Stadtgeschichte Hörstel

 
 

 
 
 

Hörstel - Die Stadt Hörstel ist in ihrer heutigen Ausdehnung am 1. Januar 1975 aus der ehemaligen Stadt Bevergern und den früheren Gemeinden Dreierwalde, Hörstel und Riesenbeck entstanden, die bis dahin bereits im Amt Riesenbeck zusammengeschlossen waren. Hinzu kamen 3,3 qkm der ehemaligen Gemeinden Elte und Rheine rechts der Ems.

Von den ehemaligen vier selbstständigen Gemeinden der heutigen Stadt ist Riesenbeck die älteste. Zum im Jahr 1074 erstmals genannten Kirchspiel Riesenbeck gehörten zunächst ebenfalls Bevergern und Hörstel. Dabei ist Bevergern eine Gründung der Grafen von Tecklenburg, die in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts hier ihre Grenze gegenüber dem Bischof von Münster mit einer Festung sichern wollten. Nach dem Bau einer Burg erhielt die angeschlossene Siedlung 1366 die Stadtrechte.

Es dauerte aber noch über 100 Jahre, bis Bevergern eine selbstständige Pfarrei wurde und damit von Riesenbeck gelöst war. Die Funktion als Grenzfeste, aber auch die als Sitz der Amtsverwaltung gaben Bevergern eine gewisse Bedeutung, bis 1680 der Amtssitz nach Rheine verlegt und die Burg geschleift wurde. Hörstel, 1234 erstmalig urkundlich erwähnt, war bis ins 19. Jahrhundert Teil des Kirchspiels Riesenbeck.

Auch politisch gehörte Hörstel bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zur Gemeinde Riesenbeck. Mit Wirkung vom 1.4.1900 wurde die Bauernschaft Hörstel eine selbstständige Gemeinde, die mit der Gemeinde Riesenbeck zusammen das Amt Riesenbeck bildete Dreierwalde gehörte ursprünglich zum nördlich gelegenen Kirchspiel Plantlünne und wurde erst im 16. Jahrhundert eine selbständige Pfarrei.

Maßgeblich für die Verselbständigung der Bauernschaft Hörstel war die Entwicklung der gewerblichen Wirtschaft und die damit verbundene Erhöhung der Bevölkerungszahl und Zunahme der Wohnbebauung. Entscheidend beeinflußte diese Entwicklung sicherlich die 1856 eröffnete Eisenbahnlinie von Osnabrück über Ibbenbüren nach Rheine mit einem Bahnhof in der Bauernschaft Hörstel.

1899 verbesserte dann der Dortmund-Ems-Kanal erneut die überregionale Verkehrsanbindung der Gemeinde. 1916 konnte der Mittellandkanal in Betrieb genommen werden, der bei Bergeshövede in Riesenbeck vom Dortmund-Ems-Kanal abzweigt. 1987 wurde im Ortsteil Hörstel ein neues Teilstück dieses Kanals dem Verkehr übergeben, das nicht nur in Breite, Tiefe und Kurvenradien den Anforderungen des Europaschiffs genügt, sondern auch die Kanalstrecke leicht verkürzt. Heute aber ist es die Autobahn A 30 von Bad Oeynhausen (und damit von Berlin - Hannover) über Osnabrück nach Rheine und die Niederlande, die die überregionale Anbindung der Stadt verstärkt.

Wenn Bevergern auch seit dem Mittelalter Stadtrechte besaß, so ist es doch immer eine Ackerbürgerstadt geblieben. In allen vier heutigen Stadtteilen bestimmte die Landwirtschaft lande Zeit das Wirtschaftsbild. Nur in Hörstel hatte sich schon früh Gewerbe angesiedelt. Vom Ende des 16. bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts wurde über 150 Jahre lang am Huckberg Salz gewonnen, das man bis ins Rheinland verkaufte. Bedeutender und vor allem mit Auswirkungen bis in die heutige Zeit war die Gründung einer Eisenhütte 1806 bei Gravenhorst in Hörstel. Eisenerz aus dem Ibbenbürender Raum und der Hopstener Aa sowie Steinkohle aus dem benachbarten Dickenberg waren die Rohstoffquellen. Schon 1810 waren hier über 150 Menschen beschäftigt. Die Eisenhütte wurde durch eine Eisengießerei ergänzt, die eine Vielzahl von Kleineisenteile produzierte.

In Bevergern hatte sich seit 1748, verstärkt aber erst seit 1861 eine Intensivlandwirtschaft entwickelt. Für die Produktion und Vermarktung von Gemüse- und Blumensamen entstanden bis 1921 insgesamt 18 Gartenbaubetriebe. Während Bevergern noch in den 1960er Jahren als Stadt des Gemüse- und Blumensamens bezeichnet wurde, ist dieser Produktionszweig heute weitgehend aufgegeben. Riesenbeck besitzt u.a. eine bodenständige, 1888 als "Westfälische Stahl-Pflug-Fabrik" gegründete Firma für Landmaschinen, die in der Gemeinde die gewerbliche Komponente wesentlich bestimmt. 1926 wurde die Firma durch die Übernahme der Gravenhorster Eisengießerei erweitert und verstärkt. Schon bei der Gründung der Firma war sicher die Nähe zur Hütte Gravenhorst von Bedeutung.

Auch in Dreierwalde ist eine eisenschaffende Industrie vorhanden: eine Maschinenfabrik und Eisengießerei sowie ein Preß- und Stanzwerk. Beide mittelständischen Firmen entwickelten sich etwa ab der Jahrhundertwende und haben run 150 Beschäftigte. Zusätzliche gewerbliche Arbeitsplätze bietet ein Transport- und Autokranunternehmen und seit 1989 eine Kunststoffabrik, die von Bevergern nach Dreierwalde verlagert wurde. Größter Arbeitgeber aber ist die Bundeswehr, die auf ihren Flugplatz rund 420 Vollarbeitsplätze (1993) mit Zivilbeschäftigten besetzt hat.

Quelle: 1994 Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Schriftreihe "Städte und Gemeinden in Westfalen", Band 1: Der Kreis Steinfurt (D. Stonjek - Stadt Hörstel)

Mit freundlicher Genehmigung der Bezirksregierung Münster