Stadtgeschichte Beckum

 
 

 
 
 

Beckum - Die frühesten Zeugnisse einer Besiedlung des Raumes Beckum bildeten drei Steinkistengräber südlich der Stadt in der Bauerschaft Dalmer. Sie wurden in der Jungsteinzeit 2500 - 2000 v. Chr. angelegt.

Die im Volksmund "Hünengräber" genannten Grabanlagen dienten mehreren Sippen und Familien zur Bestattung ihrer Toten und konnten je Grab bis zu 200 Skelette enthalten. Um 1800 war eines der Gräber bereits stark zerstört, das zweite vor 1900 ganz verschwunden. Das heute erhaltene Grab von 27 m Länge und 1,50 m Breite (ehem. Grabkammerhöhe ca. 1,50 m) war bei archäologischen Grabungen 1860 noch relativ vollständig. Einige Grabbeigaben befinden sich im Westfälischen Museum für Archäologie in Münster.

Die Anlage ist einer der nördlichsten Vertreter der westfälisch-hessischen Steinkisten, einer regionalen Gruppe der von Frankreich bis Mitteldeutschland vertretenen westeuropäischen Galeriegräber. Im Unterschied zu den Megalithgräbern Norddeutschlands (Ganggräber) handelt es sich um ein in den Boden eingetieftes Galeriegrab. Ungeachtet einiger fehlenden Decksteine vermag die Anlage einen Eindruck von der einstigen Monumentalität derartiger Bestattungsplätze zu vermitteln. Sie zählt zu den ältesten Zeugnissen menschlicher Kultur in Westfalen. Zu den weiteren frühen Zeugnissen gehören zwei in unmittelbarer Nähe zueinander gelegene Gräberfelder am südlichen Stadtrand:

Gräberfeld Beckum I: merowingisch-Fränkisches Gräberfeld, überwiegend 6. Jahrhundert n. Chr., einzelnene Gräber Ende 5. und Anfang 6. Jahrhundert, 1861 - 1863 Ausgrabungen, heute überbaut. Ergraben wurden 61 menschliche Bestattungen mit zum Teil reichen Schmuck- und Waffenbeigaben. Der Friedhof wurde etwa 100 Jahre und über 4 - 5 Generationen hinweg als Begräbnisplatz genutzt.

Gräberfeld Beckum II: sächsisches Gräberfeld, 1959 freigelegt, Nachgrabungen 1962, heute teilweise überbaut. Eine Gedenktafel (1989, Franken und Sachsen stürmen aufeinander ein. Darüber die Raben Wotans, deren Zahl die in Anlehnung an das Wappen des Burggrafen von Stromberg auf drei erhöht wurde) von Heinrich Gerhard Bücker aus Vellern erinnert an die Grabung, bei der 24 menschliche Bestattungen, etwa 16 Brandbestattungen und 30 Pferdegräber von der 1. Hälfte des 1. Jahrhunderts bis um 800 n. Chr. freigelegt wurden. Bis etwa um 800 wurde die Stätte als Begräbnisplatz genutzt.

Zu dieser Zeit besaß der Ort bereits eine steinerne Kapelle. Sie gehörte vermutlich zu einem karolingischen Königshof, der dann bereits früh bischöflich wurde. Mehrere Hof- und Flurnamen lassen auf das Vorhandensein von königlichen Besitz schließen. Die Siedlung wurde angelegt am Schnittpunkt zweier Handelswege. Sie liegt auf der Mitte des Ost-West-Handelsweges zwischen den Bischofstädten Paderborn und Münster nördlich eines Lippeüberganges, der den Hellweg und Hamm mit den Emsübergängen bei Warendorf und Rheda-Wiedenbrück verbindet. Der Haupthof wurde innerhalb der Beckumer Berge in einer weitläufigen Quellmulde mehrerer Bachläufe angelegt, die zur Werse zusammenfließen (siehe Stadtwappen) und somit stets eine ausreichende Wasserversorgung, die auch zu Verteidigungszwecken diente, gewährleisteten. Die frühen urkundlichen Namensgebungen (Bekehem, Bikehem, Bechehem, Beckem, Beke = Bach, - hem = Heim) spiegelt die geographische Lage der Siedlung wider.

Im 12. Jahrhundert besaß der Ort wohl bereits dorfähnlichen Charakter mit Planken- und Palisadenbefestigung. 1224 erfolgte die Verleihung des Stadtrechts. Unter Bischof Gerhard von Münster (1261 - 1272) Ausbau der Verteidigungsanlage mit Stadtmauer und vorgelegten Schanzen an den Toren (in Resten an der Oststraße erhalten), 22 Wehrtürmen und doppelter Wallanlage. Die Befestigungen wurden von 1770 bis 1820 niedergelegt. Einige Mauerstreifen, Schanzen und Türmen sind noch im Urkataster vom 1831 eingetragen.

