Zu Besuch bei Brictius, Mariä und Gertrudis

 
 

 
 
 

Künstlerdorf, höchster Berg im Kreis Borken, Wallfahrtsort: Diese Begriffe verbinden sich sofort mit... na? Richtig, mit Schöppingen. Diese 7800-Einwohner-Gemeinde mit ihrem Ortsteil Eggerode ist der Ausgangspunkt für diesen Wander-Tipp. Ziel ist nach zwölf Kilometern die Stadt Horstmar.

Feld
Durch Felder, Wälder und kleine Ortschaften führt uns diese Wanderung. Foto: Timo Meusel

Wir wandern auf den Hauptwanderwegen X 12 und X 11 des Westfälischen Heimatbundes. Zurück geht es ganz bequem per Linienbus.

Start an St. Brictius

Pfarrkirche St. Brictius
Die Pfarrkirche St. Brictius ist der Ausgangspunkt für unsere Wanderung.

Der Einstieg in die Tageswanderung ist schnell gefunden. Und zwar nahe der Pfarrkirche St. Brictius im Ortskern. Dort führt der Wanderweg X 12 vorbei. Vorab blicken wir in die Kirche, denn die ist nicht ohne Reiz. Die Vorgängerkirche wurde 838 erstmals erwähnt. Um 1100 baute man die Kirche neu. Aus dieser Zeit steht noch der mächtige Turm, der um 1230 um ein Glockengeschoss aufgestockt wurde und seine heutige Form mit zwei Treppengiebeln erhielt.

Zur 1150-Jahrfeier im Jahr 1988 wurden Inneres und Äußeres der Kirche restauriert. Einen imposanten Eindruck macht die Kirchenorgel. Sie wurde 1981 bis 1983 von Paul und Dieter Ott aus Göttingen erbaut. Für Freunde des gehobenen Orgelklangs: Sie hat 41 Register auf Hauptwerk, Rückpositiv, Schwellwerk und Pedal und eine rein mechanische Traktur. Wer tiefer in die Materie einsteigen will – die Gemeinde hat einen eigenen umfangreichen Internet-Auftritt: www.brictius.de.

Durch Schöppingen

Altes Rathaus in Schöppingen
Das Alte Rathaus in Schöppingen ist ein echtes Schmuckstück

Auffallend ist auch das Alte Rathaus in Schöppingen. Es wurde 1583, genauso, wie es heute zu sehen ist, zweigeschossig mit Satteldach und Staffelgiebeln gebaut. Der Beweis für das Baujahr ist schnell erbracht. Und zwar in dem in steingehauenen Wappen oberhalb der Eingangstür, das mit der Jahreszahl versehen ist. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war der Renaissance-Bau wirklich ein Rathaus. Nach 1900 wurde es dann anders genutzt, so als Schule, als Feuerwehrgerätehaus, Polizeistation oder schlicht als Lager. 1976 rückten die Handwerker zur Renovierung an und putzten es zu dem Schmuckstück heraus wie es sich heute zeigt.

Natürlich müssen wir an dieser Stelle auch noch einige Tönchen über das „Schöppinger Synonym“, das Künstlerdorf, verlieren. Das ist eine international bedeutende Stipendiatenstätte für Literatur und bildende Kunst und ist auf zwei denkmalgeschützten Bauernhöfen an der Feuerstiege zu finden. Das Künstlerdorf speist sich aus einer Stiftung. An der wiederum sind der Kreis Borken, die Gemeinde Schöppingen, ein eigener Förderverein und vor allem das Land und die NRW-Stiftung Natur, Heimat, Kultur beteiligt. Rund 30 Literaten und Bildende Künstler leben und arbeiten dort. Das wollen sie intensiv und vor allem in ruhiger Atmosphäre tun. Darauf nehmen wir Wanderer, die ja auch in ruhiger Atmosphäre wandern wollen, natürlich Rücksicht. Also: Besichtigungen sind nur nach telefonischer Absprache möglich. Auch hier hilft das Internet: www.stiftung-kuenstlerdorf.de.

Wir verlassen auf dem X 12 den Ortskern nach Süden über die Bergstraße, die Hauptstraße, Rosenweg und Mühlenstiege, überqueren die Landstraße 579 und kommen in die ruhigere Landschaft. Wir gehen ein Stück entlang der Kreisstraße 64, genießen den Blick auf die rechts liegende Kläranlage und biegen alsbald von der Kreisstraße nach rechts ab und überqueren die Vechte. Bald gesellt sich von rechts der Wanderweg X 5 hinzu, der bis zum Wallfahrtsort Eggerode auf einer Länge von 1,7 Kilometer den X 12 begleitet.

Gnadenkapelle und Wallfahrtskirche

Gnadenkapelle in Schöppingen
Die Gnadenkapelle in Schöppingen steht Besuchern offen.

Das beschauliche Eggerode: Ein Ortsteil von Schöppingen, bis 1969 selbstständig. Und das mit weniger als 800 Seelen. Respekt. Wir spüren förmlich die Ruhe, die Eggerode ausstrahlt. Obwohl Wallfahrtsort, gibt es keinen Trubel. Dabei kommen doch immerhin Jahr für Jahr zwischen 60.000 und 80.000 angemeldete Pilger in den Ort.

Seit etwa 1300 wird nach Eggerode gepilgert. Das erste Dokument, das die Wallfahrt bezeugt, ist ein Ablassbrief von Papst Benedikt XII. aus dem Jahr 1338. Die Pilger kommen vor allem aus dem Münsterland, dem Ruhrgebiet, dem Emsland und den angrenzenden Niederlanden. Eggerode gehört neben Vinnenberg zu den ältesten Marienwallfahrtsorten im Bistum Münster.

