Rauf und runter im Teutoburger Wald

 
 

 
 
 

Gut gefrühstückt? Ja? Das ist demjenigen Wanderer auch nur zu empfehlen, der diesem Wander-Tipp folgen möchte. Wir haben zwar nur eine Strecke von rund acht Kilometern zu bewältigen, dabei aber immerhin 160 Höhenmeter. Es geht also rauf und runter.

Weitblick auf den Teutoburger Wald
Weitblick auf den Teutoburger Wald. Foto: S. Westermann / Teutoburger Wald Tourismus

Aber es wartet im Tecklenburger Land ein richtig schönes Fleckchen Münsterland auf uns. Wir starten in Lengerich, gehen über den Hauptwanderweg X 18 des Westfälischen Heimatbundes, landen in Tecklenburg – und fahren mit dem Linienbus zurück.

Geparkt wird in Lengerich kostenlos hinter dem Feuerwehrhaus an der Schulstraße. Wir gehen aber nicht Richtung Feuerwehr, sondern in die andere zu den Bahnschienen. Dort finden wir ein kleines Pättken, auf dem wir links zur Friedhofstraße gehen. Dort biegen wir rechts ab.

Liebevoll restaurierte Kapelle

Friedhofskapelle
Die Friedhofskapelle am Wegesrand wurde liebevoll restauriert. Foto: Stefan Herringslack

Ein wenig Asphalt müssen wir anfänglich schon in Kauf nehmen, denn wir folgen der Friedhofstraße dem Linksbogen entlang schön aufsteigend an der LWL-Klinik vorbei bis zur Straße „Am Kleeberg“. Dort biegen wir rechts ab. Zur Orientierung: Wir sehen dabei die Tennishalle.

Wenn wir in die Straße „Am Kleeberg“ einbiegen, haben wir zwar schon etliche Höhenmeter erklommen, einige indes warten noch auf uns. Nach 400 Metern sehen wir links eine alte Kapelle und gehen durch den Torbogen. Es ist die alte Friedhofskapelle der Westfälischen Klinik. Angeregt durch den Lengericher Stadtmarketingverein Offensive und unter tatkräftiger Unterstützung ihrer Mitglieder und des Heimatvereins Lengerich wurde die Friedhofskapelle 1999 restauriert. Vorher war sie in einem erbärmlichen Zustand. Jetzt ist sie als historisches Baudenkmal in die Denkmalliste eingetragen. Am Himmelfahrtstag findet dort alljährlich ein Gottesdienst im Freien statt.

Abstecher in den ALVA-Skulpturenpark

ALVA-Skulpturenpark in Lengerich
Der ALVA-Skulpturenpark in Lengerich ist ein kontinuierlich wachsendes Projekt des Stadtmarketingvereins Offensive Lengerich.

Wir gehen durch den Torbogen bis zum Ende des alten Friedhofs, dann kurz rechts, um den Weg links zu wandern, der die saftigen Wiesen vom Teutoburger Wald trennt. Wir können aber auch einen kurzen Abstecher zum ALVA-Skulpturenpark machen, der unterhalb des alten Friedhofs liegt. ALVA steht für „Ars Longa-Vita Aeterna“ und bedeutet: „Die Kunst währt lang, das Leben ewig“.

Der Stadtmarketingverein Offensive hat damit ein Konzept verwirklicht, das eine sinnvolle Verbindung zwischen Mensch und Kultur herstellt. Der Besucher soll sich den Kunstwerken öffnen und den Geist und den Blick weit schweifen lassen. Der Skulpturenpark wächst. Als erstes Objekt entstand während der „Skulptur Biennale Münsterland 2001“ das „Lengericher-Garden-Projekt“. Der weltweit gefragte amerikanische Künstler Ronald Jones hat es entwickelt.

Wir sind zurück auf unserem idyllischen Waldrand-Pättken und stehen an dessen Ende vor einem Zaun. Dort gehen wir bergauf in den dunklen Wald. Nach wenigen 100 Metern, noch vor Erreichen der Kuppe, öffnet sich uns links ein breiter Waldweg und wir sehen am Baum das erste X. Es steht für den Wanderweg X 18, der uns von nun an bis zum Ziel begleiten wird.

Am Lengericher Canyon

Der Lengericher Canyon
Der Lengericher Canyon ist ein echtes Naturspektakel - und zu Recht ganz besonders geschützt.

