Stadtgeschichte Oelde

 
 

 
 
 

Oelde - Die Stadt besteht aus den Ortsteilen Lette, Oelde, Strombergund Sünninghausen. In Verbindung mit Cappenberg entstand etwa 1133 auf einem von Rudolf von Steinfurt gestifteten Grunde zu Lette in der Diözese Münster bei einer Vituskapelle ein Prämonstratenser Kloster, dem wohl schon damals ein Nonnenkonvent angeschlossen war.

Wohl im Zusammenhang mit dem Beschluß des Generalkapitels zu Premontre von 1138, wonach Mönchs- und Nonnenkonvente örtlich getrennt werden sollten, siedelten die Mönche in die Diözese Osnabrück auf ihre Besitzung im benachbarten Clarholz über, während die Nonnen, weiterhin dem Propst des Klosters Clarholz, aber der Jurisdiktion des münsterischen Bischofs unterstellt, in Lette zurückblieben. Seit 1311 war die Zahl der Nonnen vom Bischof auf 6 begrenzt. Der niemals zur Selbständigkeit gelangte Konvent ist zwischen 1567 und 1571 eingegangen das Klostergebäude war schon im 18. Jh. völlig verschwunden.

Oelde wird im ältesten Urbar des Klosters Werden aus dem ausgehenden 9. Jh. als "Ulithi im Dreingau" verzeichnet. Es besaß eine Pfarrkirche, die zu einer der ältesten Schichten des Pfarrsystems der Diözese Münster zu rechnen ist (Johannes d. Täufer). Sie war eine bischöfliche. Gründung auf bischöflichem Besitz. Westlich der Kirche, beim ehemaligem Münstertor, ist die schon im 17. Jh. verschwundene Paulsburg zu suchen, deren Anlage dem Bischof Heidenreich Wulf (1382-92) zugeschrieben wird die Burg richtete sich gegen das tecklenburgische Rheda und stellte einen Ersatz für Stromberg dar. Kirche und Burg dürften die Entstehung einer geschlossenen Siedlung herbeigeführt haben.

Um die Mitte 15. Jh. wird Oelde noch als Dorf oder villa bezeichnet. 1457 wurde es samt der Kirche niedergebrannt in der Folgezeit nach Süden erweitert, erhielt es die Stellung eines Wigbolds. 1571 wird ein zwischen beiden Ortsteilen stehendes Rathaus erwähnt (Ende 19. Jh. abgebrochen). Eine Befestigung mit Wall und Graben, die auf das 16. Jh. zurückgehen dürfte, bezog auch das ehemalige Burggelände mit ein sie umschloß eine Fläche von über 10 ha. Nachdem im ausgehenden 14. Jh. das Gogericht Stromberg zeitweilig nach Oelde verlegt worden war, wurde dieses schließlich Sitz eines eigenen Gogerichts, dem außer dem Wigbold noch das ehemalige Gogericht Ennigerloh zugelegt wurde. Unter preußischer Herrschaft (seit 1802 bzw. 1813) wurde Oelde als Stadt angesprochen.

Stromberg: Nach Stromberg nannte sich in den 60er Jahren des 12. Jh. ein Edelherr aus dem Geschlecht der Edlen von Bückeburg-Arnheim. Über eine Erbtochter folgte ein seit 1202 als ?Burggrafen von Stromberg? titulierter Zweig der Edlen von Rüdenberg: im Besitz der Burg, der sie 1177 vom Bischof von Münster zu Lehen nahm. Nach dem Aussterben des Mannesstammes im 2. Jahrzehnt des 15. Jh. bekamen die münsterischen Bischöfe die Burg Stromberg, die die Ost-Grenze des Bistums schützte, unbeschränkt wieder in die Hand, nachdem sie kurz zuvor im benachbarten Oelde bereits eine neue Burg angelegt hatten. Eine gleichzeitig entwickelte staatsrechtliche Theorie zählte Stromberg den 4 Burggrafschaften des Reiches zu, obwohl Anhaltspunkte für eine Abhängigkeit vom Reich fehlen. 1650 nahm Bischof Christoph Bernhard von Galen Titel und Wappen der Burggrafen in seine bischöflichen Titel und Wappen auf und bemühte sich, für die "Burggrafschaft" Stromberg, die es als Gebiet nie gegeben hat, einen Sitz im Fürstenrat des Reichstages zu erlangen. Ein endgültiger Erfolg blieb diesen Bestrebungen jedoch versagt.

Die Burg, zu der eine zahlreiche Burgmannschaft gehörte und die Sitz eines Amtes war, das die Gogerichte Stomberg, Oelde und Herzfeld einschloß, bildete ein unregelmäßiges Viereck mit einer 750 m langen, nur stückweise erhaltenen Umfassungsmauer und einem Torturm (Paulsturm im Norden). In der nördlichen Hälfte der Vorburg lagen die bis auf eines verschwundenen Burgmannshäuser. Die durch eine Mauer von ihr abgetrennte, in sich unterteilte Südhälfte enthielt im östlichen Teil das bischöfliche Amtshaus im westlichen Teil dürfte das Burghaus der Burggrafen zu suchen sein. Inmitten der Anlage erhebt sieh die Kreuzkirche, wohl eine Gründung der Edlen von Stromberg aus dem 12. Jh., mit einem wundertätigen Kruzifix, das schon im Mittelalter Wallfahrer anzog. Hier fand Bischof Heinrich von Mörs seine Grabstätte er hatte an dieser Kirche ein Kollegiatstift errichten wollen. Pfarrkirche ist die (bischöfliche) Lambertuskirche im Unterdorf etwa 2 km östlich des vor der Burg längs der Straße Beckum-Wiedenbrück bzw. Lippstadt entstandenen Oberdorfes, das auch als Freiheit oder Wigbold bezeichnet wird.

Sünninghausen: Auf der gleichen Heberolle der Abtei Werden, die schon die Urform des Ortsnamens Oelde im Jahre 890 vermerkte, wird auch Sünninghausen erstmals vermerkt. Auf viel frühgeschichtliche bzw. mittelalterliche Bebauung des Ortes weisen Ausgrabungen hin, die im Sevesbrink und in der Bauerschaft Wibberich vorgenommen worden sind. Eine alte westfälische Landkarte von 1616 vermerkt zwischen dem Ortsnamen ?Sunninckhusen? und ?Stromberg? in lateinischer Sprache, "etwa im Umkreis dieser Schluchten scheint Q. Varus mit drei Legionen untergegangen zu sein". Nicht zuletzt aus dieser Anmerkung wird der Anspruch des Gebietes hergeleitet, wirklicher Ort der Varusschlacht des Jahres 9 n. Chr. gewesen zu sein. In Sünninghausen wird im 12. Jh. ein Rittergeschlecht "de Sunnichusen" erwähnt. Um 1100 ist eine dem hl. Vitus gewidmete Kapelle geweiht worden. Ihr folgte später eine zweijochige romanische Kirche, die zunächst von Oelde abhängig, seit 1276 selbständige Pfarre gegen 1870 durch den Kirchenbau im neugotischen Stil ersetzt wurde.

Quellen: HANDBUCH DER HISTORISCHEN STäTTEN DEUTSCHLANDS - Nordrhein-Westfalen - Dritter Band 1970, Alfred Kröner Verlag Stuttgart, Kunst im Kreis Warendorf, SCHNELL Buch & Druck Warendorf 1991

Mit freundlicher Genehmigung der Bezirksregierung Münster