Stadtgeschichte Borken

 
 

 
 
 

Borken - Unter Auflösung der Ämter Gemen - Weseke und Marbeck - Raesfeld wurden die Stadt Gemen und die Gemeinde Borkenwirthe, Gemen-Kirchspiel, Grütlohn, Hoxfeld, Marbeck, Rhedenbrügge, Weseke, und Westenborken zum 01.07 1969 mit der Stadt Borken zur flächengrößte Gemeinde im Kreis Borken zusammengeschlossen.

 

 

Borken wird erstmals im 9./10. Jahrhundert als "Burke" in den Güterverzeichnissen des Klosters Werden genannt. Durch Ausgrabungen nach dem Kriege konnte aber ein Hof der Karolingerzeit auf dem heutigen Marktplatz nachgewiesen werden, der im Schnittpunkt alter Fernwege und in der Nähe einer Furt durch die Aa lag. Die Urpfarrei Borken (hl. Remigius) ist sehr wahrscheinlich vor der Missionierung durch Liudger auf Königsgut um 780/790 entstanden und hatte einen Umfang von etwa 500 qkm, nach Abtrennung von Lembeck im 9. Jahrhundert bis in das 12. Jahrhundert etwa 300 qkm.

Bischof Dietrich III. von Münster verlieh Borken wohl um 1224/25 die Stadtrechte. Die Stadt erhielt 1249 und 1297 zwei viertägige Jahrmärkte. Der erste wurde zu den Festtagen der heiligen Michael und Remigius, der zweite zum Fest des hl. Georg abgehalten erst 1594 folgten der Sakramentimarkt und 1798 zwei weitere Jahrmärkte. Für die Wollweber- und Tuchmachergilde wurde 1346 eine Satzung erlassen. Borken stand unter den landtagsfähigen Städten des Braemquartiers, die an der Borkener Hegge tagten, an 3. Stelle und beteiligte sich 1370 an der Landesvereinigung.

Der bischöfliche Richter verlor Anfang des 14. Jahrhunderts seine führende Stellung in der Stadt an die beiden Bürgermeister. Die Bürger - in 4 Kluchten (Stadtviertel) aufgeteilt - wählten über Wahlmänner die Schöffen. Durch die sogenannte "Cyriakusschlacht", in der die Borkener 1323 bei Lette ein geldrisches Heer überfielen, stieg die Stadt in der Gunst des Bischofs und erreichte dadurch manchen Vorteil. Der im 14. Jahrhundert abgeschlossene Mauerring bildete bis ins 19. Jahrhundert den Umfang der Stadt.

Im 14. und 15. Jahrhundert ließen sich viele Borkener in den Ostseeländern, insbesondere in Lübeck, nieder. Die Stadt trat aber erst im 16. Jahrhundert der Hanse als Schutzgenossin bei. Die seit Anfang des 15 Jahrhunderts bestehende Lateinschule hatte unter Meister Gert ten Gildehus (1500 - 1540) einen hohen Rang.

Seit der Einführung der Reformation in Gemen 1561 fand der neue Glaube auch in Borken Anhänger so predigte der Gemener Pfarrer 1580 hier öffentlich, und im Rat wurde 1584 die Abschaffung der katholischen Religion gefordert. Die Stadt weigerte sich 1623 - ohne Erfolg - die Truppen der katholischen Liga aufzunehmen, was sie vorübergehend den Verlust ihrer Rechte kostete und die Ausweisung der letzten ev. Familien brachte. Die 1629 zur Rückführung zum kath. Glauben angesiedelten Kapuziner mußten zwar von 1633 bis 1650 der hessischen Besatzung unter Landgraf Wilhelm weichen, übernahmen aber 1658 vom Deutschen Orden die Gebäude der Kommende im Tausch gegen ein Bürgerhaus. Unter Fürstbischof Christoph Bernhard bis zum Siebenjährigen Krieg war Borken Garnisonstadt und von 1817 bis 1873 Sitz des Stabes eines Landwehrbataillons.

