Jahre 1806 wurde das spätere Großherzogtum Berg zum Großherzogtum erhoben. Nach der Niederlage Preußens bei Jena und Auerstädt (1806) kamen die Grafschaften Dortmund, Mark und das ehemalige Fürstentum Münster mit der Herrschaft Rheda zum Großherzogtum. 1808 wurde das Großherzogtum in vier Departements eingeteilt. Das Gemeindegebiet kam zum Departement der Ruhr (Verwaltungssitz: Dortmund), zum Arrondissement Hamm und zum Kanton Oelde. Die Kantone waren keine Verwaltungsbezirke, sondern nur Friedensgerichtsbezirke. Die Friedensgerichte lösten die Gogerichte ab Die Arrondissements waren nicht nur Verwaltungsbezirke, sondern auch Gerichtsbezirke für die 1. Instanz.

Im Dezember 1810 wurde Norddeutschland und mit ihm das Großherzogtum Berg dem französischen Kaiserreich einverleibt. Als im Jahre 1813 das Napoleonische Staatensystem zusammenbrach, übernahm Preußen wieder die Herrschaft in dem ehemaligen Fürstbistum Münster. Aus den Mairien wurden nun Bürgermeistereien.

Im Jahre 1816 wurden die Kreise Beckum und Warendorf wieder eingerichtet. Die Bürgermeisterei Wadersloh bestand weiterhin nur aus dem gleichnamigen Kirchspiel, während Diestedde mit Liesborn die Bürgermeisterei Liesborn bildete. 1815 kam das heutige Gemeindegebiet zum Bezirk des Stadt- und Landgerichts Oelde.

Von 1822-1844 gehörten zur Bürgermeisterei Liesborn folgende Orte: Diestedde, Herzfeld, Liesborn und Wadersloh. In Anwendung der Gemeindeordnung vom 31. Oktober 1841 wurden durch Ministererlaß vom 8. Mai 1844 die Ämter Liesborn mit den Gemeinden Herzfeld und Liesborn und Wadersloh mit den Gemeinden Diestedde und Wadersloh eingerichtet. Mit Wirkung vom 1.Juli 1931 wurde das Amt Liesborn-Wadersloh mit den Gemeinden Benteler, Diestedde, Herzfeld, Liesborn und Wadersloh gebildet.

1969 wurde die Gemeinde Benteler (bis 1898 Bauerschaft der Gemeinde Wadersloh) der Gemeinde Langenberg (Kreis Gütersloh) zugeordnet. Herzfeld ist seitdem ein Ortsteil der neugebildeten Gemeinde Lippetal im Kreis Soest. Bad Waldliesborn (früher der östliche Teil der Liesborner Bauerschaft Suderlage) wurde am 1. Januar 1975 Stadtteil von Lippstadt. Seitdem bilden die ehemaligen Gemeinden Diestedde, Liesborn und Wadersloh die heutige Gemeinde Wadersloh.

Seit den letzten Jahrhunderten hatte Wadersloh, was die Zahl seiner Häuser und Einwohner im Ortskern betraf, das größte Kirchdorf. Bis 1803 bestand der Ortskern von Liesborn im Wesentlichen nur aus der Benediktinerabtei, und Diestedde hatte nur ein sehr kleines Kirchdorf. Oft mußte das heutige Gemeindegebiet unter den Kriegen leiden. Besonders folgenschwer war der Dreißigjährige Krieg. Damals wurden viele Höfe geplündert und gingen in Flammen auf. Noch fast 30 Jahre nach Beendigung des Krieges heißt es von verschiedenen Höfen im Gemeindegebiet, daß sie wüst und ohne Haus waren. Oft äscherten Brände ganze Ortschaften ein. So wurde 1803 und 1853 fast das gesamte Kirchdorf Wadersloh ein Raub der Flammen.

Der Ortskern Diesteddes liegt sechs Kilometer westlich vom Hauptort Wadersloh entfernt. Der älteste bisher bekannte und erhaltene Nachweis für die Pfarrei und somit auch für den Ort Diestedde findet sich in einer Urkunde des Klosters Liesborn (1136). Mit großer Wahrscheinlichkeit wurde die Pfarrei jedoch schon Jahre früher gegründet, und zwar aus Gebieten der Pfarreien Beckum und Liesborn.

Was der Ortsname bedeutet, ist nicht einwandfrei geklärt. Heute herrscht die Meinung vor, daß der Name vom germanischen Wort "thing" (=Gericht) abgeleitet ist, also auf eine Thingstätte zurückzuführen sei. Für diese Theorie spricht die Tatsache, daß sich in Diestedde seit altersher ein Freistuhl mit Freigerichtsbarkeit befand. Dieser Gerichtsplatz lag wahrscheinlich nördlich des Schlosses Crassenstein im Bereich der uralten Eiche, die der Volksmund noch heute die "Feme-Eiche" nennt.

Die Siedlungsgeschichte des Ortes Diestedde, das im Mittelalter unter verschiedenen Grundherrschaften stand, geht auf agrarische Ursprünge zurück. Einige dieser Besitzungen werden bereits um 900 urkundlich erwähnt.

