Ibbenbüren: Die Christuskirche

 
 

 
 
 

Die Christuskirche in Ibbenbüren, eine spätgotische dreischiffige Hallenkirche, bildet heute wie vor Jahrhunderten den Kern der Stadt Ibbenbüren. Sie ist von einer großzügigen Platzanlage umgeben. Das Kirchengebäude bietet sich heute dem Betrachter in drei verschiedene Bauphasen dar.

Die ältesten Teile sind die beiden Untergeschosse des Turmes, die Ende des 12. Jh. erbaut wurden, die jüngsten, seine neuromanischen Obergeschosse.1521 wurde der Vorgängerbau der Christuskirche, ein altes romanisches Gotteshaus, abgerissen, da es baufällig geworden war. An seiner Stelle entstand die noch heute ohne wesentliche Veränderungen erhaltene spätgotische Hallenkirche, die sich dreischiffig über eine Länge von drei Jochen erstreckt. Sie wurde 1523 – 1535 erbaut. Das Jahr der Grundsteinlegung ist uns durch eine Inschriftentafel, die sich an einem Strebepfeiler der Südseite neben dem Portal befindet, bekannt.

Auf einer annähernd quadratischen Grundfläche erhebt sich der mächtige Westturm zu einer Höhe von 52 Metern. Umlaufendes Gesims gliedert ihn in vier Stockwerke. Die beiden unteren Geschosse aus dem Ende des 12. Jh., die sich über einer profilierten Sockelzone erheben, sind die ältesten Teile der Kirche. Die oberen Stockwerke, die 1846, ebenso wie Teile des Ost- und Westgiebels, ein Raub der Flammen wurden, sind in neuromanischem Stile wieder aufgeführt worden. Dieser Erneuerung verdankt der Turm seinen oberen Abschluss mit Galerie und Ecktürmchen.

Stilistisch folgt das untere Geschoss des Turmes in seinem Aufbau mit Lisenen und Rundbogenfries dem Westwerk des St.-Paulus-Doms in Münster, welches unter Bischof Hermann II. (1174 bis 1203) erbaut wurde. In seiner mächtigen Gestalt ist der Turm in Ibbenbüren dem der Marktkirche St. Marien in Osnabrück ähnlich, der an seiner Nord- und Südseite mit Blendarkaden geschmückt ist und in seiner Größe der Repräsentation des Bürgertums der Stadt Osnabrück diente. Der Turm der Christuskirche mit seiner wuchtigen Masse – der Marktkirche in Osnabrück vergleichbar – konnte nur von einer bedeutenden christlichen Pfarrei gestellt werden, so dass eine frühe (karolingische) Kirchengründung in Ibbenbüren angenommen werden muss.

An den rechten Strebepfeiler neben dem Südportal, direkt unter dem umlaufenden Gesims, sehen wir eine Sonnenuhr und darunter einen heute schon stark angegriffenen Inschriftenstein. Die schwer zu entziffernde lateinische Bauinschrift lautet: „Anno Domini MCCCCCXXIII Johannes c(apellanus) natus de Brumley vice(curatus) templi huius hic primi lapidis lokator et ymi quo vero defuncto petere rogat eo“ Zu deutsch: „Im Jahres des Herrn 1523 hat Johannes, der Hilfspriester, aus Brumeleve stammend, als Verwalter der Pfarrstelle hier den ersten und untersten Stein dieser Kirche gesetzt. Er bittet, nach seinem Tode, an dieser Stelle (für ihn) zu beten.Durch diese Grundsteinlegungsinschrift erfahren wir, dass der Neubau 1523 begonnen wurde. Johannes von Brumeleve war der ständige Vertreter des Kirchherrn Johannes von Grest(en), der sein Amt in Ibbenbüren aufgrund seiner Pflichten in Herford nicht wahrnehmen konnte.

Die Grundsteinlegung wird in seinem Auftrag erfolgt sein.Ein Kleinod der Kirche ist der im nördlichen Seitenschiff aufgestellte Sarkophagdeckel, der 1955 bei Ausschachtungsarbeiten für einen Heizungskeller gefunden wurde. Der trapezförmige Stein hat einen graugelblichen Farbton und stammt wahrscheinlich aus den Steinbrüchen von Bentheim-Gildehaus. Seine Verzierung ist rein ornamental: Ein in einem Kreis eingezeichnetes Kreuz steht auf einem Stab, dessen Ständerfüße mit der gegengleichen Form von unten kommend wiederum ein Kreuz bilden, welches mit einer kreuzblattförmigen Blüte geschmückt ist. Der Stein ist mit einer Länge von 100 cm ungewöhnlich klein. Der Sarkophag war offenbar für ein Kind bestimmt, was in der damaligen Zeit hieß, dass diesem eine besondere Bedeutung zugekommen sein muss. Aufgrund des verwendeten Sandsteins und der rein geometrischen Verzierung dürfte der Sarkophagdeckel um 1200 entstanden sein.


Auszug aus:
Westfälische Kunststätten, Heft 66: Die evangelische Christuskirche in Ibbenbüren. Herausgeber: Westfälischer Heimatbund, Kaiser-Wilhelm-Ring 3, 48145 Münster.

 
 

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Christuskirche
Kanalstraße 11
49477 Ibbenbüren
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