Im neugegründeten Fürstentum Salm war Borken 1803 für kurze Zeit Hauptstadt, 1816 wurde es preußische Kreisstadt. Die in Borken schon stark vertretene Leinenweberei erlebte um 1840 ihre letzte Blüte, der Borkener Markt war ein bedeutender Umschlagplatz für Leinen aus dem ganzen Münsterland. Doch ließen Produktion und Handel bald sehr nach. Die erste mechanische Weberei entstand um 1870/75. Trotz Ansiedlung weiterer Werke hatte Borken keine so bedeutende industrielle Entwicklung wie Bocholt oder Gronau. Die Stadt blieb Mittelpunkt einer ländlichen Umgebung und Verwaltungszentrum. Im März 1945 wurde die Stadt zu beinahe 80% zerstört.

Borkenwirthe: In Burlo erbaute 1220 der Priester Siegfried eine Kapelle (Oratorium), die 1242 mit Pfarrechten ausgestattet und nach seinem Weggang 1245 dem Wilhelmitenorden (Wilhelm von Malavalle) überlassen wurde, der hier das Priorat Mariengarden einrichtete. Seit der Gründung des Tochterklosters Klein-Burlo im Kirchspiel Darfeld 1361 wurde das Mutterkloster Groß-Burlo genannt. Nachdem die Ordensregeln nicht mehr eingehalten wurden und eine notwendige Reform scheiterte, wurden 1446 die Zisterzienserregel in beiden Klöstern eingeführt und sie dem Abt von Kamp unterstellt. In den Jahren 1585 bis 1589 wurde Burlo geplündert, das Kloster zerfiel, die letzten Mönche wohnten seit etwa 1600 bis 1615 in Borken, und der Prior konnte erst 1620 die ihm vom Bischof entzogene Verwaltung übernehmen. In der "Burloer Konvention" wurde hier 1765 die Grenze zwischen dem Fürstbistum Münster und den Niederlanden festgelegt. Im 18. Jahrhundert erreichte das Kloster seinen höchsten Vermögensstand, 1803 kam es an das Fürstentum Salm und wurde aufgehoben.

Gemen: Kaiser Heinrich II. bestätigte 1017, daß Königin Mathilde, die Frau König Heinrichs I. und Nachkommin Herzog Widukinds (gest. 968), dem Kloster Nordhausen einen Hof zu "Gamini" geschenkt hatte. Die um 1100 erstmals erwähnten Edelherren von Gemen waren Vögte des Stifts Vreden. Heinrich III. rundete durch Ankauf vieler Höfe sein Territorium ab, erzwang 1373 von Wennemar von Heiden die Abtretung des verpfändeten Gogerichts zum Homborn, wurde 1380 Amtmann des Bischofs auf dem Braem, erwarb pfandweise 1380 Oeding und 1388 das Amt Bredevoort und erbaute 1411 die Burg unter modernen Gesichtspunkten aus. Johann II. erhielt 1446 das kurkölsche Vest Recklinghausen als Pfand.

Durch Heirat kam Gemen mit dem Vest 1492 an die Grafen von Holstein-Schaumburg und fiel 1640 nach deren Aussterben im Mannesstamm (1635/40) an die Grafen von Limburg-Styrum. Ein seit 1534 dauernder Streit mit dem Bischof von Münster wegen der Landeshoheit wurde erst 1694 zu ihren Gunsten vom Reichskammergericht entschieden, und Münster erkannte 1700 die Reichsunmittelbarkeit für Burg, Flecken und 2 Bauerschaften an. Reichsfreiherr Aloys von Boineburg-Bömelberg zu Erolzheim (Kr. Biberach) erbte 1800 die Herrschaft, die an die Fürsten von Salm-Kryburg, 1810 an Frankreich und 1815 als Standesherrschaft an Preußen kam. Der Freiherr verkaufte die entlegene Standesherrschaft mit Raesfeld 1822 an den Reichsfreiherrn Ignaz von Landsberg-Velen, der als Standesherr von Gemen 1840 in den preußischen Grafenstand erhoben wurde. Der Bischof von Münster pachtete 1946 die Burg, um dort eine Jugendbildungs- und -begegnungsstätte einzurichten, die heute als "Jugendburg Gemen" und als Tagungsort des "Gemener Kongreß" große Beachtung findet.

