Kleine Kletterpartie auf dem Teuto mit einem barfüßigen Abschluss

 
 

 
 
 

Am Ende dieser Wanderung ziehen wir die Schuhe aus. Das machen wir zwar nach jeder Wanderung; diesmal aber, um noch 2,5 Kilometer barfuß anzuhängen! Es geht mit diesem etwas anspruchvolleren, aber durchaus familienfreundlichen Wander-Tipp auf dem Teuto von Lengerich nach Lienen im nördlichen Kreis Steinfurt.

Reh
Natur, Kultur und Spaß für die ganze Familie - diese Wanderung hat für jeden Geschmack etwas zu bieten.

Wer mit dem Auto anreist, kann in Lengerich kostenlos hinter dem Feuerwehrhaus an der Schulstraße parken. Vor der Wanderung lohnt ein kleiner Abstecher in die Innenstadt, indem wir die vielbefahrene Schulstraße überqueren. Es begrüßt uns der vierstöckige 61 Meter hohe Turm der evangelischen Stadtkirche. Ein imposanter Bau, ist die Kirche doch nach der Dionysiuskirche in Rheine die größte im Kreis Steinfurt. Warum?

Abstecher: Evangelische Stadtkirche Lengerich

Die Evangelische Stadtkirche in Lengerich
Die Evangelische Stadtkirche in Lengerich stammt in ihrer heutigen Form aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Foto: Stefan Herringslack

Der Marktflecken Margarethen-Lengerich war von 1327 bis zur Reformation 1527 Wallfahrtsstätte. Am Namenstag der heiligen Margareta von Antiochien, dem 20. Juli, versammelten sich in zunehmenden Maße Pilger im Ort, um sie zu verehren. Es gab ein wundertätiges Margarethen-Bildnis, das geweint haben soll. Tatsächlich, geweint. Auch soll es einen Brunnen gegeben haben, dessen Wasser heilende Wirkung hatte. Das zog natürlich die Massen an, dazu brauchte es dann auch eine große Kirche. Das Kirchenschiff wurde 1497 im spätgotischen Stil in Form der westfälischen Hallenkirche vollendet. Als der Graf von Tecklenburg in seinem Herrschaftsbereich die Reformation einführte, wurde die Wallfahrt verboten, das Bild zerstört. Wenn die Kirche geöffnet ist, lohnt ein Blick ins Innere: Ein einziger mächtiger Pfeiler trägt das Gewicht der Gewölbe von Haupt- und Seitenschiff.

Der Römer und ein später Start

Der Römer in Lengerich
Der Römer in Lengerich diente der Stadt in vielerlei Funktion. Foto: Stefan Herringslack

Am östlichen Eingang zum Kirchplatz, der heutigen Fußgängerzone, steht der Römer. Ein früheres Torhaus zum Friedhof, wo heute reges Treiben herrscht. Der Römer ist der Liebling der Lengericher und hat eine bunte Vergangenheit. Er war Rathaus, Arrestzelle, Klassenzimmer und Wohnung. Der Römer beherbergte bis zum Ende der 70er-Jahre einen Tabakwarenladen und heute „die Kneipe im Römer“.

Jetzt aber wird gewandert. Und zwar erst einmal zurück zu unserem Parkplatz. Von diesem Parkplatz aus gehen wir über die Bahngleise die Bergstraße hinauf und spüren schon die erste Steigung. An der Bergstraße sehen wir schon die X-Markierung, die uns zum Wilkiensweg führt (3. Straße rechts). Hinter dem kleinen Waldstück sind wir raus aus der Bebauung und sehen die Höhenzüge des Teutoburger Waldes. Wir wissen: Aha, noch eine Steigung erwartet uns. Wir überqueren die Bergstraße und klettern nach oben. Dort angekommen, sehen wir auf dem Höhenzug den X 18 und biegen mit ihm rechts ab.

Galgenknapp und Orchideen

X-Markierung
Stets treuer Begleiter auf unseren Wanderungen sind die X-Markierungen des Westfälischen Heimatbundes. Foto: Stefan Herringslack

Nach etwa 300 Meter erreichen wir einen kleinen Wanderparkplatz, an dem wir die Straße überqueren, um erneut in einen Wald einzutauchen. Rechts liegen zwei aufgelassene Steinbrüche, wir befinden uns im Naturschutzgebiet Galgenknapp. Was heute vor allem für seine reichen Orchideenvorkommen bekannt ist, war früher als Hinrichtungsstätte wohl eher ein Ort des Schreckens. Die letzte Hinrichtung soll am 21. Oktober 1785 gewesen sein. So grausam und schlecht, dass anschließend einer der beiden Scharfrichter selbst zu einer zweijährigen Festungshaft verurteilt wurde.

