Stadtgeschichte Gronau

 
 

 
 
 

Gronau - Gronau - Im Rahmen der kommunalen Neugliederung wurden die Stadt Gronau und die Gemeinde Epe durch Gesetz mit Wirkung zum 01.01.1975 zusammengeschlossen.

Wappen Gronau

Epe: Das Güterverzeichnis des Grafen Heinrich von Dale führt 1188 im Kirchspiel Epe den Haupthof Suttenrode (seit 1475 Dinkelborg) auf, mit dem ein Drittel des Präsentationsrechts der Kirche verbunden war. Spätestens im 12. Jahrhundert entstand hier eine Pfarrkirche (hl. Agatha) aus dieser Zeit sind noch der Taufstein und das Untergeschoß des Turmes erhalten. Der 1325 genannte Hof zu Epe wurde 1390 vom Grafen von Bentheim an Heinrich von Wüllen verliehen (Haus Wüllen). Im Nordwesten des Kirchspiels lag der 1302 erwähnte Haupthof Welphusen (später Haus Rüenberg, seit 1898 zu Gronau gehörend), dessen Besitzer angeblich das Recht hatten, an dem 1322 für die Geistlichen und Küster von Epe, Nienborg und Heek gestifteten Kalands (kirchliche Bruderschaft zur Pflege der Wohltätigkeit und Sorge für die verstorbenen Mitglieder) teilzunehmen. Ein größerer Teil der Nienborger Burgmannslehen lag in Epe.

Im Spanisch-Niederländischen Krieg wurde Epe 1583, 1588 und 1593 von Bränden betroffen. Die um 1600 erwähnte Ausfuhr von Leinwand nach Groningen scheint im 17. Jahrhundert nachgelassen und um 1700 vom Torfverkauf vor allem nach Enschede abgelöst worden zu sein. Nach Anschluß an die Eisenbahnstrecke Dortmund - Enschede 1875 entstand 1880 eine Weberei als Zweigwerk einer Ochtruper Firma, der 1897 eine Baumwollspinnerei folgte. Ein Brand zerstörte 1882 einen großen Teil des Ortes. Dorf und Kirchspiel Epe wurden 1934 zur Gemeinde Epe vereinigt.

Gronau: Balduin von Steinfurt empfing 1365 vom Bischof von Münster als Lehen das am Hellweg von Münster nach Deventer an einer Brücke über die Dinkel gelegene "hus to Bocholte", baute es zu einer Burg aus, die er 1371 bei der Einsetzung von Burgmännern "ter Gronouwe" nannte. Graf Everwin I. von Bentheim-Steinfurt, an den das Lehen 1421 gekommen war, vereinigte es mit einem Teil der aus dem Solms-ottensteinischen Erbe stammenden Güter seiner zweiten Gattin, Gisberta von Bronckhorst, und schuf so die Grundlage für eine selbständige Herrschaft, die dann meist als Witwensitz diente. Das Schloß und das sich seit dem 15. Jahrhundert innerhalb der Wälle entwickelte Wigbold waren ganz vom münsterischen Kirchspiel Epe eingeschlossen. Die zur Herrschaft gehörenden Höfe lagen teils in den Niederlanden.

Graf Arnold II. von Bentheim-Steinfurt erreichte 1538 die Erhebung der Schloßkapelle zur Pfarrkirche und führte 1544 die Reformation nach Augsburger Bekenntnis ein, das 1588 durch Graf Arnold IV. vom reformierten mit einer Gottesdienstordnung nach niederländischem Vorbild abgelöst wurde. Erst 1832 mußte die niederländische Sprache dem Hochdeutschen weichen.

In einer 1633 in Glane für die niederländischen Katholiken in Enschede und Umgebung errichteten Missionsstation gründeten 1664 aus Almelo vertriebene Tertiarierinnen das neue Kloster "Marienflucht", das 1811 aufgehoben und später bis auf einen Flügel abgebrochen wurde.

Im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts errichteten Gronauer Kaufleute die ersten Manufakturen, die in Werkstätten am Ort oder in Heimarbeit in den umliegenden Bauerschaften Leinen und Halbleinen herstellten. Besondere Bedeutung gewann Anfang des 19. Jahrhunderts die Baumwollspinnerei, hier liefen mit 2900 mehr als die Hälfte aller Baumwollspindeln im ehemaligen Oberstift Münster.

Die Gründung des "Grooten Stooms", eines Zweigwerks der ältesten mechanischen Spinnerei in Enschede, leitete 1844 mit der ersten Dampfmaschine die Industrialisierung ein, die durch den Anschluß an die Bahnlinie Dortmund-Gronau 1875 Aufschwung erhielt. Die bis 1896 meist von Niederländern gegründeten Spinnereien lagen nördlich von Gronau im Kirchspiel Epe und kamen erst durch die Eingemeindung der Bauerschaft Eilermark 1898 zu Gronau, das sich - zur Stadt erhoben - damit von 37 auf 3061 ha und um ca. 4500 auf fast 7000 Einwohner vergrößerte. Zeichen wirtschaftlicher Blüte waren u. a. der Bau des Rathauses (1898), des ev. und des kath. Krankenhauses (1889 und 1901, Neubau 1969), eines Sport- und Kulturzentrums mit Hallenbad, Turnhalle, Volksbibliothek und Museum (1910). Bis zum 2. Weltkrieg stieg die Einwohnerzahl auf fast 20.000, und in Gronau befand sich die größte Spinnerei Europas.

Quelle: DER KREIS BORKEN, Konrad Theiss Verlag Stuttgart

Mit freundlicher Genehmigung der Bezirksregierung Münster