Stadtgeschichte Ostbevern

 
 

 
 
 

Ostbevern - Durch eine Urkunde aus der Zeit zwischen 1088 und 1093 werden wir erstmals über eine Siedlung im Bereich der Bever unterrichtet: Ein in Bevern gelegener Hof (curtem in Beverne) wurde an das Kloster Iburg übertragen.

Dass "Beverne" gleichzusetzen ist mit Ostbevern, wird heute nicht mehr angezweifelt. Die nächsten Nachrichten stammen aus dem ausgehenden 11. Jahrhundert und der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts: In der Freckenhorster Heberolle, einem Abgabenregister des Klosters Freckenhorst, wird im ersten, älteren Teil eine Abgabe des Gutes Merschbikie genannt.

Dieses Gut läßt sich vermutlich in die Ostbeverner Bauerschaft Überwasser lokalisieren. In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts wird im zweiten Teil der Heberolle von einem "hova to Bevarnon", einem Hof zu Bevern, gesprochen, der dem Kloster gegenüber abgabenpflichtig war. Es bleibt jedoch unklar, welcher Hof hier gemeint sein könnte. In etwa die gleiche Zeit gehören zwei Dokumente, die Mitglieder des Rittergeschlechts von Bevern nennen: 1139 bezeugte Lubertus von Beverne als bischöflicher Ministeriale eine Übertragungsurkunde. Drei Jahre später bestätigte Luidbertus de Beveren als Ministeriale im Auftrag des münsterischen Bischofs Werner eine Stiftung.

In den folgenden hundert Jahren muß das Kirchspiel Bevern entstanden sein, da in einer Urkunde von 1246 ein "plebanus in Beveren", ein Pfarrer in Bevern, erwähnt wird. Wahrscheinlich wurde die Pfarrei Bevern unter Bischof Hermann II. (1174-1203) von der Mutterpfarrei Telgte separiert, um die seelsorgerische Betreuung der wachsenden Bevölkerung zu gewährleisten. Das Pfarrgebiet Bevern soll im wesentlichen die Kirchspiele von Ost- und Westbevern eingeschlossen haben. Keine hundert Jahre später ist bereits die Teilung in zwei Pfarreien Ostbevern und Westbevern vollzogen: 1279 wird die Pfarrei Ostbevern urkundlich erwähnt, 1281 die Pfarrei Westbevern. Bis zur kommunalen Neugliederung im Jahre 1975 blieben die Grenzen Ostbeverns nahezu unverändert: kirchliche und politische Gemeinde stimmten überein.

Die Keimzelle des Dorfes bildet die St.-Ambrosius Kirche, gelegen an der Kreuzung der Handelsstraße von Telgte nach Osnabrück mit den Wegen von Haus Bevern und Greven. Gründung und Bau der Pfarrkirche dürften auf die Herren von Bevern zu rückzuführen sein, die dort mit einem bischöflichen Lehen ausgestattet waren.

Für 1294 ist der "Nygenhof", der Niehof. als bischöfliches Lehen nachweisbar, 1367 wird außer dem Hof ein "hus tho Beveren", 1372 eine "borch to Beveren" als Sitz des Lehnsträgers genannt. Diese Burg war durch eine Umflut der Bever gesichert. Von dem im Lauf der Jahrhunderte mehrfach umgebauten und zwischen 1827 und 1834 abgebrochenen Gebäudekomplex sind nur noch Teile der Vorburg, nämlich die ehemalige Rentei und das Gefängnis, heute sog. Archivturm (Privatbesitz), erhalten.

Vieles spricht dafür, daß die Herren von Bevern die St.-Ambrosius-Kirche als Eigenkirche nutzten. So hatten bis in das 19. Jahrhundert die jeweiligen Besitzer des Adelssitzes dieses Privileg inne.

Das Dorf entwickelte sich bis ins 15. Jahrhundert hinein nur zögerlich: Nur wenige Ansiedlungen bestanden im Kirchdorf Bevern und den dazugehörigen Bauerschaften. Erst im 15. Jahrhundert siedelten sich rund um die St.-Ambrosius-Kirche einige Höfe an, im 16. Jahrhundert sind Hausstätten längs der Dorfstraße, einem Teilstück der alten Handelsstraße von Telgte nach Osnabrück, nachweisbar.

Die Verdichtung der Besiedlung innerhalb des Kirchdorfes und durch Einzelhöfe in den Bauerschaften setzte sich bis in das frühe 17. Jahrhundert fort. Erste öffentliche Einrichtungen entstanden: 1608 stiftete Hermann Schenking, Mitglied der Burgmannenfamilie, die seit dem frühen 15. Jahrhundert in Besitz des Hauses Bevern waren, ein Armenhaus. Seit 1611 ist auf dem Kirchhof ein Schulgebäude belegt. Der Dreißigjährige Krieg behinderte vorübergehend die weitere Entwicklung des Dorfes.


Gegen Ende des 17. Jahrhundert setzte jedoch ein umso rascherer Aufschwung ein, der in kürzester Zeit eine Verdoppelung der Höfe und Hausstätten mit sich brachte. Allerdings veränderte sich dadurch der bereits um 1700 ausgebildete Dorfgrundriß nicht, die Besiedlung verdichtete sich lediglich. Zwischen 1700 und 1830 entstanden allein an der Dorfstraße 26 neue Hausstätten, die Zahl der Kötterstellen erhöhte sich um 150. Um 1830 waren zudem etwa 100 grundbesitzlose Heuerlingsfamilien in Ostbevern ansässig, die in ärmlichsten Verhältnissen in Speichern, Stallungen und Scheunen der Bauern lebten. Daneben bildeten Handwerksbetriebe für die Selbstversorgung, allem voran das Leinengewerbe, die wirtschaftliche Grundlage des Dorfes.

Die bäuerliche Struktur und das Ortsbild blieben bis zum Ende des 2. Weltkrieges nahezu unverändert. Erst durch die 1946 begonnene Erschließung und Bebauung mehrerer neuer Wohngebiete hat sich das Dorf wesentlich vergrößert. Die günstigen Verkehrsanbindungen und die Bebauungspläne bewirkten, daß sich viele neue Familien als Pendler in Ostbevern niederließen. Der Ausbau der Dorfstraße und der Bau der Umgehungsstraße veränderten ebenso einschneidend das Erscheinungsbild der Landgemeinde wie der Um- und Neubau mehrerer öffentlicher Gebäude.

Im Zuge der kommunalen Neugliederung 1975 wurde das Amt Ostbevern aufgelöst und in die selbständige Gemeinde Ostbevern umgewandelt. Die Bauerschaft Westbevern-Brock wurde als Ortsteil Brock der Gemeinde Ostbevern angegliedert. die dadurch um 1200 Einwohner anwuchs. Im Ortsteil Brock ist seit 1981 eine Fachwerksiedlung entstanden, deren Baumaterialien von alten Gebäuden aus verschiedenen Regionen stammen.

Quelle: Kunst im Kreis Warendorf, Herausgegeben von Werner Bockholt, SCHNELL Buch & Druck Warendorf 1991

Mit freundlicher Genehmigung der Bezirksregierung Münster