Von Tecklenburg nach Lengerich

 
 

 
 
 

Mit diesem Wander-Tipp begeben uns an den Fuß des Teutoburger Waldes zwischen Tecklenburg und Lengerich. Wir wandern auf einem 4,6 Kilometer langen Rundwanderweg, auf dem wir etliche interessante Stationen ansteuern.

Die Kapelle bei Haus Marck liegt direkt auf unserem Weg. Foto: Stefan Herringslack
Die Kapelle bei Haus Marck liegt direkt auf unserem Weg. Foto: Stefan Herringslack

Wir orientieren uns diesmal nicht an unserem berühmten X, sondern an einer 2 auf rotem Grund. Und das hat seinen Grund: Dieser Wanderweg wird von der „Arbeitsgemeinschaft Naturschutz Tecklenburger Land“, kurz ANTL gepflegt und als Kultur- und Erlebnispfad vor allem für den Herbst empfohlen. Am Ende dieses Textes finden Sie eine Wanderkarte. Bitte nehmen Sie diese und die Wegbeschreibung mit auf den Weg. Zum einen, weil gleich einige höchstinteressante Punkte beschrieben werden, zum anderen, da die Wegemarkierung nicht an allen Stellen vorhanden ist.

Empfohlener Ausgangspunkt: der Parkplatz der „Akademie Talaue – Gasthof Prigge“, Brochterbecker Straße 60 in der Lengericher Bauerschaft Wechte (www.gasthof-prigge.de mit Anfahrtsskizze). Der denkmalgeschützte Gasthof Prigge ist ein Drei-Sterne-Hotel und hat dem Genießer so einiges zu bieten, was wir nach der Wanderung gerne ausprobieren werden.

Vom Parkplatz gehen wir links Über die Brochterbecker Straße um das Gasthaus herum und biegen alsbald nach links in den „Filler Klee“ ein. Wir Überqueren die Landstraße 591 und gehen direkt auf den Wald zu. Jetzt sind wir schon auf Tecklenburger Gebiet. Im Wald gabelt sich der Weg und wir gehen links. Gehen wir weiter, sehen wir auf den Anhöhen ein Äußerst geheimnisvolles Gebäude, in der Karte als Station 2 eingezeichnet. Wir sehen die Kapelle von Haus Marck. Und wenn sie im novemberlichen Nebel vor uns auftaucht, spüren wir einen leichten Schauer auf dem Rücken. Es ist eine Familiengrabstätte, um die sich auch Legenden ranken. Kein Wunder.

Nahe der Kapelle liegt das Naturschutzzentrum der ANTL und der Biologischen Station. Foto: Stefan Herringslack
Nahe der Kapelle liegt das Naturschutzzentrum der ANTL und der Biologischen Station. Foto: Stefan Herringslack

Kurz hinter der Kapelle geht es etwas steil bergab, wir sehen den Mühlenteich, an dem wir entlang gehen und kommen zur alten Sägemühle (Station 3). Früher herrschte dort reges Treiben. Die zur Mühle gehörige Schankwirtschaft war ein beliebtes Ausflugsziel. Genauso wie der Mühlenteich, der 1905 zur Badeanstalt gekürt wurde. Auch heute ist an der Sägemühle Trubel. Die hervorragend restaurierten und denkmalgeschützten Wohn- und Wirtschaftsgebäude werden als Öffentliches Naturschutzzentrum der ANTL (www.antl-ev.de) genutzt, nebenan hat die Biologische Station des Kreises Steinfurt (www.biologische-stationsteinfurt.de) ihr Domizil.

Es lohnt ein Blick hinter das Wirtschaftsgebäude. Dort ist vor kurzem erst das neue Mühlrad angebaut worden. Das alte steht im Garten zum Anfassen. Viele Schulklassen und die verschiedenen ANTL-Jugendgruppen beleben die Sägemühle, es gibt Veranstaltungen, Seminare, Vorträge. Und freitags hat der Laden mit seinen Bio-Produkten geöffnet. Wir gehen weiter zur Straße und biegen etwa 80 Meter unterhalb der Bushaltestelle nach rechts ab. Uns erwartet vom höchsten Punkt des Weges, die Gausebreede, ein schöner Rundblick auf landwirtschaftliche Flächen und auch auf alte Hecken. Hecken wurden früher angepflanzt, um das freilaufende Vieh von den bewirtschafteten Flächen fernzuhalten. Hecken verhindern aber auch Bodenerosionen, die Pflanzen filtern Staub aus der Luft und verdunsten Wasser. Das dichte dornige Gestrüpp bietet vielen Tieren Unterschlupf und rund ums Jahr einen gedeckten Tisch.

