Stadtgeschichte Telgte

 
 

 
 
 

Telgte - Die Stadt Telgte besteht aus den Ortsteilen Telgte und Westbevern. Sie liegt im Kernmünsterland zwischen den Städten Münster im Westen und Warendorf im Osten am Ufer der Ems. Der Raum wird landschaftlich als Übergangsraum zu bezeichnen sein zwischen dem fruchtbaren Münsterland mit seinen Kleiböden und dem sandigen waldreicheren Ostmünsterland.

Die Geschichte der Stadt Telgte reicht bis ins hohe Mittelalter zurück. 1235 wird der Ort als gogravius erwähnt das Jahr 1238 wird für die Stadtbildung von zentraler Bedeutung, da es durch Bischof Ludolf von Münster zu einer Aufteilung der Äcker des bischöflichen Hofes zwischen den kirchlichen Ministerialen der Kirche und den "Cives" des "opidum" kommt (C. Haase). Mit dieser Erwähnung von Telgte als Stadt und der Zubilligung von Rechten wie Befestigungsrecht, Selbstverwaltungsrecht, Marktrecht usw. findet eine erste Stadtgründungswelle der Bischöfe von Münster ihren Abschluß. Zu dieser Zeit verfügt Telgte bereits vom Stadtgrundriß her über eine große Fläche. Auch das Siedlungsbild soll schon einen städtischen Eindruck gemacht haben.

Auffällig bei Telgte war im 13. Jahrhundert, daß der Ort im Gegensatz zu vielen anderen Städten des Münsterlandes nur über eine relativ kleine Gemarkung verfügte. Daraus kann der Schluß gezogen werden, daß die landwirtschaftliche Tätigkeit zu der Zeit innerhalb der Stadt einen nur geringen Stellenwert einnahm, die Zahl der Ackerbürger nicht wirtschaftlich bestimmend war, sondern urbane wirtschaftliche Tätigkeiten die Zugehörigkeit von Telgte zu den Städten unterstrichen.

Obwohl Telgte zu den Gründungsstädten der Zeit zwischen 1180 und 1240 gezählt wird, geht die Entwicklung auf einen Haupthof zurück, der wiederum die Ausgangsbasis für eine bischöfliche Burg darstellte. Es spricht zumindest einiges dafür, daß Telgte als Siedlungsplatz entschieden älter ist.

Mit der Teilung der Landflächen im Jahr 1238 erhielt Telgte gleichzeitig die Rechte einer stadtähnlichen Siedlung, wie sie auch Ahlen und Beckum verliehen wurden.

Neben dem Stadtgründungsvorgang spielten bei der Stadtgeschichte auch Lagekriterien eine wichtige Rolle. Telgte liegt an einem alten Emsübergang. Hier trafen mittelalterliche Handelswege aufeinander, zum einen eine Ost-West-Achse, die von der Weser zum Niederrhein führte, zum andern ein Weg, der von Münster über Osnabrück nach Bremen führte.

Auf dem linken, flachen Emsufer bildete sich die Siedlung, die trotz der planmäßigen Anlage einen gewachsenen Charakter zeigt. Der Grundriß zeigt die Form eines Kreises, wobei im Osten durch die Emsinsel ein Kreissegment abgeschnitten erscheint. Das Straßensystem weist eine gitterförmige Anlage auf, wobei zwei Hauptstraßen herausragen. In einer Hauptstraße ist ein rechteckiger Marktplatz integriert worden.

Die mittelalterliche Stadt Telgte wurde durch Mauern, Wall und Graben befestigt, in den Jahren 1588, 1606 und 1647/48 erfolgte eine Verstärkung der Befestigung. Drei Tore, das Münstertor, das bis 1650 Diekpforte genannt wurde, das Steintor und das Emstor bildeten die Zugangsmöglichkeiten zu der Stadt.

Im Mittelalter verfügte die Stadt über eine eigene Wehrhoheit. Die Verteidigung übernahmen dabei die Zünfte. Erst gegen Ende des 18. Jahrhundert wurden auch bischöfliche Soldaten eingesetzt.