Bis zu den Wirren der Reformationszeit bestimmte die Verehrung des heiligen Nikolaus von Myra das kirchliche Leben. Schon 1217 wird bekundet, daß dieser Heilige in "Thistede" sehr verehrt wird.

Aber nicht nur als bedeutendster Nikolauswallfahrtsort unserer Gegend wurde Diestedde aufgesucht, auch die Großen der Zeit trafen sich hier im 13. Jahrhundert mehrmals, um Verträge auszuarbeiten und Abkommen zu schließen.

Im Jahre 1330 verlobte sich Ritter Heinrich von Wendt, Burgmann des Bischofs von Münster auf der Burg Stromberg, mit Agnes, der Tochter des dortigen Burggrafen. Ein Enkel dieses Heinrich von Wendt erhielt 1411 Schloß Crassenstein mit der dazugehörigen Freigrafschaft vom Stromberger Burggrafen zum Pfand. Acht Jahre später kaufte er es mit allen Liegenschaften und wurde so nicht nur der wichtigste Grundherr in Diestedde, sondern auch der Patronatsherr der Kirche. Von 1419 bis 1983 blieben die Freiherren von Wendt (ab 1878 deren Nachfahren, die Grafen von Marchant und Ansembourg), Besitzer des Schlosses und des Besitzes, zu dem auch fast alles Land gehörte, auf dem der heutige Ortskern steht. Bereits 1951 wurde das Schloß verpachtet an den "Internatsverein Lüdinghausen e.V.", der hier und in weiteren 1959/60 errichteten Gebäuden auf dem Schloßgelände bis 1982 das Realschulinternat St.-Marien unterhielt. 1983 erwarb die "Gesellschaft für Schulen- und Erwachsenenbildungsstätten mbH" diese Gebäude samt Schloß und richtete dort ein humanistisches Gymnasium ein, das sie der von Alterzbischof Marcel Lefebvre gegründeten "Priesterbruderschaft des Heiligen Pius X. "zur Verfügung stellte.

Noch bis in unser Jahrhundert bestand der alte Ortskern, der sich südlich des Schlosses bis zur Höhe des alten Ehrenmales erstreckte, aus der Pfarrkirche, dem Pastorat, der Schule, dem Armenhaus, einigen Gaststätten und knapp 20 Häusern.

Bis ins 14. Jahrhundert hinein lautet die 2. Silbe des Ortsnamens "berne". Da die Quelle der Liese mehr als 10 km westlich der ehemaligen Klosteranlage liegt, kann der Ortsname nicht Quelle der Liese bedeuten. Die Anfänge des Damenstiftes liegen noch immer ziemlich im Dunkeln. Das Liesborner Nekrolog (um 1799), das auf ältere Überlieferungen zurückgreift, nennt der Gründer die beiden Laien Bozo und Bardo, die dem Verwandtenkreis der Ekbertiner zugerechnet werden dürfen. Wahrscheinlich wurde zu Beginn des 9. Jahrhunderts in Liesborn ein Frauenkonvent angesiedelt. Wir dürfen annehmen, daß Liesborn zunächst ein Frauenstift war, das gemäß den Consuetudines (Ausführungsbestimmungen) Kaiser Ludwig des Frommen von 816 nach der Regel des hl. Benedikt lebte.

Aus dem erwähnten Nekrolog sind uns die Namen der 13 Äbtissinnen, einer Priorin und von über 14 Stiftsdamen bekannt.

Die Gründung des Stiftes Liesborn muß um 800 liegen, denn Liesborn besitzt eine der größten Reliquien des hl. Propheten Simeon. Eine Reliquie dieses Heiligen, zumal von der Größe der Liesborner, hatte für den mittelalterlichen Gläubigen einen hohen Stellenwert, da der Prophet Simeon noch zu den Zeitzeugen Christi gehört.

1130 erfolgte die Umwandlung des Stiftes in ein Benediktinerkloster. Die ersten Mönche kamen der Liesborner Überlieferung nach, aus der Abtei Werden an der Ruhr.

1144 erhielt das Kloster vom Bischof von Münster den Archidiakonat über die Pfarre, und 1264 wurde die Pfarre der Abtei einverleibt. Die Seelsorge übten in der Folgezeit Liesborner Benediktiner aus. 1317 verschaffte sich Abt Florinus den Gebrauch der Pontifikalien.

Der Anschluß an die Bursfelder Kongregation (1464/65) brachte der Abtei eine Zeit der Blüte in jeder Beziehung. Liesborn wurde zum "Bursfelde des Westens", da der Liesborner Konvent an der Reform anderer Klöster stark beteiligt war. Am 2. Mai 1803 wurde dem voll lebensfähigen Kloster der Todesstoß versetzt. Preußen übernahm alle Rechte und Pflichten der Abtei. Wertvolle Kunstschätze wurden versteigert, so auch die Altartafeln des Meisters des Liesborner Hochaltares. Das heutige Dorf Liesborn entstand erst nach 1803.

Quelle: Kunst im Kreis Warendorf, Herausgegeben von Werner Bockholt, SCHNELL Buch & Druck Warendorf 1991

Mit freundlicher Genehmigung der Bezirksregierung Münster