Von Glocken, Doskerkerls und einem sportlichen Märchenschloss

 
 

 
 
 

Auf familienfreundliche elf Kilometer lassen sich diejenigen ein, die diesen Wander-Tipp beherzigen. Wir wandern im Westmünsterland von Gescher nach Velen auf den Hauptwanderwegen X 10 und X 9. Zurück geht es mit dem Bus.

Glockenmuseum Gescher
Im Glockenmuseum Gescher wird altes Handwerk lebendig - das sollten wir uns bei unserer Wanderung ebenfalls nicht entgehen lassen. Foto Stadt Gescher / H. Sonntag

Ja, familienfreundlich ist diese Wanderung, schon alleine deshalb, weil es viel zu besichtigen gibt. Das geht schon in Gescher los. Gleich vier Museen (und noch eins im Stadtteil Hochmoor, das Torfmuseum) bietet das 17.000-Einwohner-Städtchen.

Von Glockengießern und Imkern

Imkereimuseum Gescher
Auch das Imkereimuseum gehört zu den zahlreichen kulturellen Angeboten der Glockenstadt. Foto: Stadt gescher

Herausragend ist dabei sicher das Glockenmuseum. Darum nennt sich Gescher auch die Glockenstadt, nicht weil es an jeder Ecke bimmelt. Dieses Museum an der Lindenstraße zeigt alles rund um die Glocke: Glockenguss, Sammlung von der Schiffsglocke bis zur Kapellenglocke vom 13. Jahrhundert, tonnenschwere Gussstahlglocken – ach, eigentlich alles, was man wissen sollte. Einzigartig in Norddeutschland.

Gleich daneben finden wir das Westfälisch-Niederländische Imkereimuseum. Der Name sagt es schon: Dort summt und brummt es gewaltig. Und sollten wir uns zur Armlandstraße begeben wollen, finden wir das Kutschenmuseum und den Museumshof „Auf dem Braem“ mit der Ausstellung „Leben und Arbeiten auf dem Lande“. Ach ja, Berühmtheit hat auch die Glocken- und Kunstgießerei Petit & Gebr. Edelbrock an der Hauptstraße erlangt.

Von St. Pankratius Richtung Velen

St. Pankratius in Gescher
St. Pankratius in Gescher

Das alles sollten wir uns vielleicht aufheben, bis wir nach der Wanderung hier wieder eingetrudelt sind. Wir starten in Gescher an der St. Pankratius-Kirche, die mit ihrem 76 Meter hohen Turm unübersehbar mitten im Ortskern liegt. Daher führt auch der Hauptwanderweg X 10 des Westfälischen Heimatbundes.

Stichwortartig ein wenig Historie zu St. Pankratius: Um 985 gründete das Kloster Borghorst in Gescher eine Pfarrei als Stiftung. Die erste Steinkirche wurde im 12. Jahrhundert, wahrscheinlich im romanischen Stil, erbaut. Ein spätgotischer Neubau ersetzte 1510 die zu klein gewordene Kirche. An der Westseite wurde 1663 ein Treppenturm errichtet. Die heutige Kirchenform entstand in den Jahren 1889 bis 1892. Der Kirchturm birgt ein vollständiges Geläut mit fünf Glocken und vier Uhrschlagglocken.

Wir folgen dem X 10 ab Kirchplatz südlich über die Frieterhofstraße, biegen dann recht in die Straße Riete ein, um dann links in den Erlengrund abzubiegen. Kurze Zeit später biegt der X 10 an einer Gabelung links in die Alte Feldmark ab, wir auch. Damit liegt der Ortskern hinter uns und wir lassen uns auf die Natur ein.

Schnurgerade führt uns der X 10 weiter gen Süden. Wir überqueren die Bundesstraße 525 und machen nach etwa einem Kilometer einen Knick nach rechts, kommen über den Thesingbach und biegen am Hof Schulze Hilbt nach links. Schulze Hilbt zieht Schweine groß, und das nach den strengen Westfleisch-Vorgaben „Bestschwein“. Das heißt unter anderem, dort gibt es nur testiertes Futter, die Transporte dürfen nicht länger als vier Stunden dauern.

Museumsstadt Vreden

Nach weiteren knappen zwei Kilometern stoßen wir auf den Hauptwanderweg X 9, der von rechts kommt. Mit dem laufen wir nach weiteren vier Kilometern durch die schöne Natur in Velen ein.

Auch in Velen gibt es den „fünffachen Museumsspaß“. Der besteht aus einem dezentralen Museum der Doskerkerls, was auf Hochdeutsch Dreschmänner heißt. Das ist eine Sammlung von 450 historischen landwirtschaftlichen Geräten und Maschinen aus 150 Jahren – in Aktion an gleich fünf verschiedenen Standorten in Velen und Ramsdorf. Der Gedanke dazu existierte schon 1991, erst im Jahr 2008 folgte die Realisierung mit Hilfe von EU-Fördermitteln. Da das aber ein eigenes Kapitel ist, sollte sich der Doskerkerl-Interessent im Internet unter www.velen.de (Rubrik „lebendige Museen“) informieren.

Sportliches Märchenschloss

SportSchloss Velen
SportSchloss Velen: Auch hier hatte der Herr Schlaun seine Finger im Spiel.

Wir gehen mitten in den Ortskern zum Schloss Velen, heute ein Vier-Sterne-Sporthotel. Das Schloss hat eine 760-jährige Geschichte hinter sich. Das Prunkstück ist von allen Seiten mit Wasser umgeben. Auf alle Veränderungen einzugehen, hieße, hier nun ein Buch zu schreiben. Daher das Wichtigste in Kürze. Der Mittelteil stammt im Kern aus dem 15. Jahrhundert, der zweistöckige Südflügel aus der Zeit um 1580. Der Nordflügel entstand erst 1696. Und jetzt kommt wieder mal wer ins Spiel? Na? Jaja, Johann Conrad Schlaun, dem wir ja bei unseren Wanderungen auf Schritt und Tritt begegnen. Jener nämlich wurde 1744 gebeten, den Nordflügel umzubauen. Die südlich vom Schloss gelegene Fasanerie hat der gründliche Herr Schlaun dann gleich mitgebaut.

Im April 1931 dann geschah das Unfassbare. Das ganze Hauptschloss brannte ab, die Inneneinrichtung wurde vernichtet. 1934 wurde das Äußere weitgehend unverändert wieder hergerichtet, innen indes wurde es modern. Bis 1987 beherbergte das Schloss eine Zollschule mit großen Wasch- und Schlafräumen. Nach langer Beratung entstand 1988 das SportSchloss Velen, in dem die Geschichte, neueste Technik und modernes Leben zu einer Einheit zusammenwachsen sollten. 2002 wurden die kompletten Haupthauszimmer renoviert. 2009 wurde die Orangerie saniert, ganz im Sinne von Conrad Schlaun. Das „Märchenschloss des Münsterlandes“, wie es auch genannt wird, kann von außen besichtigt werden, ebenso der angrenzende Tiergarten.

So, jetzt können wir uns entscheiden: Bleiben wir in Velen (letzter Bus 20.16 Uhr ab Schloss), oder fahren wir früher ab und machen in Gescher eine Museumstour. Zu sehen gibt es in beiden Orten genügend.

 
 

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Weitere Informationen

Westfälischer Heimatbund
Kaiser-Wilhelm-Ring 3
48145 Münster
Tel.: 0251 20381015
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