Wir kommen alsbald an die Aussichtsplattform oberhalb des „Canyon“ mit seinem kristallklaren türkisfarbenen See. Der „Canyon“ ist ein alter Steinbruch, der den Namen durchaus verdient und heute Naturschutzgebiet ist. Betreten absolut verboten. Und das hat seine handfesten Gründe. Auch dieser Steinbruch bildet, neben etlichen anderen in der Region, für viele Lebewesen, die in unserer intensiv genutzten Landschaft nicht mehr existieren können, ein wichtiges Rückzugsgebiet. Zum Beispiel für Steinkauz und Schleiereule. Sie sind im Bestand bedroht, weil ihnen vor allem geeignete Bruthöhlen fehlen. Die finden sie dort. Vorausgesetzt, sie sind ungestört. Sind sie aber nicht, viel zu viele illegale Badegäste oder Camper haben den „Canyon“ für sich entdeckt.

Diese Aussichtsplattform lässt uns bei klarem Himmel das gesamte Münsterland erspähen, bevor wir auf dem X 18 gen Westen weiterwandern. Bald wird es lauter – wir kommen der Autobahn 1 unüberhörbar näher. Der Waldweg endet ziemlich abrupt an der Tecklenburger Straße (L 504), die wir mit höchster Vorsicht überqueren müssen. Dabei unterqueren wir auch die A 1, um direkt dahinter links in den Wolfsmühlenweg einzubiegen. Den gehen wir weiter durch den sogenannten Strubberg, der Straßenlärm lässt wieder nach.

Die nächste Kapelle wartet

Kapelle von Haus Marck
Es geht vorbei an der Kapelle von Haus Marck.

Am Ende des Strubbergs kommen wir auf den asphaltierten Diepenbroickweg. Wir folgen dem X, biegen in den Lehmkuhlenweg ein und gehen sofort wieder rechts. Weiter geht es durch den Wald bis zur Kapelle von Haus Marck. Es ist die Grabstelle der Familie von Diepenbroick-Grüter, die Haus Marck bewohnt. Gerade im dichten Novembernebel können die beiden kleinen Gebäude schon für eine Gänsehaut sorgen, wenn sie plötzlich vor einem auftauchen.

Wir folgen dem X 18 weiter den Hügel hinab und gehen nach links Richtung Naturschutzzentrum Sägemühle. Es lohnt aber auch einen Abstecher nach rechts zu Haus Marck. Der im 14. Jahrhundert erbaute Herrensitz ist mit einem Rittersaal ausgestattet, wie man ihn nur aus Historienfilmen kennt. Darüber hinaus beherbergt das Wasserschloss seit dem Jahr 1320 ein Hausarchiv mit antiquarischen Dokumenten, die von der Geschichte des Anwesens und seiner Umgebung erzählen. Mit Haus Marck verbinden sich zwei bedeutsame Ereignisse.

Exkurs: Haus Marck

Haus Marck
Haus Marck liegt südlich von Tecklenburg mitten in einer alten Kulturlandschaft. Es wird zuerst im 14. Jahrhundert als Sitz der Familie v. Horne erwähnt.

Zur Zeit des 30-jährigen Kriegs fand 1643 dort eine Vorverhandlung zum Westfälischen Frieden statt. Fast 200 Jahre später wurde 1831 Friedrich von Bodelschwingh auf Haus Marck geboren. Als evangelischer Pfarrer übernahm er 1872 die Leitung und den weiteren Ausbau der heute weltweit anerkannten Diakonieanstalten Bethel bei Bielefeld.

Die Außenanlage ist jederzeit zu besichtigen, die Innenräume nur im Rahmen einer der Führungen, die von April bis Oktober samstags um 10 und um 11 Uhr angeboten werden. Gruppenführungen für zehn oder mehr Interessenten finden nach Vereinbarung auch außerhalb der regulären Zeiten statt, Tel.: 05482 / 97159.

Trubel an der Sägemühle

Die Sägemühle in Tecklenburg
Die Sägemühle in Tecklenburg: ANTL und Biologische Station sind hier heute zuhause. Foto: Stefan Herringslack

Zurück zum X 18 und dem Naturschutzzentrum Sägemühle. Früher herrschte dort reges Treiben. Die zur Mühle gehörige Schankwirtschaft war ein beliebtes Ausflugsziel. Genauso wie der Mühlenteich, der 1905 zur Badeanstalt gekürt wurde. Auch heute ist an der Sägemühle Trubel. Die hervorragend restaurierten und denkmalgeschützten Wohn- und Wirtschaftsgebäude werden als öffentliches Naturschutzzentrum der ANTL – Arbeitsgemeinschaft für Naturschutz Tecklenburger Land – genutzt, nebenan hat die Biologische Station des Kreises Steinfurt ihr Domizil.

