Stadtgeschichte Raesfeld

 
 

 
 
 

Raesfeld - Mit Auflösung des Amts Marbeck-Raesfeld wurden zum 01.07.1969 die Gemeinden Raesfeld und Homer vereinigt. Aus dieser Gemeinde, der Gemeinde Erle (Kr. Recklinghausen) und einem Teil der Gemeinde Overbeck (Kr. Rees) wurde mit Wirkung zum 01.01.1975 die neue Gemeinde Raesfeld gebildet. Seit 1969 in einer Verwaltungsgemeinschaft von der Stadt Borken betreut, erhielt Raesfeld 1976 seine eigene Verwaltung.

Wappen Raesfeld

Erle wird 1017 erstmals als "Horlon" anläßlich einer Schenkung Kaiser Heinrichs II. erwähnt. Die seit 1201 nachweisbaren Ritter von Erle, auch "von Ichorne" genannt, gelten als Gründer der von Raesfeld wohl im 13. Jahrhundert abgetrennten Pfarrkirche (hl. Papst Sylvester). Die Pfarrer waren von 1533 bis 1622 Kalvinisten. Erle kam 1803 mit der Herrlichkeit Lembeck zum Fürstentum Salm, war von 1810 - 1813 französisch und wurde 1816 dem Kreis Recklinghausen zugeteilt.

An den Freistuhl in Erle erinnert die über 1000jährige Femeiche von 14 m Umfang. In ihrem hohlen Inneren ließ der Kronprinz von Preußen 1819 36 Soldaten aufstellen, und der Bischof von Münster tafelte auf einer Firmungsreise 1851 darin mit 11 Geistlichen. Erle hatte beim Zusammenschluß etwa 1800 Einwohner, und keinen Betrieb mit mehr als 20 Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe.

Homer im 14. Jahrhundert "in der Homere" genannt - ist eine mittelalterliche Ausbausiedlung. Der Ort zählte seit Anfang des 19. Jh. bis zum Zusammenschluß 1969 immer etwa 200 Einwohner..

Raesfeld wird erstmals im 9./10. Jahrhundert als "Hrothusfeld" in einem Güterverzeichnis des Klosters Werden geführt. Die als Turmhügel über einer Siedlung des 9./10. Jh. im 12. Jh. errichtete Burg Kretier - etwa 3 km nordwestlich von Raesfeld - wurde 1152 vernichtet. Raesfeld erhielt Ende des 12. Jh. eine eigene, von Borken abgetrennte Pfarrkirche (hl. Martin), vermutlich durch den aus s?Heerenberg stammenden Rabodo von dem Berge (bezeugt 1166-73). Seinen Haupthof, den "Rabodinchof", auf dessen Grund die Burg Raesfeld erbaut wurde, verkaufte sein Enkel Adam 1259 als freies Eigen an seinen Verwandten Simon von Gemen, der sich seither von Raesfeld nannte.

Nach einer Niederlage mußte 1374 Wennemar von Heiden an Bitter von Raesfeld seine Freigrafschaft in den Kirchspielen Raesfeld, Erle, Lembeck, Wulfen, Hervest und Schermbeck abtreten. Johann von Raesfeld wurde für seine Verdienste bei der Belagerung der von den Wiedertäufern regierten Stadt Münster (1534) Droste in Ahaus.

Ein 1559 nach dem Aussterben der männlichen Hauptlinie der von Raesfeld ausgebrochener Erbstreit wurde erst durch das Reichskammergericht 1585 zugunsten des Hermann von Velen entschieden. Sein Sohn Alexander I., seit 1628 Reichsfreiherr, ließ 1606 den Nordflügel errichten, und sein Enkel Alexander II., seit 1641 Reichsgraf, bauten die alte Burg zum Schloß aus. Alexander II., der seinen Fähigkeiten als Heerführer und Kriegsunternehmer im 30jährigen Krieg und seiner Liebe zur Astrologie (Sterndeuterturm) den Beinamen eines "westfälischen Wallenstein" verdankt, machte Raesfeld zu einer fürstlichen Residenz und zum Verwaltungsmittelpunkt seiner durch Kriegsgewinn erworbenen Besitzungen in Westfalen, an der Maas und der Nahe.

Nach dem Aussterben der Raesfelder Linie derer von Velen 1733 erbte der Graf von Limburg-Styrum zu Gemen, und 1822 erwarb der Reichsfreiherr von Landsberg-Velen das Schloß mit dem Grundbesitz. Fast 200 Jahre blieb das Schloß unbewohnt und verfiel, bis es nach seiner Erneuerung 1929 an den kath. Jugendbund Neudeutschland verpachtet wurde. Nach dessen Auflösung 1935 erwarben 1942 ein Landwirt die Vorburg mit 180 Morgen Land und der Handwerkerverein Raesfeld 1943 die Hauptburg. Das Schloß wurde 1950/51 restauriert, für die Handwerkerausbildung eingerichtet und ist seit 1962 Bildungsstätte des nordrhein-westfälischen Handwerks, seit 1971 "Akademie des Handwerks". Hier wurde 1956 der Kulturkreis Schloß Raesfeld gegründet, dessen reichhaltigem und grenzüberschreitendem Programm das Kulturleben des Kreises wesentliche Impulse verdankt.

Die östlich der Burg entstandene Freiheit, das etwa 1 km nordöstlich davon gelegene Kirchdorf und die Dorfbauerschaft teilten die Geschicke der Herrschaft. In der Nähe von Raesfeld fand am 26. 3. 1920 ein entscheidender Kampf zwischen "Roter Armee" und dem Freikorps Loewenfeld statt, der diesem den Zugang zum Ruhrgebiet öffnete.

Quelle: DER KREIS BORKEN, Konrad Theiss Verlag Stuttgart

Mit freundlicher Genehmigung der Bezirksregierung Münster