Die Befestigung der Stadt Telgte bewies sich als nicht sehr widerstandsfähig. 1591 wurde Telgte durch Truppen des Grafen von Eberstein erobert und gebrandschatzt. Weitere kriegerische Belagerungen und Eroberungen gab es 1600 durch Holländer, 1623 durch Christian von Braunschweig und auch im Siebenjährigen Krieg.

Die Folge für die Stadtbefestigung war, daß diese nach dem Krieg 1763 geschleift wurde, die Gräben wurden im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts zugeschüttet, und die drei Stadttore wurden langsam abgetragen (das Emstor 1788, das Münstertor 1816, das Steintor 1822).

Die urbane Stellung der Stadt Telgte verdeutlicht sich besonders in der Zugehörigkeit zu Städtebündnissen. Hierbei sind besonders der Werner Bund, zu dem Telgte 1255 beitrat, und die Mitgliedschaft in den sogenannten Hanse-Beistädten Münsters hervorzuheben. Dadurch ergeben sich im Bereich des Handels positive Impulse für die Stadt.

Von Bedeutung für das mittelalterliche Telgte sind aber in entscheidendem Maße die Handwerker, die zur wirtschaftlichen Säule der Stadt werden. Dabei dominiert eindeutig das Landhandwerk. In der Mitte des 15. Jahrhunderts beginnen sich die Handwerker in Zünften zu bilden und zu organisieren und erhalten eine wichtige politische Bedeutung in der Stadt. Bis in die Gegenwart prägen die Handwerksbetriebe und die sich daraus entwickelnden Gewerbebetriebe maßgeblich die sozioökonomische Struktur der Stadt.

Neben kriegerischen Angriffen stellten Feuerbrünste und Seuchen die größten Bedrohungen für die Stadt dar. Brände sollen 1393, 1500 und 1739 die Stadt heimgesucht haben. Im Jahr 1595 wütete in Telgte die Pest. Dabei soll die Einwohnerzahl um die Hälfte dezimiert worden sein. Weitere Seuchenjahre waren 1599, 1667, 1794/95 und 1811/12.

Von den Bauten der Stadt Telgte wird die alte Emsmühle im Jahr 1137 erwähnt. Die Pfarrei wird erstmals 1249 erwähnt. Zu der Zeit befand sich bereits in der Stadtmitte eine Kirche, die den Patronen Clemens und Silvester geweiht war Vermutlich brannte dieser Kirchenbau bei dem Stadtbrand des Jahres 1500 ab. Auf dem Burgplatz wurde im gotischen Baustil eine neue Pfarrkirche errichtet, die 1522 fertiggestellt wurde. Im 19. Jahrhundert gab es bauliche Erweiterungen. 1865 wurde der Turm neu errichtet, daneben wurde das Langhaus um ein Joch verlängert. Neben der Clemensprobsteikirche entstand im späten Mittelalter eine Kapelle, die für 1424-1450 belegt ist, jedoch seit 1571 nicht mehr vorhanden zu sein scheint.

Die Wallfahrtskapelle Beatae Mariae V. mit dem weitbekannten Gnadenbild, das wohl aus dem 14. Jahrhundert stammt, wurde als oktogonaler Bau zwischen 1654 und 1657 errichtet, ein Umbau erfolgte in der Mitte des 19 Jahrhunderts.

Zahlreiche aus heutiger Sicht bedeutende Bauten konnten die Jahrhunderte nicht überdauern. Dazu gehört zum Beispiel die sogenannte Florenzburg am Emsufer (1346-79 errichtet), das alte Rathaus von 1787, die aus dem Jahr 1441 stammende Armenhauskapelle, die 1812 abgetragen wurde.

Eine überörtliche Bedeutung erlangte Telgte durch seine Funktion als Marktort. Noch 1845 werden vier Kram- und Viehmärkte belegt, von denen der Pferdemarkt der bedeutendste war. Ein Markt, der Mariä-Geburts-Markt, konnte sich bis in die Gegenwart erhalten.