Es lohnt ein Blick hinter das Wirtschaftsgebäude. Dort ist das neue Mühlrad angebaut worden. Das alte steht im Garten zum Anfassen. Viele Schulklassen und die verschiedenen ANTL-Jugendgruppen beleben die Sägemühle, es gibt Veranstaltungen, Seminare, Vorträge. Und es gibt einen Laden mit Bio-Produkten.

Qualmende Feuerrösser

X-Markierung
Wir sind nicht auf Dampfloks, sondern auf Schusters Rappen unterwegs - sicher geleitet werden wir dabei von der X-Markierung des Westfälischen Heimatbundes. Foto: Stefan Herringslack

Wir verlassen das lauschige Plätzchen und gehen rechts an der Straße „Am Hülshof“ entlang. Dort, wo die Straße eine scharfe Rechtskurve beschreibt, gehen wir geradeaus, das ist die Straße „Auf dem Saatkamp“. Wir überqueren die Gleise der TWE, der Teutoburger Waldeisenbahn, auf der in den Sommermonaten der Teuto-Express zu Ausflugsfahrten einlädt.

Kleiner Exkurs für Freunde der qualmenden Feuerrösser: Meistens zieht die historische Dampflok Borsig von 1942 (Betriebsnummer 50 3655) den langen Zug mit den perfekt restaurierten Personenwagen. Was ihr auch auf den Höhen des Teutoburger Waldes nicht gerade schwer fällt, hat sie doch 1760 PS. Der Verein Eisenbahn-Tradition Lengerich betreibt diese Lok neben einigen anderen.

Weiter in Tecklenburg

Die Legge in Tecklenburg
Die Legge in Tecklenburg wurde 1577 gebaut und war die erste landesherrliche Leinenprüfanstalt Westfalens. Foto: Stefan Herringslack

Jetzt wird es noch einmal richtig steil. Zusammen mit dem X 6 führt der X 18 auf den „Burgberg“. Durch schöne Gassen vorbei an Fachwerk erreichen wir die Altstadt von Tecklenburg. Damit wäre unsere Wanderung beendet. Wenn, ja, wenn nicht der Luftkur- und Kneippkurort mit seinem historischen Marktplatz locken würde. Tecklenburg im Detail zu beschreiben, hieße Bücher zu füllen. Daher nur eine kurze Beschreibung: Im 17. Jahrhundert entwickelte sich der bis zu dieser Zeit von einer Wehrmauer umgebene Ort zu einer Bürgerstadt mit den noch heute das Stadtbild prägenden Ackerbürger-, Handwerker- und Honoratiorenhäusern. Etwa 45 Fachwerkhäuser sind aus dieser Zeit bis heute erhalten.

Die 1654 errichtete Legge, Westfalens erste Prüfanstalt für Leinenprodukte, bezeugt die damalige Bedeutung der Leinenweberei für Tecklenburg. Die Grafen von Tecklenburg verlegten 1671 ihre Residenz nach Rheda, womit der langsame Verfall der Burganlage begann, die ab 1744 systematisch abgebrochen wurde. In den Resten ist heute eine große Freilichtbühne beheimatet.

Wir suchen uns die Bushaltestelle am Graf-Adolf-Gymnasium und fahren mit dem Linienbus bis zur Haltestelle Feuerwehrhaus in Lengerich zurück.

Rückfahrt planen

Fahrpläne sind im Internet unter anderem unter www.westfalenbus.de einzusehen oder unter der Service-Nummer 01803 – 50 40 30 telefonisch abzufragen. Da auch die „schlaue Nummer“ sparen muss, erreichen die Anrufer nachts und sonntags nunmehr eine computergestützte automatisierte Auskunft. Nur an Werktagen zwischen 10 und 20 Uhr sind weiterhin noch persönliche Auskünfte möglich.


Startpunkt

Feuerwehrhaus Lengerich
Schulstraße 70
49525 Lengerich
Route berechnen
Auf Karte zeigen
 

Weitere Informationen

Westfälischer Heimatbund
Kaiser-Wilhelm-Ring 3
48145 Münster
Tel.: 0251 20381015
 

Hier starten die Touren!

Anleitung: GPS-Nutzung

So einfach geht's: Unterwegs mit unseren GPS-Daten! Hier alle Infos

Loading...
Loading...
 
 
 

 
 

Lust auf Urlaub?

Hotels im Münsterland
Ferienwohnungen finden
Individuelle Angebote erstellen lassen