Stadtgeschichte Sassenberg

 
 

 
 
 

Sassenberg - Die Stadt Sassenberg bestehend aus den Ortsteilen Sassenbergund Füchtorf liegt im nordöstlichen Münsterland im Grenzbereich zwischen dem Kernmünsterland und dem Ostmünsterland an dem Fluß Hessel, der in die Ems mündet.

Die Anfänge der Ortsgenese gehen zurück auf eine Landesburg Sassenberg, die 1305 erstmals urkundlich belegt ist. Die Siedlungsstelle an der Hessel wird jedoch bedeutend älter sein. Eine Motte (= Befestigungsanlage in Form eines Turmhügels) weist auf eine sächsische Wallburg hin. Bereits 1121 wurde unter Herzog Lothar von Sachsen Sassenberg vermutlich zu einem Stützpunkt ausgebaut. 1334 bestand die Burg aus einer Haupt- und Vorburg. Diese Burg war eine umgräftete mehrinselige Anlage. Auf einer Insel lagen die Burgmannshöfe, die als Urzelle der städtischen Siedlung angesehen werden können die Zahl der Höfe betrug um 1400 vierzehn, bis ins 19. Jahrhundert sank ihre Zahl auf zwei herab.

Die Stadt Sassenberg konnte sich, von dort ausgehend, herausbilden. Die Bewohner an der heutigen Schloßstraße genossen Privilegien: sie hatten Wach-, Boten und Spanndienste zu leisten und waren von einigen Steuern befreit. Unter Eberhard von Diest wurde 1294 die Siedlung zu einer bischöflichen Landesfeste ausgebaut. doch bereits im späten Mittelalter erlahmte das Interesse der Bischöfe an Sassenberg die 10-19 Burgmannshäuser auf der Gräfteninsel wurden im 16. Jahrhundert zum Teil an Bauern und Heuerlinge abgegeben. Zu der Zeit gab es nur wenige Hausstellen außerhalb der Umgräftung. Die Siedlungskeimzelle der Stadt ist nicht mit dem Ortskern der Gegenwart identisch. Da dieser Bereich der Freiheit räumlich wegen der Insellage sehr beengt war, gab es hier eine relativ dichte Besiedlung. Die Häuser standen in mehreren Reihen, und etwa 300 Personen wohnten dort.

Erst mit Bischof Christoph Bernhard von Galen kam für die Sassenberger der entscheidende siedlungsbildende Impuls, denn er erteilte 1661 die Erlaubnis zur Ansiedlung außerhalb der umgräfteten Freiheit auf dem Klingenhagen.

Hierbei muß deutlich die siedlungsgeographische Sonderstellung Sassenbergs im Zusammenhang mit seiner Genese angeführt werden nicht eine verkehrsgünstige Lage, sondern die Anlehnung an die Burg, die in einem sumpfigen hochwassergefährdeten Gelände lag, und die damit verbundene Schutzfunktion waren die auslösenden Faktoren für eine Siedlungsbildung.

Im späten 17. Jahrhundert bestand Sassenberg aus der Hauptburg, der Motte. der Vorburg mit der Burgkapelle (zwischen 1313 und 1376 errichtet), die auch als Pfarrkirche diente und zu Beginn des 19. Jahrhunderts abgetragen wurde. Der Vorburg waren der Lustgarten, der Küchengarten, die Mühleninsel und der Bereich mit den Burgmannshäuschen vorgelagert. Alle Teile wurden durch eine gewaltige Gräfte umschlossen, die von der Hessel gespeist wurde.

Mit der Erlaubnis des Fürstbischofs, sich außerhalb der Freiheit anzusiedeln, setzte die eigentliche ortsgeschichtliche Entwicklung ein, die aufgrund des Baueifers des Fürstbischofs rasch zur Entwicklung einer fürstlichen Residenz. Mit der Erlaubnis des Fürstbischofs, sich außerhalb der Freiheit anzusiedeln, setzte die eigentliche ortsgeschichtliche Entwicklung ein, die aufgrund des Baueifers des Fürstbischofs rasch zur Entwicklung einer fürstlichen Residenzstadt führte. Damit wurde auch der Grundstock zur Herausbildung einer eigenen Pfarrei gelegt, die im Bau der neuen Pfarrkirche (1670-1678) sichtbar wurde. 1726 entstand eine Siedlungserweiterung auf dem Backhauskamp, 1735 am neuen Münsterweg.

Die Wirtschafts- und Sozialstruktur der Stadt war im 17. Jahrhundert vor allem auf das Residenzschloß ausgerichtet. Die Erwerbstätigen waren um 1680 vor allem als Weber, Tagelöhner, Kötter, Brinksitzer und Soldaten tätig. 1695 wurde mit dem Bau eines neuen Residenzschlosses begonnen. Die Pläne dafür erstellte Ambrosius von Oelde, seit 1721 wurden die Wohnräume durch Gottfried Laurenz Pictorius ausgebaut. Der Hauptbau des Schlosses wurde nicht mehr ausgeführt.

1820 wird Sassenberg zu den Städten gerechnet. Im 19. Jahrhundert trat eine Verarmung innerhalb der ehemaligen Residenzstadt ein. 1849 waren eine Kornmühle, zwei Öhlmühlen und eine Brennerei die einzigen nennenswerten Gewerbebetriebe.

Hinzu kam der schlechte Zustand der Verkehrswege um Sassenberg. Nur über Sandwege war der Ort zu erreichen, lediglich in der Ortsmitte im Bereich der Fürstlichen Mühle war die Hauptstraße gepflastert. Erst 1856 bis 1858 erfolgte der Bau der Straße nach Warendorf, 1872/73 die Straße nach Füchtorf.