Die Orchideenvorkommen der Kalkhalbtrockenrasen in den ruhenden Steinbrüchen gehören zu den bedeutsamsten in Deutschland. Um sie vor Verbuschung zu schützen, zieht seit einigen Jahren eine Wanderschafherde über die Hügel. Die Bentheimer Landschafe, eine robuste und bis vor einigen Jahren stark gefährdete Haustierrasse, fressen dabei nicht wahllos, sondern nach einem fest aufgestellten Beweidungsplan. Die Herde mit einem festangestellten Schäfer gehört der ANTL (Arbeitsgemeinschaft Naturschutz Tecklenburger Land) und wird finanziell von der Zementindustrie unterstützt.

Wir treffen den Dyckerhoff-Rundwanderweg

Libelle
Farbenprächtige Libellen erwarten uns in den Sommertagen im Dyckerhoff Steinbruch in Lengerich. Foto: Biologische Station Steinfurt

Und wenn wir gerade im Frühjahr mit offenen Ohren und leiser Stimme durch die Landschaft ziehen, hören wir bei dieser Wanderung die Gesänge und Rufe der Vögel im Steinbruch. Es singen Nachtigall, Fitis-Laubsänger, Baumpieper, Goldammer und Grasmücke. Und wir sehen mit etwas Glück die Zauneidechse, wie sie sich sonnt auf den Steinschutthaufen. Wir sehen den Gras-, Wasser- und Laubfrosch. Im Hochsommer dann gesellen sich 30 farbenprächtige Tagfalterarten hinzu. Und Uhu und Turmfalke. Und Libellen. Und Feuersalamander.

Mittlerweile hat sich zu unserem X ein rotes D hinzugesellt. Das Zeichen für den Dyckerhoff-Rundwanderweg. Und noch ein paar Höhenmeter stehen uns ins Haus. Langsam, aber stetig bewegen wir uns auf einem schmalen Kalksteinweg weiter nach oben. Wir genießen die herrliche Landschaft und kommen alsbald an die erste Aussichtsplattform. Rast ist angesagt. Die ersten Getränkeflaschen werden die Runde machen. Wir blicken auf das Münsterland. Bei klarem Wetter können wir ohne Probleme am Horizont die Bettentürme der Münsteraner Uni-Klinik erkennen.

Pause mit Aussicht

Aussicht auf den Steinbruch
Der Dyckerhoff Rundwanderweg führt auf 7,5 km einmal rund um den Steinbruch.

Weiter führt uns der Weg zur nächsten Aussichtsplattform. Dort ist nun Zeit für eine ausgiebige Mahlzeit, die uns der Rucksack liefert. Eine Bitte: Mülleimer werden Sie vergebens suchen, die Verpackungsreste kommen zurück in den Rucksack. Wir genießen den Blick auf den aktiven Steinbruch der Dyckerhoff-Zementwerke. Wie Spielzeug sehen sie aus, die Bagger, die den wertvollen Rohstoff Kalkstein für die Zementherstellung ernten. Die Größe dieser Bagger erschließt sich erst, wenn im Steinbruch plötzlich die LKW auftauchen, die uns erst die Relationen aufzeigen.

Der Standort des Zementwerkes in Lengerich wurde 1872 von Adolf Wicking aus Recklinghausen erschlossen. Er errichtete als erster ein Kalkwerk, das über einen Bahnanschluss verfügte. 18 Jahre später baute Wicking sechs Schachtöfen, die den ersten Lengericher Zementklinker produzierten. 1913 drehte sich der erste Drehrohrofen. Heute werden jährlich 1,3 Millionen Tonnen Zementklinker produziert, der, mit Gips vermahlen, zu Zement weiterverarbeitet wird. Übrigens: Der urkundliche Beleg einer Kalklieferung für das damalige adelige Gut Schollbruch aus dem Jahre 1576 markiert den Startpunkt der Kalk- und Zementindustrie am Teutoburger Wald.

