Stadtgeschichte Sendenhorst

 
 

 
 
 

Sendenhorst - Die Stadt Sendenhorst besteht aus den Ortsteilen Sendenhorstund Albersloh. Sie liegt innerhalb der Westfälischen Bucht westlich der Beckumer Berge im Bereich des Kernmünsterlandes.

Die ersten urkundlichen Erwähnungen des Ortes Sendenhorst gehen auf Güterverzeichnisse der Abteien Freckenhorst und Werden zurück: im 9. Jahrhundert läßt sich die Ortsbezeichnung "Aseondonhurst"? nachweisen, im 11. Jahrhundert wird "Sedinhurst"? genannt, für 1175 ist die "villa Sendenhorst" zu belegen. Zu diesem Zeitpunkt muß bereits eine Kirchspielgründung erfolgt gewesen sein, zu der auch die Gründung einer Pfarrgemeinde und das Vorhandensein einer Gerichtsstätte zählte. Die erste Belegung der Pfarre reicht in das Jahr 1230 zurück zu diesem Zeitpunkt gab es möglicherweise bereits einen Ortskern und folgende sieben Bauerschaften: Brock, Bracht. Jonsthövel, Hardt, Rinkhöven, Elmenhorst und Sandfort. Der Bau einer romanischen Pfarrkirche im 13. Jahrhundert setzte einen ersten städtebaulichen Akzent: Sendenhorst wurde Sitz eines bischöflichen Gogerichts und war zuständig für die Kirchspiele Albersloh, Drensteinfurt, Hoetmar und Rinkerode.

Jedoch wird man eine Stadtentstehung frühestens am Ende des 13 Jahrhunderts ansetzen. 1315 wird Sendenhorst erstmalig als stadtähnliche Siedlung (oppidum) bezeichnet nach der Zerstörung des Ortes während der märkisch-münsterschen Fehde 1323 erfolgte ein Wiederaufbau, der urbane Züge erkennbar werden läßt: Die erste Befestigung mit Wällen und Gräben bewirkt eine zäsurhafte Abgrenzung des Ortes von den ihn umgebenden Bauerschaften. 1323 wird Sendenhorst wiederholt als "oppidum" bezeichnet und erhält Wigboldrechte. Die Neuanlage der Stadt im frühen 14. Jahrhundert erfolgte planmäßig: der rechteckige Markt mit der Pfarrkirche bildete den Mittelpunkt, der von Hauptstraßen aus den vier Himmelsrichtungen erreicht wurde. Die dadurch entstandenen vier Stadtbereiche wurden durch einen Ringwall abgeschlossen. Vier Stadttore waren ursprünglich Bestandteil der Umwallung. In dieser Zeit muß Sendenhorst eine gewisse städtische Bedeutung zugeschrieben werden. Die wirtschaftliche Blüte war jedoch kurz. Verursacht durch die Pest um die Mitte des 14. Jahrhunderts ging die Einwohnerzahl erheblich zurück. Dennoch hatte Sendenhorst längst den Charakter einer Kleinstadt eingenommen. Im Jahre 1492 wird der Ort als ?Staedeken? bezeichnet. 1498 hatte der Ort nur noch 300 Einwohner.

Die Stadtentwicklung von Sendenhorst wurde auch maßgeblich durch zahlreiche Stadtbrände beeinträchtigt, bei denen oftmals große Teile der vorhandenen Bausubstanz zerstört wurden. Der erste nachweisbare Stadtbrand geht auf das Jahr 1529 zurück bei dem auch Teile der romanischen Kirche zerstört wurden, weitere bedeutende Stadtbrände gab es 1639, 1749 und den verheerendsten im Jahr 1806, als 154 Wohnhäuser ein Raub der Flammen wurden.

Die Größe Sendenhorsts war bis ins 19. Jahrhundert nur gering. Um 1500 gab es 507 schatzungspflichtige Einwohner, um 1750 insgesamt 260 Häuser. Die geringe Zentralität Sendenhorsts spiegelDie Größe Sendenhorsts war bis ins 19. Jahrhundert nur gering. Um 1500 gab es 507 schatzungspflichtige Einwohner, um 1750 insgesamt 260 Häuser. Die geringe Zentralität Sendenhorsts spiegelt sich auch in der Berufsstruktur der Einwohner wider. 1768 waren bei 242 Personen 45 verschiedene Berufe zu verzeichnen. Die sozioökonomische Struktur des Ortes wurde maßgeblich von einem ausgeprägten Ackerbürgertum gebildet. Viehhaltung und Nutzung der landwirtschaftlichen Flächen außerhalb der Befestigung bildeten die zentralen Säulen des Wirtschaftslebens. Bei einer Einwohnerzahl von 1375 im Jahre 1816 gab es einen Viehbestand, der sich aus 37 Pferden, 2 Füllen, 386 Kühen, 115 Kälbern, 35 Ziegen und 90 Schweinen zusammensetzte. Daneben kam dem Landhandwerk und der Leinenweberei eine wichtige Bedeutung zu. Die zahlreichen Brennereien im Ort sorgten für eine über den Lokalraum hinausragende Bedeutung. 1805 hatte Sendenhorst 1300 Einwohner. Die Wirtschaftsstruktur wurde von 64 selbständigen Webern, 4 Brennereien und 3 Brauerein (1804) und zahlreichen Handwerkern geprägt.

