Stadtgeschichte Vreden

 
 

 
 
 

Vreden - Die Stadt Vreden und die Gemeinde Ammeloe wurden mit Wirkung vom 01.07.1969 zu einer neuen Gemeinde mit der Bezeichnung Stadt Vreden zusammengeschlossen.

Wappen Vreden

Ammeloe: Zur Gemeinde Ammeloe gehörten die 11 Bauerschaften Zwillbrock, Ellwick, Krosewick, Wennewick, Ammeloe, Lünten, Gaxel, Köckelwick, Doemern, Kleinemast und Großemast. Den Kern von Ammeloe bildete die 1369 mit Erlaubnis der Äbtissin von Vreden erbaute Kapelle (hl. Alexander, seit 1444 hl. Antonius) und die darum für die Bauern der umliegenden Bauerschaften angelegten Häuser ("Ammeloer Kring"). Die Kapelle wurde 1926 Rektoratskirche. In der benachbarten Bauerschaft Wennewick errichteten Zwillbrocker Minoriten 1657 beim Hof Oldenkott eine Missionsstation für niederländische Katholiken.

Auch für Lünten ist die 1756 geweihte Kapelle (hl. Bruno) Mittelpunkt, ebenso für Ellewick die 1679 errichtete und 1903 durch die jetzige Kirche ersetzte Kapelle (hl. Kreuz). In Köckelwick wurde 1908 das Antoniusheim für Nichtseßhafte gegründet, dem 1959 ein Altenheim angegliedert wurde (Neubau 1981). In Ellewick bestand seit 1929 beim Hofe Früchting (heute Vreden) ein Noviziat der "Brüdergemeinschaft von der christlichen Liebe" (seit 1951 "Canisianer"). Nach dessen Verlegung (1951) als Altenheim genutzt, wurde hier 1964/66 ein Heim für geistig Behinderte erbaut.

Bocholter Minoriten gründeten 1651/52 in Zwillbrock eine Missionsstation für niederländische Katholiken v. a. für Borculo. Sie wurde daher von Fürstbischof Christoph Bernhard besonders gefördert und 1657 Residenz, 1670 Kloster, das 1811 aufgehoben wurde. Das Zwillbrocker Venn, seit 1938 Naturschutzgebiet, beherbergt heute die größte Lachmöwenkolonie Westeuropas. In der alten Schule wurde 1981 ein Informationszentrum für Naturschutz und Landschaftspflege eingerichtet.

Vreden wird erstmals 839 als "Fredenna" in den Xantener Annalen erwähnt. In diesem Jahr wurden Reliquien der römischen Märtyrer Felicissimus, Agapitus und Felicitas nach Vreden übertragen. Bei Grabungen unter der Pfarrkirche St. Georg (1949-1951) konnten die Fundamente von vier Kirchen aufgedeckt werden.

Die Bedeutung Vredens im Mittelalter hing wesentlich mit der Ausstrahlung des hochadeligen Damenstifts zusammen. Adelheid, eine Tochter Kaiser Ottos II. und seit 1014 Äbtissin, empfing in dem "berühmten Vreden" 1024 gemeinsam mit ihrer Schwester, der Abtissin von Essen, König Konrad II. bei seinem Königsumritt. Die Nennung Vredens als "civitas" 1016 bezeichnet wohl den Stiftsbezirk und ist nicht als Stadt im verfassungsrechtlichen Sinne zu verstehen. Heinrich IV. übergab 1080/85 das Stift mit Markt-, Münz- und Zollrecht an Erzbischof Liemar von Bremen bzw. das Erzstift Bremen. Im 11. Jh. war Vreden wahrscheinlich Münzort für die sog. Wichmann-Pfennige, die ihre Verbreitung bis nach Skandinavien und Rußiand fanden.

Das Stift muß an das Reich zurückgefallen sein, denn Kaiser Friedrich I. tauschte Vreden gegen Saalfeld (Thüringen) an Erzbischof Philipp von Köln (1167-1191) ein. Erzbischof Konrad beschloß 1241, die beim Stift entstandene Siedlung zur Stadt auszubauen und übertrug 1252 an Bischof Otto II. von Münster die Hälfte, um die Stadt auf gemeinsame Kosten zu befestigen. Vreden trat schon 1255 mit Köln dem Rheinischen Bund bei und zählte seit 1524 zu den landtagsfähigen Städten des Stifts Münster. Nach der Zerstörung der Stadt durch den Grafen Reinald von Geldern ließ Bischof Otto IV. die bischöfliche Burg 1398 neu errichten. Zeuge des Reichtums und des Selbstbewußtseins der Bürger ist der spätgotische Neubau der Georgskirche und ihre Ausstattung.

Die Reformation fand in der 2. Hälfte des 16. Jh. zahlreiche Anhänger, und noch im 17. Jh. wechselte der Einfluß katholischer und reformierter Kräfte. Im Zuge der Gegenreformation richteten 1644/45 Franziskaner aus Dorsten eine Niederlassung ein, leiteten das 1677 gegründete Gymnasium, und aus Oldenzaal vertriebene Klarissen erhielten 1651 für ihr Kloster die bischöfliche Genehmigung. Einige Familien waren aber noch im 18. Jh. Mitglieder der niederländischen reformierten Kirchengemeinde Rekken. Die erste ev. Kirche wurde 1860 errichtet. Die Vredener Judengemeinde als größte im Kreis Ahaus erbaute zu Beginn des 19. Jh. eine Synagoge, die 1938 erhalten, aber später abgebrochen wurde.

Zwei Großbrände verheerten 1811 und 1857 fast die ganze Stadt. Das Stift wurde noch von den Fürsten zu Salm 1810 aufgehoben, die beiden Klöster 1811 vernichtet. Dadurch und in Folge der sich verschlechternden Wirtschaftslage sank Vreden zu einer unbedeutenden Ackerbürgerstadt ab. Der Aufbau der Textilindustrie setzte 1875 mit der Gründung einer Nesselweberei ein, die schon 1880 130 Beschäftigte hatte.

Der Luftangriff am 21.03.1945 führte zu einer verheerenden Zerstörung der Innenstadt und kostete 200 Menschen das Leben.

Quelle: DER KREIS BORKEN, Konrad Theiss Verlag Stuttgart

Mit freundlicher Genehmigung der Bezirksregierung Münster