Stadtgeschichte Coesfeld

 
 

 
 
 

Coesfeld - Am Westfuß der Baumberge liegt die Stadt Coesfeld, von der Berkel von 0st nach West durchflossen. Der ursprüngliche Stadtkern liegt als Riegel vor dem nordöstlich weit ausgedehnten Ausraum der Berkeltalung und der ihr zugehörigen Nebenbäche.

Durch die natürliche geologische Schwelle, gebildet von der Hengte und dem Hohen Feld, verläßt die Berkel die Coesfelder Mulde nach Westen, um durch das Flachland des Westmünsterlandes der holländischen Grenze zuzustreben.

In historischen Quellen tritt Coesfeld im Jahr 809 in Verbindung mit dem Tod des heiligen Ludgerus erstmalig nachweislich auf. Ludgerus benutzte hier eine Kirche, der er Pfarrecht eingeräumt hatte, wohl die heutige Lambertikirche. Dieser Kirche war ein weitläufiger Pfarraum Coesfeld zugewiesen, im Norden gehörten dazu der heutige Pfarrbezirk Holtwick, der Bezirk Osterwick und der Bezirk Legden mit Teilen von Asbeck im Süden und Westen umschloß dieses Gebiet die Gemeinde Lette und den östlichen Teil der Gemeinde Gescher. Dieser erste Coesfelder Verwaltungsraum blieb unverändert bis in die Zeit um 1023. Welche Formen der Ort Coesfeld bis dahin angenommen hatte, können wir nur vermuten. Sicher ist, daß die Lambertikirche um sich ein dörfliches Gebilde hatte, das gemeindepolitisch unabhängig vom Pfarrhof, einen Haupthof besaß. Über diese Besitzer des Haupthofes Coesfeld sind nur Vermutungen möglich.

Mit dem Jahre 1123 wird dann die Ortsgeschichte Coesfelds wesentlich deutlicher. Otto von Cappenberg, Besitzer des Hofes Varlar, gründet dort unter Mitwirkung seines Bruders Gottfried und des heiligen Norbert ein Prämonstratenserkloster (Norbertiner). Heinrich (von Coesfeld) tritt in die Neugründung ein, er wird 1126 zweiter Propst als Nachfolger Ottos und schenkt dem Kloster Varlar alle seine vom Vater ererbten Güter. Damit ist das Dorf Coesfeld auf dem Nordufer der Berkel, rund um die Lambertikirche, in den Besitz des Klosters Varlar übergegangen. Es verbleibt dem Kloster wortgeldpflichtig bis 1803.

Im Jahr 1197 erhebt der Bischof von Münster, Hermann II., die Doppelsiedlungen Sankt Lamberti/Sankt Jakobi zur Stadt nach münsterschem Recht. Die Pröpste von Varlar verbleiben als Wortgeldherren. Sie übernehmen auch die Jakobikirche. Die Bürger dieser Doppelsiedlung aber erhalten freie Verwaltung der jungen Stadt. Damit ist Coesfeld nach Münster der bedeutendste Ort im Münsterland. Die Stadt erhält ein bischöfliches Gericht, freie Wahl des Magistrates, ein Statut, das als Grundlage eigenständiger bürgerlicher Selbstverwaltung dient. Zeichen dieser bürgerlichen Selbstverwaltung ist das Lambertussiegel, dem später das Sekretsiegel mit dem Ochsenkopf als Stadtsiegel folgt.

Das 13. und 14. Jahrhundert zeigt Coesfeld in reger Tätigkeit, das äußere Bild der Stadt zu formieren. So entstehen, durch Berkel, Honigbach, Wahrkampbach, Brinkerbach und Lilienbecke gespeist, der Stadtgraben, eine kräftige Mauer, die zusätzlichen Schutz bietet, und fünf Tore, die die Zufahrtswege in die Stadt absichern. Das schönste Tor der Stadt war das Münstertor. Im Süden lag das Letter Tor, nach Westen das Süringtor, im Norden das Viehtor, und am Einfluß der Berkel in die Stadt das Walkenbrücker Tor. Nur das Walkenbrücker Tor und der Nonnenturm (heute Pulverturm) sind geblieben. Mittelpunkt der Stadt war der Marktplatz, auf dem ein steinernes Kreuz den Ort des Gerichtes dokumentierte. Die sogenannten Fredepfähle außerhalb der Stadt zeigten die Grenze des Gerichtsbereiches nach außen hin an. Zusätzlich sicherte ein Stadthagen die Feldflur der Stadt zu den Bauerschaften ab.

