Stadtgeschichte Isselburg

 
 

 
 
 

Isselburg - Im Rahmen der kommunalen Neugliederung kamen zum 01.01.1975 die Stadt Isselburg und die Gemeinden Heelden und Vehlingen und ein Teilgebiet der Gemeinde Wertherbruch vom Kreis Rees zum Kreis Borken und wurden mit den Städten Anholt und Werth und der Gemeinde Herzebocholt zur neuen Stadt Isselburg vereinigt.

Wappen Isselburg

Anholt: Herren von Anholt erscheinen schon in einem Utrechter Lehenbuch aus der Zeit des Bischofs Balduin (1178 - 1196). Dietrich von Zuylen verlieh 1349 der nördlich der Burg jenseits der Issel entstandenen Siedlung das Stadtrecht. Die kleine, reichsunmittelbare Herrschaft Anholt kam jeweils über eine Erbtochter 1380 an Hermann von Gemen, 1402 an die Herren von Bronckhorst, 1647 an die Fürsten von Salm (seit 1719 Salm-Salm) und 1803 zum Fürstentum Salm, mit dem es 1810 an Frankreich und Preußen fiel. Das 1567 neuerbaute Rathaus verlieh der eigenen Verwaltung unter Bürgermeister und 7 Schöffen besonderen Ausdruck. Die wohl aus dem 13. Jahrhundert stammende Kapelle in der Stadt wurde 1451 anstelle der Kirche von Breels zur Pfarrkirche (hl. Pankratius) erhoben. Die Evangelischen erhielten 1786 das Recht der freien Religionsausübung und erbauten einen Betsaal. Im 19. Jahrhundert konnte sich Anholt zwar in mancher Hinsicht den Charakter eines Residenzstädtchens bewahren, die Fürsten wohnten bis 1945 im Schloß, entwickelte sich aber kaum weiter. Die Ende des 19. Jahrhunderts begonnenen Zigarrenfabrikation hörte mit der Weltwirtschaftskrise auf, die Bedeutung als Ausflugsort hingegen nahm zu. Bei den Kämpfen um Anholt Ende März 1945 wurde die Stadt zu etwa 75% zerstört. Das wiederhergestellte Schloß ist seit 1966 als Museum zugänglich. Eine wesentliche Verbesserung der Wirtschaftslage brachte 1961 die Ansiedlung eines Zweigwerkes für Klimatechnik.

Heelden (1390: Heelden) ist noch heute trotz des direkten Autobahnanschlusses stark von der Landwirtschaft geprägt.

Herzebocholt: Vom 1456 erstmals erwähnten adeligen Haus Schüttenstein blieb nur das Torhaus erhalten. In der Dreifaltigkeitskapelle, 1787 durch die heutige Kirche ersetzt, betreuten Bocholter Minoriten in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts auch die niederländischen Katholiken in Dinxperlo und Heurne. Die 1968 aufgelöste Volksschule wurde in eine Bürgerhalle umgebaut.

Isselburg wird erstmals um 1300 als "Yselberge" in einem Urbar (von althochdeutsch erberan "Ertrag bringen", ein in Listen oder Buchform angelegtes Güter- und Einkünfteverzeichnis) des Stiftes Xanten erwähnt und 1358 als Bauerschaft von Millingen genannt. Eine Burg dürfte schon im 14. Jahrhundert hier gestanden haben, die der Graf von Kleve um 1410 ausbauen oder neu errichten ("Neyenborg") ließ. Herzog Adolf I. von Kleve verlieh der dort entstandenen Siedlung 1441 das Stadtrecht. Die 1460 in der Stadt erbaute Kapelle (hl. Bartholomäus) war mit pfarrlichen Rechten ausgestattet: 1570 nahm die Stadt bis auf eine Familie die Lehre Luthers an. Mit dem Herzogtum Kleve kam Isselburg 1609 an Brandenburg. 1624, 1669 und 1697 fiel die Stadt Bränden zum Opfer. Die im 17. Jahrhundert entstandene reformierte Gemeinde konnte 1689, die Katholiken durften 1785 eine Kirche bauen (Neubau 1878). Die zur Verhüttung der Raseneisenerzvorkommen in der Isselniederung 1794 gegründete Eisenhütte Minerva (seit 1874 Isselburger Hütte) brachte eine gute wirtschaftliche Entwicklung und Bevölkerungszuwachs (1830: 660, 1867: 1140, 1900: 2235 Einwohner). Das Werk, heute nur noch Eisengießerei, blieb bis in die Gegenwart bestimmender Wirtschaftsfaktor.

Schon im 19. Jahrhundert waren Isselburg und Anholt über die rheinisch-westfälische Grenze hinweg miteinander verflochten: Werksanlagen der Isselburger Hütte, der Friedhof von Isselburg und der 1901 erbaute gemeinsame Bahnhof lagen auf Anholter Gebiet. Seit der Schulneuordnung 1968 bestand ein Schulverband zwischen Anholt, Isselburg und Werth.

Vehlingen (1390: Weylinghen) ist, wie Heelden, noch von der Landwirtschaft geprägt. Im Vehlinger Wald ließ Fürst Leopold zu Salm-Salm 1895 - 1902 eine See- und Gebirgslandschaft nach dem Vorbild des Vierwaldstätter Sees gestalten, die "Anholter Schweiz", heute mit einem Wildgehege verbunden. Nahe der 1965 fertiggestellten Autobahn "Hollandlinie" entstand im Ausbaggerungsgelände das 27 ha große Erholungsgebiet Wolfssee mit 14 ha Wasserfläche.

Werth: Ein Gerhard von Werth erscheint 1260 als Lehensträger des Bischofs von Münster. Peter von der Lecke trug 1311 das Haus "ten Werde" dem Bischof zu Lehen auf und hatte vom Kölner Erzbischof Wertherbruch als Lehen.

Die Herrschaft Werth und Wertherbruch gelangten 1341 an die von Culemborg, 1509 an die von Palant, 1639 an die Grafen von Waldeck und schließlich an die Herzöge von Sachsen-Hildburghausen, die die kleine Herrschaft Werth (ohne Wertherbruch) 1709 an den Bischof von Münster verkauften.

Johann von Culemborg gab 1426 den Orten Werth und Wertherbruch eine Gerichtsordnung und einige Rechte, die für Werth die Grundlage zur Entwicklung einer Minderstadt waren. Er erreichte 1426 auch die Errichtung einer Pfarrei, die aber 1428 nach Einspruch durch den Bocholter Pfarrer wieder aufgehoben wurde. Da sich die Werther dem widersetzten, belegte sie der Papst mit Bann und Interdikt, das Konzil von Basel wies ihre Klage ab. Erst 1447 erhielt der hiesige Kaplan alle pfarramtlichen Befugnisse. Werth trat 1567/68 zum reformierten Bekenntnis über, ab 1719 gelang es dem Bischof von Münster, den kath. Glauben teilweise wieder einzuführen.

Die Bevölkerung nahm bis zum 2. Weltkrieg kaum zu (1818: 532, 1939: 572 Einwohner), verdoppelte sich aber bis 1973 (1188 Einwohner) woran die Gründung des einzigen Industriebetriebes, einer Türenfabrik, 1955 wesentlichen Anteil hatte.

Quelle: DER KREIS BORKEN, Konrad Theiss Verlag Stuttgart

Mit freundlicher Genehmigung der Bezirksregierung Münster