Stadtgeschichte Ennigerloh

 
 

 
 
 

Ennigerloh - Steinzeitliche Funde beim Sandbaggern in der Bauerschaft Hoest sowie bei Bauarbeiten im Stadtgebiet lassen auf eine frühe Besiedlung schließen, über die aber nichts Näheres bekannt ist.

Ebenfalls in der Hoest wurden frühchristliche Gräber aus dem späten 8. Jahrhundert gefunden. Die Pfarre Ennigerloh wurde spätesten in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts gegründet. Die erste urkundliche Erwähnung eines Pfarrers ist aus dem Jahre 1290 bekannt.

In der Dorfbauerschaft gab es zwei Haupthöfe: Schulze Nünnung als Oberhof des Stiftes Freckenhorst und Schulze Ennigerloh im Eigentum des Landesherren, des Bischofs von Münster. Auf dessen Grund wurde auch die Kirche gegründet mit dem umliegenden Begräbnisplatz sowie gleich nebenan einer Gerichtsstätte für ein Femegericht (Freistuhl) und ein Gogericht.

Der Name "Ennigerloh" kann in seiner Nachsilbe -loh gedeutet werden als ein hochgelegtes, weithin sichtbares Gehölz, das in der Regel ursprünglich religiösen Zwecken diente und dem Volke gehörte. So läßt die Lage der Kirche auf der Anhöhe in der Mitte des Ortes die Vermutung zu, daß sie an der Stelle eines germanischen Heiligtums erbaut wurde.

In einer reinen Bauernsiedlung wie Ennigerloh und die umliegenden Dörfer waren die Bewohner bis zu Beginn des 19. Jh. praktisch alle den verschiedensten Grundherren eigenhörig: dem Bischof von Münster, dem Stift Freckenhorst, dem Stift Essen, den Klöstern Clarholz, Marienfelde und Herzebrock, Haus Geist, Baak zu Beelen und einigen anderen Adligen. Wachstum der Gemeinde war nur bei wenigen Ausnahmen möglich durch Neugründung von Hofstellen am Rande des gemeinschaftlichen Waldbesitzes (Osterholz, Westerwald, Enniger, Heide, Hoester Mersch). Im 17 Jh. konnte sich ein Dorfkern bilden, als der Bischof gestattete, den Rand des Kirchhofs und die nicht mehr benutzten Gerichtsstätte zu bebauen.

Eine tiefgreifende Veränderung der Jahrhunderte alten gesellschaftlichen Zustände brachte die "Bauernbefreiung" im Gefolge der französischen Revolution durch die Stein-Hardenbergsche Reformen im nunmehr preußisch gewordenen Münsterland. Jetzt konnten die Bauern über ihren Grund und Boden selber verfügen, mußten aber auch selber das Risiko tragen.

Die Entwicklung der Landgemeinde zu einer Industriegemeinde setzte ein mit dem Bau der Köln-Mindener Eisenbahn, die im Jahre 1848 eröffnet wurde. Auf dem Gebiet der Ennigerloher Bauerschaft Werl entstand um den Bahnhof Beckum-Ennigerloh eine neue Siedlung, die schließlich zu gleicher Größe heranwuchs wie die Muttergemeinde und am 01.01.1899 unter dem Namen Neubeckum selbständig wurde (heute ein Ortsteil der Stadt Beckum). In rascher Folge wurden in der ersten Hälfte des 19 Jh. zahlreiche Kalköfen gegründet denn die örtlichen Bodenschätze konnten jetzt mit Hilfe der aus dem Ruhrgebiet herangebrachten Kohle ausgebeutet werden. Mit verbesserter Technik wurden einfache Kalköfen durch Zementwerke ersetzt.

Die neue Industrie zog viele Bürger an, und ein zweiter Schub setzte durch die Flüchtlingswelle am Ende des Zweiten Weltkrieges ein. Um diesen vielen Menschen Arbeit zu verschaffen, mußten weitere Industriebetriebe angesiedelt werden. So zählte Ennigerloh bis zur Industrialisierung kaum über 2.000 Einwohner, 1939 ca. 5.000, 1970 ca. 10.000 Einwohner. Mit der kommunalen Neuordnung in NRW kamen die früher selbständigen Gemeinden Enniger, Westkirchenund Ostenfeldedazu der neuen Großgemeinde mit ca. 20.000 Einwohnern wurden 1976 die Stadtrechte verliehen.

Quelle: Kunst im Kreis Warendorf, Herausgegeben von Werner Bockholt, SCHNELL Buch & Druck Warendorf 1991

Mit freundlicher Genehmigung der Bezirksregierung Münster