Die bürgerliche Selbstverwaltung funktionierte bis zur napoleonischen Zwangsabschaffung nach dem Prinzip der Basisdemokratie. Die Bürger der in vier Kluchten eingeteilten Stadt hatten um Dreikönige sich kDie bürgerliche Selbstverwaltung funktionierte bis zur napoleonischen Zwangsabschaffung nach dem Prinzip der Basisdemokratie. Die Bürger der in vier Kluchten eingeteilten Stadt hatten um Dreikönige sich kluchtenweise vor dem Marktkreuz zu versammeln, und mit Hilfe von Wahlmännern wurde der Rat der Stadt gewählt. Die Nachbarschaften spielen hierbei sicherlich eine bedeutende Rolle, denn alle Straßen waren in zwei oder drei Nachbarschaften aufgeteilt, deren Aufgabe es war, dem Bürger von der Wiege bis zum Grabe in Freud und Leid beizustehen.

Die Stadt Coesfeld entwickelte sich vom 13. bis 15. Jahrhundert zu einem blühenden Ort des Handwerks und des Handels. Durch das streng geregelte Zunftwesen, in Verbindung mit der Hanse, erwuchs der Stadt die Möglichkeit, Handel weit über die Regionalgrenzen hinaus zu treiben. Handelsverbindungen von Nowgorod bis London und von Bergen bis Köln zeigen schon damals europäisches Format. Neben dem Handwerker und Kaufmann finden wir aber besonders in der Zeit zwischen 1400 und 1500 namhafte Künstler in Coesfeld wie den Meister des Schöppinger Altars, den Bildhauer Johann Düsseldorp und den weit über Coesfeld hinaus nachweisbaren Heinrich de Sur.

Der spanisch-niederländische Krieg beschert der Stadt erstmalig Zeiten bitterer Not 1598 wird die Stadt von den Spaniern besetzt und muß harte Zwangsabgaben leisten. Mit dem Dreißigjährigen Krieg setzt dann schlagartig der wirtschaftliche Niedergang der Stadt ein. 1633 besetzen hessische Truppen die Stadt und legen in wenigen Jahren einen ausgedehnten Kranz von neuen Befestigungswerken vor die Stadtmauer. Wenige Jahre zuvor hatten noch Kapuziner und Jesuiten Niederlassungen in Coesfeld gegründet und festgestellt, daß die Bürger der Stadt weder evangelisch noch katholisch seien. Die Pröpste von Varlar als Archidiakone in Coesfeld hatten sich kaum mehr um das religiöse Leben in der Stadt gekümmert. Erst nach Beendigung des Krieges wird 1650 durch die Wahl Bernard von Galens zum Bischof von Münster die Lage deutlich verändert. Er kauft gezielt die Stadt von den Hessen frei, über nimmt sie dann aber persönlich als Residenz, da Münster ihm die Tore verschlossen hat. Bis zum Tode des Bischofs in Ahaus, 1678, ist Coesfeld praktisch die Landeshauptstadt des Fürstbistums.

Alle Versuche der Landesregierung im 18. Jahrhundert, das wirtschaftliche Leben der Stadt wieder zu aktivieren, schlugen fehl. Dazu sorgt der Siebenjährige Krieg für weiteren Niedergang. 1761 besetzen die Franzosen Coesfeld, und Prinz Soubise machte die Stadt zu seinem Winterquartier. Beim Abzug zerstörten die Franzosen den größten Teil der Stadtbefestigung. Viele Bürger hatten die Stadt verlassen, ein Drittel der Häuser stand leer oder war verwüstet.

