Stadtgeschichte Bocholt

 
 

 
 
 

Bocholt - Karl der Große schlug 779 bei Buocholt, das trotz manchen Zweifel mit Bocholt identisch sein dürfte, die Sachsen. Die vermutlich von Liudger um 800 gegründete Pfarrei umfaßte ein ausgedehntes Gebiet. Zu ihr gehörte der gesamte westliche Teil des alten Landkreises Borken einschließlich Rhede, Dingden und Brünen

Stadtwappen Bocholt

Bischof Hermann II. von Münster verlieh Bocholt unter Herauslösung aus dem alten Grafschaftsverband 1201 das Weichbildrecht. 1222 erhielt Bocholt das münsterische Stadtrecht.

Anfang 14. Jahrhundert wurde eine zweite Kirche (Liebfrauen) gebaut, und zwei Frauenklöster entstanden, das ?Weiße? und das ?Schwarze Kloster?, ersteres 1557 unter Aufgabe der Franziskanerregel in ein weltliches Stift umgewandelt, letzteres ein später der Dominikanerregel folgendes Beginenhaus. Gegen 1447 gesellte sich ein Schwesternhaus (Marienberg) dazu. Mehrfach sah sich die Stadt in die Kämpfe zwischen den Herzögen von Geldern und von Kleve mit den Bischöfen von Münster hineingezogen stets stand sie auf Bischöflicher Seite.

Erst in der Soester Fehde (1445 - 1449) focht Bocholt mit dem Westfälischem Städtebund gegen den Erzbischof von Köln und seinem Bruder, Bischof Heinrich zu Münster. Als Bocholt sich auf bischöflichem Druck hin von Soest lossagte, setzte es sich einer Belagerung durch den Herzog von Kleve aus. In der darauffolgenden Münsterischen Stiftsfehde gehörte die Stadt zu den wenigen Landstädten, die Bischof Walram von Mörs anhingen dieser ließ sich 1453 in Bocholt von den Stiftsständen huldigen. Nach der Einsetzung Bischof Johanns von Bayern (1457) fand auch dessen Huldigung im darauffolgenden Jahr in Bocholt statt. Um diese Zeit begann die Hauptblüte der Stadt. Besonders das Handwerk, das den Handel weit hinter sich ließ, erlangte große Bedeutung. Berühmt wurde der Goldschmied und Kupferstecher Israhel van Meckenem, der sich nach seinen Wanderjahren 1475 in Bocholt niederließ und 1503 in der Georgskirche begraben wurde.

1536 hielten die Mennoniten unter David Joris in Bocholt ihre Synode ab. In den Folgenden Jahrzehnten setzte sich der Protestantismus durch. Der seit dem Eindringen der Wiedertäuferei aus den Niederlanden bestehende Gegensatz zum Landesherren verschärfte sich. Erst Kurfürst Ferdinand von Bayern gelang es in den 20er Jahren des 17. Jahrhunderts durch Vertreibung zahlreiche protestantischer Bürger das katholische Bekenntnis wiederherzustellen. Zu seiner Festigung ließen sich die Minoriten in Bocholt nieder ihnen wurde die Liebfrauenkirche überlassen. 1785 eröffneten sie ein Gymnasium. Das Kloster wurde 1811 aufgehoben.

Die wirtschaftliche Blüte der Stadt war damals schon vorüber. Schwer lasteten die Folgen des niederländisch-spanischen Krieges auf ihr. Nur mit Mühe hatte sie zwischen 1580 und 1590 die Neutralität durch Ausbau ihrer Befestigungsanlagen wahre können.

Kurz nach Vollendung des Rathausbaus (1618 - 1621) erschien Herzog Christian von Braunschweig und Ernst von Mansfeld vor der Stadt. Als sich Johann Jakob von Bronckhorst, Graf zu Anholt, im Auftrage des Landesherren ebenfalls einfand, um den Schutz der Stadt zu übernehmen, verweigerte Bocholt die Aufnahme der ligistischen Truppen, wurde jedoch 1623 zur Übergabe gezwungen und verlor seine Selbstverwaltung und zugleich die religiöse Freiheit. Erst 1632 erhielt die Stadt einen Teil ihrer Rechte zurück. 1633 besetzte Landgraf Wilhelm von Hessen-Kassel Bocholt, das mit kurzen Unterbrechungen bis nach Ende des 30jährigen Krieges in hessischen Besitz blieb.

Nach dem Verlust von Dorsten 1641 bauten die Hessen Bocholt zum Hauptpunkt ihrer Verbindungslinie vom Rhein ins Münsterland aus 1642 - 1645 entstand so eine der modernsten Festungen jener Zeit mit zahlreichen Bollwerken. Sie beherbergte bis 1650 den hessischen Generalstab. Beim Abzug der fremden Besatzung wurde die Festung demoliert. Erst die Entwicklung der Baumseidenweberei, die in Holland guten Absatz fand, führte die Wirtschaft der Stadt eine neue Blüte zu. Die nach 1730 in der Bauerschaft Liedern angelegte St. Michaelis-Eisenhütte verfrachtete ihre Erzeugnisse hauptsächlich in die Niederlande, bis sie Anfang 19. Jahrhundert den Betrieb einstellte.

1802 ergriffen die Fürsten von Salm-Salm Besitz von Amt und Stadt Bocholt, das seit 1805 Hauptstadt des Fürstentums war. Sie verfügten alsbald die Aufhebung der Frauenklöster. 1810 fiel Bocholt an das Kaiserreich Frankreich, im Gefolge des Wiener Kongresses an Preußen. Ein Bombenangriff legte im März 1945 die Altstadt in Trümmer.

Die heutige Stadt Bocholt wurde bei der Gebietsneuordnung des Landes Nordrhein-Westfalen am 01.01.1975 gebildet durch die Vereinigung des bis dahin existierenden Stadtkreises Bocholt und der ehemaligen Gemeinden des Amtes Liedern-Werth: Barlo, Biemenhorst, Hemden, Holtwick, Liedern, Lowick, Mussum, Spork, Stenern, Suderwick sowie eines Gebietabschnittes der Bauerschaft Lankern in der ehemaligen Gemeinde Dingden (heute Hamminkeln).

Quelle: HANDBUCH DER HISTORISCHEN STäTTEN DEUTSCHLANDS - Nordrhein-Westfalen - Dritter Band 1970, Alfred Kröner Verlag Stuttgart

Mit freundlicher Genehmigung der Bezirksregierung Münster