Oelde: Die Evangelische Stadtkirche

 
 

 
 
 

Oelde - Die in gotischen Formen errichtete Evangelische Stadtkirche in Oelde bildet mit ihrem schlanken Glockenturm den Abschluss eines Platzes und hat als städtebaulicher Akzent im Ortsbild ihre besondere Bedutung.

Darüber hinaus ist ein so frühes und komplett ausgestattetes Beispiel einer evangelischen Saalkirche nach Eisenacher Regulativ von 1861 im Münsterland nicht mehr erhalten.

Das „Eisenacher Regulativ für den evangelischen Kirchenbau“ von 1861, das sich auch im Bau der evangelischen Stadtkirche in Oelde widerspiegelt, schrieb seinerzeit die Bauweise der kleinen Diasporakirchen genau vor, die möglichst im gängigen Stil der Neugotik zu errichten waren. Es sah einschiffige, nach Osten ausgerichtete Saalkirchen vor und legte die Position von Altar, Taufstein, Kanzel und Orgel im Einzelnen fest.

Die 16 Grundsätze des Regulativs waren für den evangelischen Kirchenbau von den Behörden „ in allen Stufen geltend zu machen, den Bauherren rechtzeitig zur Kenntnis zu bringen und der kirchenregimentlichen Prüfung beziehungsweise Berichtigung, welcher sämtliche Baurisse unterstellt werden müssen, zugrunde zu legen“.

Bei so viel behördlicher Genauigkeit blieb den Baumeistern jener Zeit kaum Freiraum zu eigenständiger Entfaltung über die Vorgaben hinaus. Immerhin schrieb der Grundsatz Nr. 2 verbindlich vor: “Die dem evangelischen Gottesdienst angemessenste Grundform der Kirche ist ein längliches Viereck. Die äußere Höhe, mit Einschluss des Hauptgesimses, hat bei einschiffigen Kirchen annähernd ¾ der Breite zu betragen, während es um so mehr den auf das akustische Bedürfnis zu nehmenden Rücksichten entspricht, je weniger die Länge das Maß der Breite überschreitet.“

Nach zweijähriger Bauzeit kam mit dem 31. August 1880 der Tag der Einweihung, an dem die gesamte Stadt regen Anteil nahm.

Das Gotteshaus ist eine gewölbte Saalkirche mit einem Langschiff von drei Jochen, eingezogenem Polygonalchor und vorgesetztem dreistöckigen, bis zur Spitze 25 Meter hohen Fassadenturm. Das Westportal mit zweistufiger Treppe ist umrahmt von einem Sandsteinblendgiebel mit drei schlanken Fialen und einem Dreipassrelief in der Mitte. Auf dem Querträger unter dem fünfgliederigen Portalfenster stehen zwischen der in zwei Zifferngruppen eingemeißelten Jahreszahl 1880 die lateinischen Worte „Sola fide“ („Allein durch den Glauben“).

Über der Portalzone durchbricht unter dem kreisrunden, leeren Uhrfenster ein dreigliedriges Bogenfenster mit Maßwerkverzierung ebenso die schlichte Fläche der Backsteinwand wie unter dem Relief des Kreuzes das breitere, dreifach gegliederte Spitzbogenfenster der Glockenstube. Der Turmabschluss mit der schmiedeeisernen Spitze des Kreuzes mit Wetterhahn ist als eingezogener achtseitiger Helm mit vier Giebeln gestaltet. Die auf alten Abbildungen sichtbaren gotischen Kreuzblumen auf den Giebelspitzen des Turmes mussten bei Renovierungsarbeiten 1972 aus Sicherheitsgründen abgetragen werden.

Das Innere des Gotteshauses stellt sich als eine durch sechs hohe Seiten- und drei Chorfenster beleuchtete, nach Abtragung früherer Ausmalungen weiß getünchte, helle Saalkirche dar. Ihr Grundriss unterteilt sich in drei Joche und den durch zwei Stufen leicht erhöhten Altarbereich. Gestufte Pfeiler an der Nord- und Südseite nehmen in den farbig ausgelegten Kapitellen ihrer Halbsäulen die ebenfalls farbig gefassten Kreuzrippen des Gewölbes auf. Runde Schlusssteine mit farbigem Blattdekor zieren die Spitzen der Rippen.

Die jeweils 4,50 Meter hohen Chorfenster neben den Halbsäulen mit Kapitellen und Doppelwulst werfen sanft gebrochenes Licht in den Raum. Seit 1975 ersetzen grau-weiße marmorierte Schlierengläser, die an den Kreuzungen der Stege mit Glasbrocken durchsetzt sind, die alte teppichmusterartige Chorverglasung. Das mittlere zweigeteilte Südfenster ist jenen Gemeindegliedern gewidmet, die im Weltkrieg 1914 / 18 gefallen oder an dessen Folgen verstorben sind. Der bekrönende Vierpass trägt in seiner Mitte eine Krone und den Spruch „Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben.“

Im zentralen Farbbild unter einem gotischen Dekor kämpft der heilige Michael in der Rüstung eines mittelalterlichen Gralsritters mit dem am Boden liegenden Drachen als dem Symbol des Bösen. Unter der bildhaften Szene stehen je ein Eisernes Kreuz über den beiden Reihen mit insgesamt 15 Namen der damaligen Kriegstoten der Kirchengemeinde.

Das linke Südfenster ist ein Werk des Künstlers Heinrich Gerhard Bücker aus Vellern aus dem Jahr 1960. Das in den reduzierten Stilmitteln des Kubismus angelegte Bild zeigt im stilisierten Umriss den in roten Purpur gehüllten Christus in sieghafter Gebärde. Die weiße Jesusgestalt erhebt sich vor dem von Blautönen beherrschten Strahlenmuster des Hintergrundes über einer gelb gefassten Basis.

Seit einem Beschluss des Presbyteriums im Jahre 1962 trägt das evangelische Gotteshaus an der Langen Straße den Namen Stadtkirche. Er hat sich inzwischen fest eingebürgert, nicht zuletzt wohl auch deshalb, weil er exakt den geografischen und geistigen Standort im Herzen der Stadt bezeichnet.

Auszug aus:
Westfälische Kunststätten, Heft 106: Evangelische Stadtkirche Oelde. Herausgeber: Westfälischer Heimatbund, Kaiser-Wilhelm-Ring 3, 48145 Münster.

 
 

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Evangelische Stadtkirche Oelde
Lange Straße 19
59302, Oelde
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