Vorbei an der Felsenquelle

Felsenquelle
Auch an der Felsenquelle führt uns unser Weg vorbei, beor wir nach Lienen kommen. Foto: Stefan Herringslack

Wir gehen frisch gestärkt weiter, sehen weiterhin rechts ins Münsterland und haben links einen ebenso ausschweifenden Blick ins Osnabrücker Land. Im weiteren Verlauf könnten wir auch auf Damhirsche treffen. Sie sind tagaktiv und gut zu beobachten. Bald heißt es Abschied nehmen vom Teutoburger Wald. Vorbei an der künstlich ausgeschachteten Felsenquelle, die trotzdem einen herrlichen Anblick bietet, und der Westerbecker Hütte des Alpenvereins verlassen wir den Kamm, teilweise durch alte Hohlwege, die sich tief in den Untergrund eingeschnitten haben.

Ein naturnaher Bachlauf mit einem schmalen Erlen-Auenwald begleitet den X 18 ein kurzes Stück. Bald schon laufen wir durch Ackerfluren ohne Baum und Strauch. Sehen rechts die Schienen der Teutoburger-Wald-Eisenbahn, die auch von den Nostalgie-Dampfzügen genutzt werden.

Ankunft in Lienen

Haus des Gastes in Lienen
Am Haus des Gastes kommen wir in Lienen ebenfalls vorbei - hier gibt man uns gerne Auskunft über alle Sehenswürdigkeiten im Ort. Foto: Stefan Herringslack

Wir erreichen die ersten Ausläufer der Gemeinde Lienen, ein staatlich anerkannter Erholungsort mit 8600 Einwohnern. Im Ortskern zwischen Barfußpark und dem malerischen Haus des Gastes endet der Wanderweg X 18 – und auch unsere Wanderung. Wenn wir wollen. Wollen wir aber nicht.

Der Barfußpark eröffnet seine Saison am 1. April und lädt auf einem 2,5 Kilometer langen Rundkurs ein, die Natur ohne Schuhe unter die Füße zu nehmen.

Barfuß geht es weiter

Barfußpark Lienen
Zum Ende unserer Wanderung ziehen wir die Schuhe aus - gehen aber noch ein Stück. Foto: Stefan Herringslack

Neben dem Wassertretbecken finden wir eine Fußwaschstelle und abschließbare Schuhschränke. Zum Abschließen brauchen wir eine Ein-Euro-Münze, die wir später nicht wiederbekommen. Sie versteht sich als Spende für den immensen Aufwand zur Erhaltung des Parcours. Das große Wassertretbecken lädt uns ein, vorab drei Minuten eiskaltes Wasser zu treten. Dann starten wir durch einen Bach und entlang der Äcker, Wiesen und Pferdekoppeln. Wir fühlen den besonderen Reiz von Holz, Steinen, Mulch, Gras, Lehm und wieder Wasser. Die ehrenamtlichen Macher des 2002 gebauten Rundgangs erwarten übrigens auch in diesem Jahr wieder 90.000 Besucher. Ist das nichts?

Jetzt ist unsere Wanderung zuende. Der Bus bringt uns zurück zum Feuerwehrhaus Lengerich. Hat Ihnen die Wanderung gefallen, sagen Sie es weiter. Wenn nicht, sagen Sie es uns.

Wanderung planen

Fahrpläne sind im Internet unter anderem unter www.bus-und-bahn-im-muensterland.de oder www.westfalenbus.de einzusehen sowie unter der Service-Nummer 01803 – 50 40 30 telefonisch abzufragen. Da auch die „schlaue Nummer“ sparen muss, erreichen die Anrufer nachts und sonntags eine computergestützte automatisierte Auskunft. Nur an Werktagen zwischen 10 und 20 Uhr sind weiterhin noch persönliche Auskünfte möglich.

Sie können die Wanderung seit kurzer Zeit vorab am PC planen. Dazu gehen Sie zu www.stadtplan-muensterland.de, dort finden Sie alle Wanderwege des Westfälischen Heimatbundes, auch zum Ausdrucken. Experimentieren Sie ein wenig mit diesem Stadtplan, der die Wanderwege im Stadtplan zeigt, in Google Maps oder in Google Earth. Ein besonderer Service: Sie können alle Wanderwege des Westfälischen Heimatbundes für Ihr GPS-Gerät herunterziehen.



Weitere Informationen

Westfälischer Heimatbund
Kaiser-Wilhelm-Ring 3
48145 Münster
Tel.: 0251 20381015
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