Das Ende Napoleons bringt am 14.02.1814 die rheingräfliche Familie wie der in den Besitz ihrer Grafschaft, aber schon 1815 übernimmt Friedrich Wilhelm III. von Preußen den Besitz der Grafschaft Horstmar. Coesfeld wird Kreisstadt des neu gegründeten Kreises Coesfeld. Mit der Übernahme der Grafschaft Horstmar durch Preußen wird die rheingräfliche Familie in den erblichen Fürstenstand erhoben. Vornehmste Aufgabe der preußischen Verwaltung war es, das Wirtschaftsleben neu aufzubauen und Verwaltungsreformen durchzuführen. Die Stadt Coesfeld und die nicht zum ehemaligen städtischen Bereich gehörenden Bauerschaften werden verwaltungsmäßig getrennt, so daß die Gemeinde Stadt Coesfeld und die Gemeinde Coesfeld Kirchspiel entstehen. In der Stadt beginnt eine rege Bautätigkeit. Die Reste der Stadtbefestigung werden beseitigt. Bis auf das Walkenbrücker Tor verschwinden alle Tore der Stadt, die Wallanlagen der Hessen werden zur Promenade umgebaut. Die Frühindustrialisierung wird in Ansätzen deutlich. Papier- und Textilherstellung beginnen in Coesfeld Fuß zu fassen. Für kurze Zeit wird Coesfeld preußische Garnisonstadt, und ab 1850 beginnt die zügige Neuerstellung von Industriebetrieben. Den Reigen eröffnet eine Lederfabrik, die später sogar eine Filiale in New York unterhielt. Als Folge der aufblühenden Textilindustrie entstehen Maschinenbaubetriebe und eine Eisengießerei. Ein bedeutender Faktor für die Industrialisierung ist der Bau der Eisenbahn. Coesfeld entwickelt sich zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt für Personenverkehr, aber besonders auch für den Güterverkehr.

Die Gebietsreform der letzten Jahre erhielt Coesfeld die Kreisverwaltung, doch wurde der städtische Verwaltungsbereich total verändert. Die Landgemeinden Kirchspiel Coesfeld und Lette wurden der städtischen Verwaltung unterstellt. Lette, das bis dahin im Verband mit der Gemeinde Rorup ein eigenständiges Dasein geführt hatte und schon nach dem letzten Kriege eine sehr kräftige Bautätigkeit und Wirtschaftsentwicklung erlebte, ist nach Coesfeld zurückgekehrt, von dem es 1264 abgetrennt wurde. Die jetzige Stadt Coesfeld umfaßt somit den Bereich, der im ausgehenden Mittelalter als Pfarre Sankt Lamberti einmal bestanden hat.

In der jetzigen Situation darf man die Stadt Coesfeld in wichtiger zentraler Funktion des westlichen Münsterlandes sehen. Die Stadt ist nicht nur Zentrum kommunaler Einrichtungen, neben der Kreisverwaltung sind hier auch eine Vielzahl überörtlicher Behörden und Körperschaften untergebracht, teilweise nach dem Krieg und nach der Gebietsreform erst erstellt, teilweise aber auch schon mit langer Geschichte aus preußischer Zeit. So stehen Stadtverwaltung und Kreisverwaltung mit zugeordneten anderen Behörden in enger Gemeinschaft nebeneinander. Das neue Rathaus am Markt und das ehemalige Jesuitenkloster als Erweiterungshaus der Stadtverwaltung bilden das Zentrum städtischer Bürgerverwaltung. Das nach 1945 wieder aufgebaute alte Kreishaus und der in den letzten Jahren neu erstellte Erweiterungsbau bilden den Mittelpunkt des formierten Kreises Coesfeld.

Quelle: KREIS COESFELD, Laumann-Verlag Dülmen, Alfred Kröner Verlag Stuttgart

Mit freundlicher Genehmigung der Bezirksregierung Münster