Von Schleusen, Schlössern und schönen Aussichten

 
 

 
 
 

Wo sich die münsterländische Parklandschaft und der Teutoburger Wald die Hände reichen – dorthin ziehen wir mit diesem WHB-Wander-Tipp. Wir erwandern uns Hörstel. Besser gesagt die beiden Ortsteile Bevergern und Riesenbeck.

Schleuse in Hörstel-Bevergern
Auch die Schleuse in Hörstel-Bevergern liegt auf unserem Weg. Der Bau der „Neuen Fahrt“ mit Fußgängerbrücke „Bevergerner Steg“ und der großen Schleuse Bevergern wurde 1914 in Angriff genommen, nur 15 Jahre nach der Inbetriebnahme des Dortmund-Ems-Kanals. Foto: Verkehrsverein Hörstel

Auf knapp zwölf Kilometer haben wir eine Menge Natur, eine Menge Abwechselung, eine Menge Sehenswürdigkeiten und natürlich eine Menge Spaß. Wir folgen auf diesem Rundwanderweg dem X 13 und dem X 7 des Westfälischen Heimatbundes, und wir wandern auch ein Stück auf dem Hermannsweg.

Am Heimathaus Bevergern

Heimathaus in Bevergern
Das Heimathaus in Bevergern ist unsere erste Station. Foto: Verkehrsverein Hörstel

Wir suchen uns im 4300-Seelen-Dörfchen Bevergern, übrigens mal Bundessieger im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ gewesen, einen Parkplatz und gehen zum dortigen Heimathaus. Das machen wir aus zwei Gründen. Zum einen wollen wir uns diese drei eng aneinandergefügten Fachwerkhäuser aus dem 18. Jahrhundert näher ansehen, zum anderen suchen wir dort das Wanderwegezeichen X 13, dem wir die nächsten zweieinhalb Kilometer folgen wollen. Wir können uns auch das weiße „H“ einprägen, denn der Hermannsweg verläuft dort parallel mit dem Hauptwanderweg des Westfälischen Heimatbundes.

Es war 1964, als Prof. Anton Hilckman sein Geburtshaus der damaligen Stadt Bevergern schenkte. Der Pflege des Heimatgedankens solle es dienen, verfügte der vorausschauende Mann. Und so kam es auch. Der Heimatverein nahm sich 1966 des Erbes an und machte daraus in jahrelanger Arbeit ein Museum mit Kaufmannshaus, Handwerkerhaus und Ackerbürgerhaus. Öffnungszeiten: von März bis Oktober an allen Sonn- und Feiertagen von 14.30 bis 18 Uhr. Das heben wir uns aber für die Rückkehr auf, schließlich wollen wir wandern. Das tun wir jetzt auch und setzen uns gen Norden Richtung Schleuse in Bewegung.

Zum "Nassen Dreieck"

Nasses Dreieck
Das "Nasse Dreieck" in Hörstel. Foto: Verkehrsverein Hörstel

Hier stehen wir nun am Dortmund-Ems-Kanal. Die Bevergerner Schleusenanlage besteht aus einer großen Schleuse (erbaut 1911/1915) und einer kleinen Schleuse von 1899, die im Rahmen der Kanalerweiterung in Rente geschickt wurde. Jetzt nur ganz kurz eine kurze Kurzbeschreibung der aktiven Schleuse: Schleusenhöhe (Wasserspiegelunterschied) acht Meter, Länge der Schleusenkammer 165 Meter. Wir folgen der Wegemarkierung, biegen also rechts ab und stehen alsbald am „Nassen Dreieck“.

Ein geographisch hochinteressanter Punkt. Hier beginnt der 326 Kilometer lange Mittellandkanal. Er zweigt äußerst sichtbar vom 265 Kilometer langen Dortmund-Ems-Kanal ab. Hier beginnt aber auch, ebenfalls deutlich sichtbar, mit dem 96 Meter hohen Huckberg der Teutoburger Wald, der erst im ostwestfälischen Horn-Bad Meinberg wieder enden will.