Ein wirtschaftlicher Aufschwung setzte erst nach 1859 ein, als die Brüder Heinrich und Christian Rath eine Spinnerei im Bereich des ehemaligen Residenzschlosses errichteten. 1898/99 entstand die Weberei von Brinkhaus.

Der Charakter der Residenzstadt ist gegenwärtig im Stadtbild von Sassenberg nur noch im Ansatz erkennbar. Dieses liegt daran, daß die Gräftenanlage des Schlosses teilweise zugeschüttet wurde und die Schloßanlage weitgehend geschleift wurde. Relikte der Schloßanlage (Vorburg) wurden baulich in ein Fabrikgebäude integriert und damit in ihrer historischen Bedeutung verwischt. Auch die Stadtplanung nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich nicht darum bemüht, die Siedlungszelle im Bereich der Schloßstraße zu akzentuieren, vielmehr standen ökonomische und verkehrsplanerische Überlegungen im Vordergrund, so daß die historische Schichtung der Stadt

Stadtteil Füchtorf.
Füchtorf liegt in dem Heide-Sandgebiet nördlich der Ems. Es grenzt an das Osnabrücker und Ravensberger Land. Das Dorf mit seinen fünf Wohnsiedlungen und ausreichender Industrie ist nach wie vor bäuerlich-ländlich ausgerichtet. Seine Zugehörigkeit zum Münsterland wurde nie unterbrochen. Seit 1969 ist Füchtorf ein Stadtteil der Stadt Sassenberg.

Die ersten urkundlichen Erwähnungen Füchtorfs stammen aus dem Einkünfteverzeichnis des Klosters Freckenhorst. In dem auf das neunte Jahrhundert zurückgehenden Heberegister werden die Bauern Aceclin Ostebur (Ausber), Thiezeko Lütke Ostebur, Racico Heseker und Gatmar Twylinger genannt. Füchtorf wird als "Fietharpa" bezeiehnet. Die erste genau datierte Urkunde verdanken wir einem gewissen Rudolf von Steinfurt, der 1134 verschiedene Besitzungen der Kirche übergab. In dieser Urkunde wird Füchtorf zweimal erwähnt und "Viethorpe" geschrieben. Die Silbe "Fieth" oder "Vieth" kommt aus der mittelhochdeutschen Sprache des frühen Mittelalters von "fiuthe" = Vucht = feucht.

1209 und 1224 tritt ein Rolandus von Vuchthorpe in Urkunden als Zeuge auf. Er ist der älteste bekannte Ritter von Vuchthorpe.

1227 ist von einem "Zehnten" des Hofes Nettelnstroth in Twillingen die Rede. Die Urkunde bezeugt Rotcherus von Vuchtorpe, vermutlich ein Sohn des oben erwähnten Rolandus.

1251 erscheint "Johanne plebano in Vuchthorpe" beim Verkauf eines "Zehnten" des Klosters Liesborn. Somit hatte Füchtorf bereits um 1251 einen eigenen Pfarrer und war von der Urpfarre Warendorf abgepfarrt.

1279 überträgt Bischof Everhard von Münster dem Kloster Rengering ein Gut. Als Zeugen unterschrieben Rolandus von Vuchthorpe und Henricus Kirsecorf. Dieser Henricus Kirsecorf war mit einer Wendelmodis von Vuchthorpe verheiratet, wie wir aus einer Urkunde von 1277 wissen. Ein Sohn dieses Henricus Kirsecorf, der in den Urkunden der Folgezeit "Heinrich von Korff" genannt wird, erbaute von 1309 bis 1310 die große Wasserburg Harkotten. Mit drei Ringen breiter Wassergräben umgeben war sie fast uneinnehmbar.

1311 wurde die Burgkapelle als Marienkapelle errichtet. In einer Urkunde heißt es, daß der Hausgeistliche auf der Vorburg wohnen solle. Es gab demnach von Anfang an eine Haupt- und eine Vorburg.

1334 teilte Heinrich von Korff seine Besitzungen an seine beiden Söhne Heinrich und Everhard. Seither wohnen zwei Geschlechter auf Harkotten. In der Linie Harkotten I (Korff-Schmiesing) heiratete 1615 Goswin von Ketteler ein. Die Linie Harkotten II (von Korff) besteht bis heute in ununterbrochener Geschlechterfolge. Bis 1756 wohnten beide Familien gemeinsam auf der alten Burg. Die Familie von Korff bewohnte den westlichen Flügel und die Familie von Korff-Schmiesing (ab 1615 von Ketteler) bewohnte die östliche Hälfte. Das Aussehen der alten Burg kennen wir aus einer Grundrißzeichnung des Geheimen Rates Clemens August von Ketteler und einer Delineatio (Zeichnung) des Hauses Harkotten Korffischer Seiten aus dem Jahre 1720. Die Hauptgebote beim Bau einer mittelalterlichen Burg waren Verteidigungsfähigkeit und Sicherheit. Schönheit und Bequemlichkeit rangierten erst an zweiter Stelle. Trotz der einfachen Bauausführung und Inneneinrichtung entbehrte sie aber nicht eines malerischen Aussehens.

Quelle: Kunst im Kreis Warendorf, Herausgegeben von Werner Bockholt, SCHNELL Buch & Druck Warendorf 1991

Mit freundlicher Genehmigung der Bezirksregierung Münster