Oberregionale Bedeutung erhält Telgte aber auch durch die Funktion als Wallfahrtsort. Der Beginn der Wallfahrten reicht bis ins 15 Jahrhundert zurück und steht in Zusammenhang mit einer spätmittelalterlichen Pieta, die von den Telgter zunächst verehrt wurde. Das lokale Interesse weitete sich, 1651 beginnend, als Franziskaner aus Münster eine Prozession nach Telgte durchführten, auf die gesamte Region aus. Das Wallfahrtswesen erreichte 1754 mit der 100-Jahr-Feier der Gnadenkapelle einen ersten Höhepunkt, ebenso 1854 und 1904 zum 250jährigen Jubiläum. Die Zahl der Pilger beträgt gegenwärtig etwa 100 000 im Jahr, damit ist Telgte der bedeutendste Wallfahrtsort im Münsterland.

Das 19. Jahrhundert wird in Telgte durch einen Bevölkerungsanstieg gekennzeichnet. Während Telgte noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts lediglich 1760 Einwohner (1818) hatte, wohnten 1895 2437 Einwohner in der Stadt. Dieser Bevölkerungsanstieg hängt mit der Gründung von kleineren Industrieunternehmungen zusammen, dazu zählen eine Bettfedernfabrik (1830), eine Stuhlfabrik (1895), eine Mühlsteinfabrik (1909), eine Weberei (1928) und eine Schloß- und Baubeschlagfabrik (1932).

In diesen Zusammenhang gehört auch der Bau der Eisenbahnlinie von Münster über Telgte und Warendorf nach Lippstadt im Jahr 1887. Dieser Eisenbahnbau hatte auch städtebauliche Konsequenzen. Einerseits erfolgte eine bauliche Ausweitung der Stadt nach Süden, andererseits wurde damit die Voraussetzung zum Zusammenschluß der Stadt und des Kirchspiels gelegt.

Dieser wird allerdings erst 1968 realisiert, nachdem sich baulich Telgte bereits erheblich über den Altstadtkern hinaus ausgedehnt hat. Die bauliche Vergrößerung resultiert im wesentlichen aus dem starken Bevölkerungsanstieg nach dem Zweiten Weltkrieg. Von den 4280 Einwohnern im Jahr 1953 sind 455 Evakuierte und 311 Flüchtlinge. Seit etwa 1970 hat die bauliche Ausweitung die Bahnlinie überschritten. Die Baugebiete Arkadien I und II sowie Drostegärten entstehen.

Die kommunale Neugliederung bringt Telgte die Eingemeindung von Westbevern. Durch die Auflösung des Landkreises Münster, zu dem Telgte fast ununterbrochen seit 1802 gehörte, wird Telgte dem neuen Kreis Warendorf zugeordnet.

Ortsteil Westbevern.Nordwestlich von Telgte, etwa 4 km entfernt, liegt das Dorf Westbevern, das 1975 Ortsteil der Stadt geworden ist. Mittelpunkt des Ortes ist eine im Kern romanische Pfarrkirche, möglicherweise aus dem 13. Jh., mit einem neugotischen Langhaus aus der Zeit der Jahrhundertwende.

Bis in die Gegenwart konnte der Ortsteil Westbevern sein landwirtschaftliches Gepräge, abgesehen von den Neubaugebieten, bewahren. 1818 hatte der Ort bei einer Gesamtfläche von 50 qkm noch 1444 Einwohner, 1950 waren es bereits 3611. Die wirtschaftliche Struktur von Westbevern für 1822 belegt den hohen agrarischen Stellenwert: von insgesamt 274 Familien waren 147 hauptberuflich in der Landwirtschaft tätig, 34 in den Bereichen Handwerk/Industrie und 83 im Bereich Tagelohn.

Quelle: Kunst im Kreis Warendorf, Herausgegeben von Werner Bockholt, SCHNELL Buch & Druck Warendorf 1991

Mit freundlicher Genehmigung der Bezirksregierung Münster