Stadtgeschichte Everswinkel

 
 

 
 
 

Everswinkel - Der Bestandteil "-winkel" des Ortsnamens geht auf die nach Osten, Süden und Westen abfallende Scholle zurück, auf der die Kirche und die Kirchplatzsiedlung angelegt wurden.

Der Wortteil "Ever" ist von "Eber" abgeleitet und weist auf eine besondere Beziehung des Ortes zu dem germanischen Gott Frikko oder Freyo hin, dessen Tiersymbol der Eber war und an den eine merkwürdige Plastik am Südoststrebepfeiler der Kirche erinnert.

Erste urkundliche Erwähnung

Die Gemeinde wird 1090 erstmals urkundlich erwähnt Indizien aber sprechen für eine Gründung der Pfarre um 867 - nach neusten Forschungen jedoch ist diese Jahreszahl nicht mehr zu halten. Hof- und Flurnamen lassen auf eine weit frühere Besiedlung des Raumes schließen. Von der Kirche und den sie ringförmig umgebenden Speichern der Kirchburg nahm die Besiedlung des Dorfes ihren Ausgang. Bei langsam zunehmender Bevölkerung und wachsendem Wohnungsbedarf trieb man von diesem Kern zwei Straßen nach Osten und Norden auf zwei nahegelegene alte Handelswege vor, so daß bei deren Einbeziehung der Ort seine charakteristische, wohl einmalige Form erhielt: ein unregelmäßiges Viereck mit Kirche und Kirchplatz im Südwesten der Anklage.

Das hohe Einkommen des Pfarrers von Everswinkel, mit 12 Mark das höchste neben dem Gehalt des Pfarrers von Warendorf im alten Landkreis Warendorf (1313), belegt eine relativ ertragfähige Wirtschaft, ein Umstand, den auch der Fürstbischof zu schätzen wußte, zahlte der Ort doch 1590 bei einer "geheilen Schatzung" 360 Taler.

Dreißigjähriger Krieg

Friedlich war das Mittelalter mit seinen zahlreichen Fehden, die zu oft auf dem Rücken der Landbevölkerung ausgetragen wurde, nicht aber alles wurde von der großen Katastrophe der deutschen Geschichte, dem Dreißigjährigen Krieg, in den Schatten gestellt. Plünderungen, Brandschatzungen, Zahlungen von Kriegskontributionen, Überfälle marodierender Söldnerhaufen standen auf der Tagesordnung und hinterließen Verwüstung, Not, Elend, Hunger, Seuchen. Die Menschen verließen ihre Höfe und Kotten, noch 1671 gab es von etwa 120 "Stätten" nach einer Aufzeichnung 44 "verwüstete Erben, Kotten und Häusern Kirspels Everswinkel". Und selbst dort, wo die Familien blieben, waren die Häuser verfallen, stand in den Ställen und auf den Weiden kein Vieh, fehlte das Ackergerät.

Hausweberei und Weberzunft

Seit wann Hausweberei als Gewerbe eine Rolle zu spielen begann, ist nicht mehr festzustellen im 18. Jahrhundert besteht eine Weberzunft (Zunftsatzung) nach Freckenhorster und Warendorfer Vorbild. Sie produzierte für einen Außenmarkt und wurde neben der Landwirtschaft das zweite Produktionsstandbein, das relativen Wohlstand verschaffte, wie die Steuerkraft der Gemeinde um 1880 aussagt. Ihre Bedeutung für das Dorf läßt sich schlicht in Zahlen ausdrücken: von 148 Gewerbetreibenden in der Gemeinde waren 89 Weber (1825). Ihr Niedergang infolge der Konkurrenz der Textilindustrie mit Beginn des 19. Jahrhunderts ließ das Dorf verarmen, denn Dorf und Bauerschaften boten nicht genügend Arbeitsplätze, der lokale Markt war nicht aufnahmefähig genug, die arbeitslosen Weber zu beschäftigen. Die allgemeine, kaum vorstellbare Not wurde nur gemildert durch den landwirtschaftlichen Nebenbetrieb, der bei hohem Arbeitsaufwand wenigstens eine karge Ernährung sicherte. Ein irgendwie geartetes, staatliches Netz gab es nicht.

Entwicklung der Bauerschaften

Ganz anders verlief die Entwicklung in den Bauerschaften. Bauernbefreiung und Ablösung im vorigen Jahrhundert schufen freie Bauern auf freien Höfen, die Aufteilung der Marken vergrößerte den Privatbesitz. Eine rasch wachsende Bevölkerung sorgte für steigende Nachfrage und gute Preise, und mit dem Ausbau des Verkehrswesens (Eisenbahnen) standen schnelle und billige Transportmittel zur Verfügung. So stand ein relativ wohlhabender Bauernstand einer verarmten Dorfbevölkerung gegenüber, was zu sozialen Spannungen führte.

Wirtschaftsaufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg

Eine Änderung dieser Verhältnisse trat erst mit dem Wirtschaftsaufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg ein. Die Möglichkeit des Erwerbs von Eigenheimen in der Nähe Münsters bei gleichzeitigem aufkommen des Individualverkehrs führte in der Gemeine zu einer regen Bautätigkeit, die einen allgemeinen wirtschaftlichen Aufstieg auslöste. Ein Kranz von Siedlungen endstand um das Dorf. Die wachsende Einwohnerzahl, die gestiegene Bedeutung der Gemeinde un der Zusammenschluß mit Alverskirchen sicherte den Erhalt der Selbständigkeit in der Gemeindeneuordnung 1975 und den weiteren Auf- und Ausbau. Aus dem rein landwirtschaftlich strukturierten Dorf wurde eine Wohngemeinde.

Quelle: Kunst im Kreis Warendorf, Herausgegeben von Werner Bockholt, SCHNELL Buch & Druck Warendorf 1991

Mit freundlicher Genehmigung der Bezirksregierung Münster