Zum "Balkon des Münsterlandes"

Aussichtsplattform Schöne Aussicht
Eine schöne Aussicht genießen wir an der "Schönen Aussicht". Foto: Verkehrsverein Hörstel

Wir gehen noch ein Stückchen die Huckbergstraße im Bogen weiter und überqueren den Mittellandkanal. Nun ist es Zeit, dem Hauptwanderweg X 13, der in die St.-Bernhard-Straße abbiegt, Adieu zu sagen. Wir verlassen uns die nächsten anderthalb Kilometer auf dem 115 Meter hohen Bergeshöveder Berg auf die zuverlässige Markierung des Teutoburger-Wald-Vereins, der ja gerade seinen Hermannsweg neu ausgezeichnet hat. Das heißt: Bis zur „Schönen Aussicht“ folgen wir dem H.

Kaum ist die erste Anhöhe erreicht, gibt es schon Lesefutter in Form eines Gedenksteins: „Hier startete am 15. Mai 1929 der Wiener Robert Kronfeld zum 1. Langstrecken-Segelflug der Welt über mehr als 100 Kilometer.“ Ernsthaften Recherchen zufolge ist dieser Hinweis mehr als bescheiden. Robert Kronfeld aus Wien soll sogar 164 Kilometer weit gekommen sein.

Wir sind an der „Schönen Aussicht“ angekommen. Der Titel verspricht nicht zu viel: Von hier aus hat man einen bestechend schönen Blick auf Riesenbeck und die Münsterländer Bucht. 1926 wurde dieser Aussichtspunkt gebaut und wird auch als „Balkon des Münsterlandes“ bezeichnet.

Weiter nach Riesenbeck

Pfarrkirche St. Kalixtus in Hörstel-Riesenbeck
Pfarrkirche St. Kalixtus in Hörstel-Riesenbeck. Foto: Verkehrsverein Hörstel

Ein Stückchen weiter, ein knapper Kilometer nur, biegt der Hermannsweg leicht links ab, und der Hauptwanderweg X 7 des Westfälischen Heimatbundes beginnt dort. Dem folgen wir und sagen: Tschau, lieber Hermannsweg. Kleiner Exkurs: Der X 7 ist mit 62 Kilometern einer der kürzesten Wege des WHB und führt von Riesenbeck über Mesum, Rheine und Ochtrup nach Gronau. Nachzulesen in der neuen, kostenlosen, 60-seitigen Broschüre „Wandern – Natur pur auf Schritt und Tritt“.

Wir schreiten also mit dem X 7 die Teutostraße runter ins Dorf Riesenbeck. So riesig ist Riesenbeck nicht, aber mit 6500 Einwohnern immerhin der zweigrößte Ortsteil von Hörstel. Es gibt in Riesenbeck die katholische Pfarrkirche St. Kalixtus. Darin kann man die Reinhildis-Grabplatte finden, die kostbarste unter den erhaltenen frühmittelalterlichen Bildhauerarbeiten Westfalens. Auf dem Kirchplatz steht der Reinhildisbrunnen und im Oberdorf das Ossenlockdenkmal mit den die Reinhildislegende erzählenden Reliefs.

Eines noch: An der Straße „Im Vogelsang“ steht das 1997 vom Heimatverein Riesenbeck eröffnete Landmaschinenmuseum. Es ist einen Besuch wert und von April bis Oktober jeweils am ersten Sonntag im Monat von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Und natürlich nach Vereinbarung: Tel.: 05454 / 7119 oder 397.

Vorbei an Schloss Surenburg

Surenburg
Die Surenburg liegt in Riesenbeck, einem Stadtteil von Hörstel. Es ist das bekannteste Wasserschloss im Tecklenburger Land. Foto: www.wehrbauten.de

Es geht mit dem X 7 also ein wenig durchs Dorf, über die Bevergerner Straße, dem Westring und dem Westringer Wall zum Schloss Surenburg. Es zählt zwar zu den kleineren Wasserburgen Westfalens, soll aber nach Aussage der darauf stolzen Stadt Hörstel das bedeutendste weltliche Bauwerk des Tecklenburger Landes sein. Wie dem auch sei: Schloss Surenburg ist unglaublich malerisch. Das liegt nicht nur am Schloss selbst, sondern auch an den hochstämmigen Alleen und dem weitgedehnten Forst, in dem auch exotische Baumarten gedeihen.