Im 18. Jahrhundert gab es einen erheblichen wirtschaftlichen Niedergang der Stadt die Stadtbefestigungen wurden, 1772 beginnend, geschleift und zu Promenaden umgestaltet, 1841 folgte der Abriß der Stadttore, ausgenommen blieb das Haus am Osttor. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es in Sendenhorst eine kleine jüdische Gemeinde mit Synagoge, eigener Schule und eigenem Friedhof. Die Zahl der Juden betrug bis zu 71 Personen (1840). Die Grundlage ihrer Existenz war vor allem der Viehhandel. In diesen Zusammenhang war auch der "Sendenhorster Viehmarkt" von Bedeutung, der jedoch nur kurzzeitig stattfand und ohne regionale Wirkung blieb.

Ein wirtschaftlicher Aufschwung für Sendenhorst setzte mit dem Bau der Eisenbahnlinie Münster - Hamm im Jahr 1848 ein. Dieser führte zu der Errichtung einer Anschlußstraße von Sendenhorst nach Drensteinfurt und damit zu einer verkehrsgeographischen Anbindung. Auch der Strontianitbergbau, der im südöstlichen Münsterland in den 70er Jahren für einen kurzen, aber heftigen wirtschaftlichen Aufschwung sorgte, blieb nicht ohne Auswirkungen auf Sendenhorst. Dieser wirtschaftliche Aufschwung hatte auch physiognomische Folgen: etwa beim Abriß der alten Pfarrkirche und dem Neubau (1854/65), bei der Errichtung des St. Josefstifts (1889) und des neuen Rathauses (1911). Im Zweiten Weltkrieg blieb Sendenhorst von Bombenangriffen und größeren Zerstörungen verschont. Jedoch bewirkte der nach dem Krieg einsetzende Flüchtlingsstrom einen starken Bevölkerungsanstieg. Die Ausweitung der Siedlung über den mittelalterlichen Ring hinaus setzte 1949 ein, als das Baugebiet "Martiniring" begonnen wurde. Ringförmig wurden um den Stadtkern Neubaugebiete wie Nordensiedlung, Bült, Hagenholt und Garrath geschaffen.

Im Jahr 1955 erfolgte der Zusammenschluß von Stadt und Kirchspiel Sendenhorst in administrativer Hinsicht. 1967 wurde das Kirchspiel aufgelöst und mit dem Hauptort zur Stadt zusammengeschlossen. Bis 1974 gehörte Sendenhorst als Stadt zum Kreis Beckum. Im Rahmen der kommunalen Neugliederung wurde am 1.1.1975 der Kreis Beckum aufgelöst, und Sendenhorst wurde administrativ dem vergrößerten Kreis Warendorf zugeordnet. Darüber hinaus wurden als Ortsteil das Dorf Albersloh, das vormals zum Kreis Münster gehörte, eingemeindet. Die Fläche der Gemeinde vergrößerte sich dadurch von 53 qkm auf 96 qkm.

Stadtteil Albersloh: Die Entwicklung des Ortsteiles Albersloh geht nachweislich bis ins 12. Jahrhundert zurück. Jedoch wird man davon ausgehen können, daß sich auf einer Terrassenlage am östlichen Ufer der Werse bereits im 9./10. Jahrhundert auf einer Bodenaufschüttung erste Siedlungsanfänge befanden. Die Gründung einer Pfarrei, vermutlich durch Bischof Liudger bereits im 9. Jahrhundert, der Bau einer romanischen Kirche und die Schaffung eines Friedhofes, vermutlich im 11. Jahrhundert, bildeten den Anfang einer kleinen, weilerartigen Siedlung, der auch aufgrund der verkehrsgeographischen Lage eine gewisse Bedeutung zukam. Die Wege von Hamm über Drensteinfurt und von Beckum über Sendenhorst führten gemeinsam in Albersloh über die Werse und dann weiter durch die Hohe Ward in Richtung Münster.

Ein siedlungsfördernder Impuls ging von der verkehrsgeographischen Lage am Werseübergang aus. Aus dem Weiler konnte sich allmählich eine dörfliche Siedlung entwickeln, die vor allem für Wirtshäuser und Handwerksbetriebe einen günstigen Standort darstellte. Bereits 1804 bildeten in Albersloh insgesamt 68 Handwerksbetriebe neben der Landwirtschaft die wirtschaftsstrukturelle Basis. Durch die kommunale Neugliederung im Jahr 1975 ergaben sich für die Gemeinde Albersloh gleich zwei wesentliche Veränderungen. Einerseits mußte der Ort seine Selbständigkeit aufgeben und wurde Ortsteil der Stadt Sendenhorst, andererseits ergab sich eine Änderung in Kreiszugehörigkeit. Zählte bis 1974 Albersloh zum Landkreis Münster, so wurde durch die kommunale Neugliederung die Gemeinde Bestandteil des Kreises Warendorf.

Quelle: Kunst im Kreis Warendorf, Herausgegeben von Werner Bockholt, SCHNELL Buch & Druck Warendorf 1991

Mit freundlicher Genehmigung der Bezirksregierung Münster