Gepilgert wird nach Eggerode, um das Gnadenbild „Unsere Liebe Frau vom Himmelreich“ zu verehren. Das Gnadenbild wird dem 11. Jahrhundert zugerechnet und ist in seinen ältesten Teilen aus Zedernholz. Im Lauf der Jahrhunderte wurde es oft überarbeitet und mit Teilen aus Lindenholz ergänzt. Die 70 cm hohe Holzplastik stellt Maria als Königin auf dem Thron sitzend dar. Jesus sitzt auf ihrem Schoß, in der rechten Hand ein Zepter. Maria und Jesus tragen Kronen. Eine Silberkapsel im Kopf des Gnadenbildes enthält Stoffstücke eines Marienkleides und ein Fingerglied.

Gnadenkapelle und Wallfahrtskirche stehen dem Besucher offen. Die Pfarrkirche St. Mariä Geburt wurde im 12. Jahrhundert erbaut. Das älteste erhalten gebliebene Ausstattungsstück ist das romanische Taufbecken aus dem 13. Jahrhundert mit einem prächtigen Laubfries. Eggerode wartet mit noch weiteren Sehenswürdigkeiten auf: ein Freialtar, ein Dorfbrunnen aus dem 16. Jahrhundert, ein Kreuzweg von 1863. Ach ja: Einkehrmöglichkeiten mit Erfrischungen aller Art gibt es reichlich.

Mit dem X 12 verlassen wir Eggerode in südlicher Richtung. Nach etwa eineinhalb Kilometer kommt von rechts der X 11 hinzu. Der wird uns nun bis zum Ziel an die Hand nehmen. Wir sind bei Haus Burlo, ein ehemaliges Kloster. Der Wanderweg führt uns auf einem herrlichen „Pättken“ durch das Waldgebiet. Mitten in diesem Waldgebiet biegt der X 11 links ab. Wir auch.

Vorbei am Torhaus Rockel

Torhaus Rockel
Während der Wanderung auf dem X11 kommen wir auch am renovierten Torhaus Rockel vorbei.

Es mögen keine zwei Kilometer sein und wir stehen vor dem renovierten Torhaus Rockel, die einstige Volckenburg (benannt nach der Besitzerfamilie bis zum 18. Jahrhundert von Valcke).Nach etwa einem Kilometer zweigt der X 5 nach links ab, wir indes bleiben auf dem X 11. Noch etwa zwei Kilometer trennen uns vom Ziel Horstmar.

Die wollen wir jetzt „hurtigen Schenkels“ bewältigen, denn Horstmar können wir nicht so ohne Weiteres verlassen. Dafür hat die „Stadt der Burgmannshöfe“, wie sie sich selbst gerne nennt, einfach zu viel zu bieten. Der fast quadratische historische Ortskern der 6600-Einwohner-Stadt war in der Tat früher von acht Burgmannshöfen umgeben, erhalten sind fünf.

Weiter zu Haus Alst

Haus Alst
Haus Alst ist ein ehemaliger münsterländischer Burgmannshof in der Bauerschaft Alst bei Horstmar im Kreis Steinfurt. Foto: Heribert Schwarthoff

Im Norden der Stadt findet sich das Haus Alst. Haus Alst ist der einzige Burgplatz in Horstmar, der noch heute voll bewohnt wird.

1624 errichtet, glänzt das Gebäude noch immer in seiner ganzen Schönheit mit der Specklagentechnik der niederländischen Renaissance. Der stete Wechsel von rotem Ziegelstein und gelblichem Sandstein sticht ins Auge. Gucken von außen ist erlaubt, das Betreten ansonsten eher unerwünscht.

Gotteshäuser sind es meistens wert, beachtet und betrachtet zu werden. Bei der katholischen Pfarrkirche St. Gertrudis ist das nicht anders. Die Kirche ist eine typische gotische Hallenkirche. Erbaut wurde sie in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Der spitze Turmhelm und die Innenausstattung kamen im 19. Jahrhundert hinzu.

In Horstmar

Altes Rathaus in Horstmar
Das Alte Rathaus in Horstmar erwartet uns am Ende unserer Wanderung.

Und wenn wir gerade dabei sind, Horstmar zu erobern, blicken wir auf das Rathaus in unmittelbarer Nähe. Markant sieht es aus, das Gebäude. Sein Aussehen bekam es 1571, als auf den Vorgängerbau einfach ein Stockwerk aus Ziegelfachwerk aufgesetzt wurde. 1912 wurde es für eine funktionierende Behörde hergerichtet. Bis 1963 war dort die Stadtverwaltung beheimatet. Dann wurde das Rathaus zunächst außen, später innen in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Das hat sich aber deutlich hingezogen. Erst 1976 waren die Renovierungen endgültig beendet. Heute wird im Alten Rathaus deutlich „ja“ gesagt – im Trauzimmer. Und es wird auch deutlich „nein“ gesagt – im Sitzungssaal.

Wir suchen uns die „Haltestelle Altes Rathaus“, ab die uns der Linienbus zurück nach Schöppingen bringt. Unsere Wanderung ist zu Ende. Hat Ihnen der Wander-Tipp gefallen, empfehlen Sie ihn weiter. Wenn nicht, sagen Sie es uns.

 
 

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Startpunkt

St. Brictius
Kirchplatz 7
48624 Schöppingen
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Weitere Informationen

Westfälischer Heimatbund
Kaiser-Wilhelm-Ring 3
48145 Münster
Tel.: 0251 20381015
 

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