Seit dem 13. Jahrhundert große Gebietsankäufe außerhalb der Stadt. Entstehung der sog. Feldmark, die mit 2190 ha die aller anderen Stadte des Münsterlandes übertraf. In ihr lagen 4 Wassermühlen und 20 von der Stadt erworbene Höfe. Das Land, darunter 800 Morgen Weide, wurde den Bürgern gegen Erbzins oder als Eigentum überlassen. Es wurde um 1350 oder wenig später mit doppelter und dreifacher Wallanlagen (Landwehr) von 18 km Länge umgeben und nach Süden mit zwei Warttürmen zusätzlich gesichert. Die Stadt erhielt zugleich umfangreiche Rechtsbefugnisse: Marktrech 13. Jh., Befreiung von der Gerichtsbarkeit des bischöflichen Vogtes 1269, Befreiung von der Gogerichtsbarkeit 1292.

Die Privilegien wurden durch die Randlage im Bistum Münster begünstigt. Aus den daraus entstehenden Einnahmen und durch die Fruchtbarkeit des schweren Bodens beginnender Reichtum. Hansestadt zweiter Ordnung. Ein Beckumer Kaufmann verstarb 1433 in Stockholm. Erste Hospitäler, Armenhäuser und weitere soziale Einrichtungen ab 1300: Große Geist-Hospital, Kleine Geist-Hospital. Seit 1353 bestand in Beckum eine Terminei der Soester Minoriten. 1446 Gründung des Frauenklosters Blumenthal. Beckum blieb ausgesprochene Ackerbürgerstadt bis etwa um 1500. Danach beginnende Rezession.

1532 Einzug der Reformation.

Im Zuge der Gegenreformation 1598 Einfall spanischer Truppen, die im Dienst des münsterschen Bischofe Ernst von Bayern (1585 - 1612) standen. Im Verlauf der Dreißigjährigen Krieges Verlust sämtlicher ehemaliger Vorrechte, Privilegien und Freiheiten (freie Ratswahl, Jagt- und Fischrecht, Gerichtsrecht, Gerichtseinkünfte). Völlige Armut aufgrund von Überfällen, Plünderungen und hohen Kriegsabgaben. Drei große Stadtbrände 1655,1657, und 1734. Absinken der Einwohnerzahl auf ca. 200 (im 13./14. Jh. ca. 2000 Einwohner), weitgehende Zerstörung der historischen Bausubstanz und der alten Ackerbürgerhäuser. Weitere große Belastungen im Siebenjährigen Krieg (1756 - 1763) durch Einquartierungen und Kriegssteuern.

1803 - 1806 unter preußischer, 1806 - 1816 unter französischer Verwaltung.

Der Kreis Beckum bestand von 1803 - 1809 und von 1816 bis zur Kommunalen Neuordnung 1975. Die Stadt war Kreissitz von 1827 - 1975. Durch den Bau der Köln-Mindener Eisenbahn 1847 wichtiger Verkehrsanschluß für die ab 1872 einsetztende Zementindustrie. Kalköfen bestanden bereits seit dem hohen Mittelalter und waren neben der Branntweinbrennerei wichtige Einnahmequelle. Von 1850 - 1890 wurden weit über 300 Kalköfen in Betrieb genommen. Bis in die 1930er Jahre war der Raum Beckum-Neubeckum-Ennigerloh eines der bedeutensten Zentren der deutschen Zementindustrie.

Die Bürgermeisterei Beckum bis zur Stadt BECKUM.

Die Bürgermeisterei umfaßte 1822 einschließlich der Stadt Beckum (Revidierte Städteordnung ab 1837) sechs Gemeinden auf 137 qkm, von denen drei (Beckum Stadt und Kirchspiel, Vellern) mit immerhin 72% der Fläche (99 qkm) nach BECKUM (112 qkm) gelangten und hier 89% des Stadtgebietes einnehmen.

Diese Bürgermeisterei blieb anläßlich der Abgabe von Dolberg (22 qkm) durch Erhalt von Lippborg (45 qkm) der 1832 aufgelösten gleichnamigen Bürgermeisterei (übrige Gemeinde zur Bürgermeisterei Liesborn) nach Zahl der Gemeinden unverändert sie verringerte sich dann auf fünf Gemeinden durch Ausscheiden der Stadt Beckum (22 qkm) und später als Amt auf vier durch Eingliederung der ursprünglich kleinen Gemeinde Lütke-Uentrup (knapp 7 qkm) nach Lippborg (01.04.1930).

Diese auf 52 qkm vergrößerte Gemeinde des im Vergleich zur Bürgermeisterei nur unwesentlich vergrößerten Amtes (knapp 139 qkm) wurde am 01.07.1969 nach LIPPETAL im Kreis Soest gegeben, während die ursprüngliche Gemeinde Sünninghausen (10 qkm) am 01.01.1970 nach OELDE gelangte.

Die verbleibenden zwei Gemeinden des Amtes (Kirchspiel Beckum und Vellern) nehmen in BECKUM mit zusammen 77 qkm nur deswegen lediglich 69% des Stadtgebietes ein, weil die an den o. g. 89% "fehlenden" 20% auf die amtsfreie Stadt Beckum (22 qkm) entfallen. Hinzu kommt mit 11% des Stadtgebietes die Gemeinde Neubeckum, die weder dem Amt noch der Bürgermeisterei Beckum angehört hatte, sondern zuletzt amtsfrei gewesen war.

Quellen: KREISARCHIV WARENDORF, KUNST IM KREIS WARENDORF, Herausgegeben von Werner Bockholt, SCHNELL Buch & Druck Warendorf 1991

Mit freundlicher Genehmigung der Bezirksregierung Münster