Der Herrensitz wurde wahrscheinlich um 1400 gegründet, aber erst 1474 urkundlich erwähnt. 1786 kam der Landedelmann Carl Heinrich Heereman von Zuydtwyck aus Roermond in den Niederlanden daher, sah, staunte und kaufte. Seine Nachkommen bewohnen den Adelssitz noch heute.

Das Schloss bietet das Bild einer dreiflügligen Anlage des 18. Jahrhunderts. Sie resultiert aus einer komplizierten mehrphasigen Baugeschichte. Kurzum: Die Bauarbeiter hatten dort immer kräftig zu werkeln. Der älteste Teil ist der rechte, östliche Flügel, der ein zweistöckiges Zweiraumhaus mit Kabinetten aus dem 17. Jahrhundert war.

Surenburg
Foto: Kreis Steinfurt

Um 1752 entstand der große französische Garten im Westen. Etwas später wurden die Gebäude der Vorburg abgerissen, der Graben zur Hauptburg zugeschüttet, der Nordflügel vergrößert und der Westflügel neugebaut. Wo die Vorburg stand, wurde das Renteihaus gebaut, die Wirtschaftsgebäude wurden erheblich umgestaltet. 1850 wurde das Gewächshaus gebaut, 1865 die Schlosskapelle.

Wie so oft, ist auch hier eine Besichtigung des Inneren nicht möglich. Ein Rundgang um die Außengräfte lohnt aber durchaus. Wir sehen den Hausteich und eine Insel, von der Außengräfte umschlossen. Den Reiz der Nordseite macht die direkt aus dem Hausteich entsteigende Schlosskapelle aus, dem Heiligen Aloysius gewidmet. Und es fallen die vielen unterschiedlichen Baumarten auf. Sie gehören zu der ehemals umfangreichen Anlage des Französischen Gartens, der später im Stil eines Englischen Gartens verändert wurde. Weiter nach Westen schließt sich, immer noch von der mit Wasserlilien und Schilf bewachsenen Außengräfte umgeben, der Wirtschaftsgarten an.

Bei Schloss Surenburg verlassen wir nun den Hauptwanderweg X 7, der sich seinen Weg bis Gronau bahnt. Wir nehmen erneut den X 13, der rechts am Schloss abzweigt (nicht links vor dem Schloss die Abzweigung des X13 gemeinsam mit dem X7) und hinter dem Schloss plötzlich nach rechts in den Wald abknickt. Er führt uns nun entlang der Bevergerner Aa bis zum Dechant-Freude-Weg zurück nach Bevergern. Wir sind nun wieder da angekommen, wo wir vor einem knappen Dutzend Kilometer gestartet sind.

Hat Ihnen die Wanderung gefallen, empfehlen Sie sie weiter. Wenn nicht, sagen Sie es uns.

Bildergalerie

Kurzportrait

 
 

Online-Routenplaner Bus & Bahn

Planen Sie bequem Ihre Route von der Haustür bis zum Ziel mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Sie müssen nur noch Ihre Startadresse eingeben.

Anreise planen

 
 

Startpunkt

Heimathaus Bevergern
Kirchstraße 4
48477 Hörstel-Bevergern
Route berechnen
Auf Karte zeigen
 

Weitere Informationen

Westfälischer Heimatbund
Kaiser-Wilhelm-Ring 3
48145 Münster
Tel.: 0251 20381015
 

Hier starten die Touren!

Anleitung: GPS-Nutzung

So einfach geht's: Unterwegs mit unseren GPS-Daten! Hier alle Infos

Loading...
Loading...
 
 
 

 
 

Lust auf Urlaub?

Hotels im Münsterland
Ferienwohnungen finden
Individuelle Angebote erstellen lassen