Stadtgeschichte Ahaus

 
 

 
 
 

Ahaus - Nach Auflösung der Amtes Wüllen kamen zum 1.7.1969 die GemeindeWüllen und Ammeln zur Stadt Ahaus, und mit Wirkung zum 1.1. 1975 erfolgte unter Auflösung des Amtes Wessum der Zusammenschluß mit den Gemeinden Ottensteinund Wessumauf freiwilliger Grundlage sowie mit Alstätte. Gleichzeitig verlor Ahaus die seit 1816 bestehende Funktion als Kreisstadt.

Wappen Ahaus

Ahaus: Mit der Burg und Herrschaft belehnte der Kaiser wohl Anfang des 12 Jh. Bernhard von Diepenheim (Overissel) Lifhard, sein Sohn, nannte sich 1139 erstmals nach Ahaus. Johann I. griff als Anhänger Heinrich des Löwen das Stift Münster an, mußte sich aber nach der Zerstörung seiner Burgen Ahaus und Diepenheim 1177 durch Bischof Hermann II. diesem unterwerfen. Der Enkel Johann II. soll 1241 in der Schlacht bei Liegnitz gegen die Mongolen gefallen sein durch die Heirat seiner Schwester Alheidis kam Ahaus an den Edelherren Otto von Horstmar. Goddert von Rure, der zweite Mann der Erbtochter Johanna von Ahaus (-Horstmar), verkaufte 1406 die Herrschaft an den Bischof von Münster. Seither war Ahaus bis 1803 Sitz des Amtsdrosten des Amtes Ahaus, das bis zur Lippe reichte. Die Burg und - nach dem Abbruch - das 1689 bis 1695 neuerbaute und im 18. Jh. Erweiterte Schloß spielten in Kriegszeiten, als zeitweilige Residenz un als Jagtsitz der Bischöfe von Münster eine nicht unbedeutende Rolle. Christoph Bernhard von Galen und 3 weitere Bischöfe sind hier gestorben. Hier residierte auch der Fürst zu Salm-Kyrburg als Mitinhaber des von 1803 bis 1829 an H. Oldenkott verkauft, der hier eine Tabakfabrik einrichtete.

Der Kreis erwarb 1949 das Schloß zum Wiederaufbau, brachte darin u. A. die Kreisberufsschule (1952) und die Kreisbücherei (1955) unter und veranstaltete seit 1952 die "Ahauser Schloßkonzerte" im Fürstensaal, der bis 1966 auch als Sitzungssaal diente.

Der bei der Burg entstandene Ort hat wohl schon unter Johann III. Um 1300 Stadtrechte und zwischen 1313 und 1333 eine eigene von Wüllen abgetrennte Pfarrkirche (Mariä Himmelfahrt) erhalten. Nach Erweiterung im 15. Jh. behielt die Stadt ihren Umfang bis ins 19. Jh. Von Mitte des 16. Jh. bis ins zur Aufnahme von Truppen der Liga 1623 waren die Einwohner z. T. Anhänger der Reformation, von 1633 bis 1649 war die Stadt von den Hessen besetzt. Im Siebenjährigen Krieg ließen die Preußen 1762 die Befestigung schleifen. Von 1816 bis 1975 war Ahaus Kreisstadt 1856 wurde hier die 1. Kreissparkasse des Regierungsbezirks Münster und 1858 ein Krankenhaus eröffnet.

Am 13.10.1863 vernichtete ein Brand fast die ganze Stadt, die darauf nach neuesten städtebaulichen Erkenntnissen wieder aufgebaut wurde. Die Bombenangriffe im März 1945 forderten 272 Menschenleben und zerstörten die Stadt zu etwa 40%.

Alstätte wird erstmals 1151 als ?Alstede? und 1297 als Pfarrei (hl. Mariä Himmelfahrt) erwähnt. Beim Hof Orthaus richteten 1640 niederländische Geistliche eine Missionsstation ein. In dem durch eine weite Heide- und Vennfläche (heute zum großen Teil kultiviert) von seinen deutschen Nachbarn getrennten Grenzdorf entwickelte sich ein Bewußtsein von Eigenständigkeit, das sich auch im ?Alstättske Platt? ausdrückte. Alstätte erhielt erst 1898 eine Landstraße nach Wessum. Reiche Tonlager boten die Grundlage für die Ziegelwerke. Bei einem Luftangriff am 22.03.1945 wurde das Dorf sehr stark zerstört und 80 Menschen getötet.

Ammeln wird 1176 erstmals genannt. Hier errichtete die Jutefabrik Ahaus 1886 als ihre Arbeitersiedlung die "Kolonie Oldenburg".

Graeswar bis 1975 Teil der Gemeinde Wessum und ist seit 1975 ein Stadtteil von Ahaus. Es war Stammsitz des 1092 erstmals genannten Rittergeschlechts von Graes.

Ottenstein: Der Edelherr Otto von Ahaus erbaute mit Erlaubnis des Bischofs Ludwig II. Im Kirchspiel Vreden eine Burg. Diese, vom Sumpf des Garbrocks umgeben und nur vom Süden her Zugänglich, erhielt den Namen Ottenstein. Sie kam durch Heirat an Grafen Heinrich von Solms-Braunfels. Sein Enkel Heinrich lag in ständiger Fehde mit Bischof Otto IV. Und mußte diesem 1408 nach 22 Monaten Belagerung Ottenstein überlassen, der es als Landesburg ausbaute und mit Burgmännern besetzte.

Der vor der Burg gelegene Wigbold erhielt 1365 eine eigene Pfarrei (hl. Georg) und wurde nach Erweiterungen im 16. Jh. In den Festungsbereich einbezogen.

In der 2. Hälfte des 16. Jh. faßte hier für einige Jahrzehnte die Reformation Fuß. Die Burg - schon um 1700 eine Ruine - wurde im 18. Jh. abgetragen. Seit dem 19. Jh. Wurden die Sumpfgebiete entwässert und nutzbar gemacht, so konnten die Nachteile des hier herrschenden Realerbrechts z. T. aufgefangen werden. Durch die Eingemeindung der Bauernschaft Hörsteloe 1931 wuchs das Gemeindegebiet um mehr als das Doppelte auf 1219 ha.

Wessum: Die Grafen Gottfried und Otto von Cappenberg übergaben ihren Hof in "Weshem" dem eben von ihnen gegründeten Prämonstratenserkloster Cappenberg. Der Ort kam mit der Herrschaft Ahaus 1406 an das Bistum Münster. Die 1188 erstmals erwähnte Kirche (1571: hl. Maria, später hl. Martin) wurde vermutlich schon unter Bischof Liudger gegründet.

Wüllen wurde erstmals als Pfarrei (hl. Andreas) 1188 erwähnt. Fundamente einer larolingischen Kirche - wohl des 19. Jh. - wurden 1979 ausgegraben. In der Bauernschaft Ortwick lag am Deventer Hellweg die Gerichtsstätte des Gogerichts "ton Stenernen Crüce", das seit 1470 das heutige Stadtgebiet umfaßte und 1815 aufgehoben wurde. Eine Nachbildung des wohl aus dem 12. Jh. stammenden Kreuzes wurde 1909 aufgestellt und 1979 versetzt. An den Tod des Grafen Heinrich von Solms-Ottenstein im Barler Feld 1353 erinnert der 1912 wiedererrichtete Rest des Kreuzes.

Quelle: DER KREIS BORKEN, Konrad Theiss Verlag Stuttgart

Mit freundlicher Genehmigung der Bezirksregierung Münster