Megalith-Grab in Lengerich-Wechte. Foto: Stefan Herringslack
Megalith-Grab in Lengerich-Wechte. Foto: Stefan Herringslack

Wir biegen links ab auf den Schafweg, Überqueren die Landstraße und biegen in den schräg gegenüberliegenden geschotterten Weg ein. Am Ende dieses Wegs folgen wir der Straße „Am Steinhügelgrab“ nach links und kommen alsbald zur nächsten Station (In der Karte die Nr. 6). Und die heißt? Richtig. Steinhügelgrab. Es liegt neben dem Wechter Kindergarten (wir sind wieder auf Lengericher Gebiet) und ist teilweise rekonstruiert. Dieses Grab ist umgezogen. Denn es wurde wenige hundert Meter nordöstlich im jetzigen Verlauf der Landstraße gefunden. Da konnte es natürlich nicht bleiben. Es war Teil eines großen Friedhofs und stammt tatsächlich aus der Bronzezeit. Wir bemühen unsere „lückenhafte Schulbildung“: Die Bronzezeit ist datiert von 2200 bis 800 vor Chr.

Hügelgräber sind Einzelbestattungsplätze, im Gegensatz zu Megalithgräbern, von denen wir gleich noch ein beeindruckendes Exemplar sehen werden. Wenn uns die Ehrfurcht wieder losgelassen hat, gehen wir die Straße „Am Steinhügelgrab“ weiter, Überqueren die vielbefahrene Wechter Straße und stehen vor Tellmanns Mühle (Station 7). Genutzt wurde sie als Getreide- und Sägemühle. Es war eine königliche Mühle, aber auch eine Zwangsmühle. Damals durfte noch lange nicht jeder mahlen wo er wollte. Neenee. Im Jahr 1756 waren 628 Personen der Tellmanns Mühle zugewiesen. Eine nette Einnahmequelle, fürwahr. Der Mahlzwang wurde Übrigens erst 1810 unter französischer Regentschaft wieder gestrichen.

Wir folgen der Straße weiter und biegen an einem unscheinbaren Grasweg, der da heißt „An der Papiermühle“ links ab. Wir stehen vor einem imposanten Megalithgrab (Station 8). Betreten ausdrücklich erwünscht. Die Tragsteine der Seitenwände und den intakten Boden der Grabkammer fand man 1928. Jetzt kann die Ehrfurcht erneut kommen. Dieses Grab, sagen Wissenschaftler, wurde von 3400 bis 2850 vor Chr. von einer bäuerlichen Gemeinschaft genutzt. Donnerwetter.

Die Menschen jener Zeit, die schon Getreide anbauen konnten, Rinder, Schafe und Schweine hielten und sogar Handel betrieben, glaubten an ein Fortleben nach dem Tode. Darum versorgten sie ihre Toten mit reichen Grabbeigaben. Was wurde bei den Ausgrabungen in Wechte gefunden? Knochen, natürlich. Von etwa 200 Bestattungen. Dazu Werkzeuge und Waffen aus Feuerstein und Knochen, Reste von 800 Keramikgefäßen. Und Schmuck – aus Bernstein, Quarz und Kupfer.

Wenn wir das Megalithgrab nach rechts verlassen, kommen wir Über die Brochterbecker Straße, vorbei an der kleinen Bodelschwingh-Kirche, zurück zu unserem Startpunkt, Akademie Talaue – Gasthof Prigge. Wir haben einen kleinen Weg durch eine offene Kulturlandschaft hinter uns. Ein Weg mit landschaftstypischen Häusern, mit der Kapelle und der Sägemühle, mit zwei vorgeschichtlichen Grabstätten, die Zeugnis sind der langen Siedlungsgeschichte dieses Raumes.

Die Arbeitsgemeinschaft Naturschutz Tecklenburger Land mit Sitz in der beschriebenen Sägemühle hat drei dieser Erlebnispfade ausgearbeitet und sie in einer handlichen Broschüre zusammengefasst. Wer sich dafür interessiert, kann sie sich für 2,50 Euro plus Porto zusenden lassen: Bahnhofstraße 73 in 49545 Tecklenburg, Telefon: 0 54 82 / 92 92 90, E-Mail: antl-ev@t-online.de. Noch eines: Mit vorheriger Anmeldung können Sie sich auch auf den Wanderungen begleiten und führen lassen.

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