Aus der im Westen der Burg gelegenen, 1373 erstmals erwähnten "Freiheit" entwickelte sich Gemen, das seit dem 19. Jahrhundert Titularstadt war. An die in der "Oberen Freiheit" wohl schon Mitte des 14 Jahrhunderts stehende Kapelle berief Graf Jobst II. 1561 einen lutherischen Prediger, Gemen wurde evangelisch. Seit die Grafen von Limburg-Styrum Mitte des 17. Jahrhunderts versuchten, den kath. Glauben wieder einzuführen, bestanden bis 1817 in Gemen 3 Konfessionen nebeneinander.

Gemen-Kirchspiel bestand als Gemeinde aus den Bauerschaften Gemenwirthe und Gemenkrückling. Bei der Grenzziehung von 1700 wurde die Bauerschaft Wirthe in Gemenwirthe und Borkenwirthe getrennt. Im Volksmund sagt man noch heute "binnen Wirthe" und "buten Wirthe".

Grütlohn: Hier befindet sich das als Landhaus des Historikers Jodokus Nünning (1675 - 1743) bekannte Haus Wiekinghoff.

Hoxfeld: Haus Pröbsting - ursprünglich Probsteigut des Stifts Vreden - wurde 1345 als Steinhaus erbaut und war Sitz einer Nebenlinie der Herren von Gemen, seit 1545 derer von Wylich und ihre Erben und von 1816 bis 1848 des ersten Borkener Landrats (von) Basse. Seine Urenkelin, Ilse von Stach, wählte Pröbsting als Schauplatz ihres Schlüsselromans "Haus Elderfing" (1915).

Marbeck, erstmals in den Güterverzeichnissen der Abtei Werden im 9./10. Jahrhundert als "Marckapu" erwähnt, besitzt 2 alte Herrensitze. Haus Döring, wohl am 12. Jahrhundert aus einem kreisrunden, künstlichen und von doppeltem Wassergraben geschützten Hügel als Steinturm errichtet, bietet noch heute trotz des 1727 erbauten Herrenhauses das Bild einer guterhaltenen Motte (Turmhügelburg). Haus Engelrading, ein Herrenhaus einfachen Zuschnitts, war von Anfang des 14. Jahrhunderts bis 1638 Sitz der Herren von Heiden, dann im Besitz derer von (Landsberg-)Velen.

Rhedebrügge: Eine von der Familie Klein-Thebing gestiftete Kapelle mit eigenem Rektor wurde 1889 geweiht und 1909 zur Pfarrkirche erhoben.

Weseke wird erstmals im 9./10. Jahrhundert als "Uusiki" in den Güterverzeichnissen des Klosters Werden erwähnt. Der Haupthof war 1188 im Besitz des Grafen Heinrich von Dale und kam 1303 an die Herren von Gemen. Eine Kapelle, Filiale von Ramsdorf, ist 1320 bezeugt. 1395 erhielt Weseke eine eigene Pfarrkirche (hl. Ludger), blieb aber bei Einführung der Reformation in Gemen katholisch. Eine 1862 gegründete Holzschuhmacherei stellte 1900 auf die Fertigung mit Maschinen um und beschäftigte im 1. Weltkrieg 180 Mitarbeiter (heute Kinderschuhfabrik), und eine Webschützenfabrik entwickelte sich zum derzeit größten Hersteller in der Welt. 1968 wurde eine Ortskernsanierung begonnen.

1206 erstmals genannt, war wie Borkenwirthe, Grütlohn, Homer, Hoxfeld, Marbeck und Rhedebrügge eine der Bauerschaften im Kirchspiel Borken, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts selbständig wurden.

Quelle: DER KREIS BORKEN, Konrad Theiss Verlag Stuttgart

Mit freundlicher Genehmigung der Bezirksregierung Münster