Durch ein Naturschutzgebiet, das zu den schönsten an der Ems gehört

 
 

 
 
 

Es zieht uns wieder einmal in den Kreis Warendorf. Diesmal, um von Telgte über Westbevern nach Ostbevern zu wandern. Die Hauptwanderwege X 15 und X 4 geleiten uns dabei auf einer Länge von etwa elf Kilometern sicher ans Ziel. Mit dem Linienbus geht es dann genauso sicher zurück zum Startpunkt.

Bever
Bei Haus Langen treffen wir im Verlauf unserer Wanderung auch auf die Bever. Foto: Stefan Herringslack

Es ist schon merkwürdig, auf welche Weise manche Dinge in den Fokus des Interesses gerückt werden und wie sie sich dadurch in den Köpfen festsetzen. Beim Jakobspilgerweg war es das Buch von Hape Kerkeling, bei der Stadt Telgte war es ebenfalls ein Buch: Treffen in Telgte. Der Titel dieser 1979 erschienenen Erzählung von Günter Grass wird fest mit der 20000 Einwohner zählenden Stadt in Verbindung gebracht. Dabei hat Telgte mit der Handlung herzhaft wenig zu tun.

Wallfahrtsstadt Telgte

Wallfahrtskapelle
Die Wallfahrtskapelle in Telgte aus der Luft betrachtet. Foto: Stadt Telgte

Also treffen wir uns auch in Telgte, der bedeutendsten Wallfahrtsstadt des Münsterlandes. Jahr für Jahr zieht es über 150.000 Pilger zum Gnadenbild der schmerzhaften Muttergottes. Es entstand um 1370 und ist aus Pappelholz geschnitzt.

Ein Tönchen zur barocken Kapelle: Der Grundstein wurde 1654 vom Münsteraner Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen gelegt. Pater Jodokus Lüke schuf in seinem Auftrag einen achteckigen Zentralbau, ein Oktogon, überwölbt von einer Kuppel. Die Kapelle ist außen an den Ecken umstanden von acht Säulen auf hohen zweistufigen Basen, gekrönt von korinthischen Kapitellen. 1763 wurde ein achteckiger Ausbau mit Glockenturm als Sakristei erstellt.

Krippen, Korn und Aufbruch

Religio Museum Telgte
Auch das wichtigste Museum der Stadt ist religiös geprägt. Foto: Andreas Lechtape © RELíGIO

Keinen Steinwurf entfernt hat sich das Heimathaus Münsterland zu einem populären Museum und Kulturinstitut entwickelt. Heute trägt es übrigens den Namen RELIGIO. Vor allem die alljährlichen Krippenausstellungen werben weit über das Münsterland hinaus für einen Besuch Telgtes. 1994 dann wurde ein ganzjährig geöffnetes Krippenmuseum geöffnet, das die gewachsene Bedeutung Telgtes als Krippenstadt nachdrücklich unterstreicht. Für die Planung und den Entwurf des markanten Gebäudes zeichnet der renommierte Museumsbaumeister Professor Josef Paul Kleihues verantwortlich.

Ach, was könnten wir in Telgte noch alles anstellen. Wir könnten uns das Kornbrennerei-Museum zu Gemüte führen, wir könnten durch den Dümmert-Park mit der Fischtreppe gehen, wir könnten uns in der Altstadt die vielen bedeutenden Fachwerkhäuser ansehen. Wir könnten aber auch extra dafür noch einmal wiederkommen. Denn jetzt geht’s in die Natur.

Am Museum ist der Einstieg auf den X 15 schnell gefunden. Wir beschreiten ihn gen Norden, überqueren die Bundesstraße 51 und entfernen uns alsbald vom Lärm. Unser Wanderweg bringt uns Westbevern näher, ein Ortsteil Telgtes. Besonders stolz sind die Westbeveraner auf Haus Langen und die umgebende Natur.

Durch die Natur

Emsauen
Die Emsauen bieten Natur pur auf Schritt und Tritt.

Wir befinden uns in einem Naturschutzgebiet, das zu den schönsten an der Ems gehört. Doch nicht nur die harmonische und von vielen Gewässern durchsetzte Weidelandschaft mit den vielen eingebetteten, wirklich mächtigen Eichen, darunter die sogenannte 1000-jährige Eiche, machen dieses Stück Natur so liebenswert. Was bei anderen Emsauenabschnitten durch Emsausbau und Intensivierung der Landwirtschaft grausam geschah, nämlich der massive Eingriff in die Natur, ist hier eben nicht geschehen. Hier fließen Ems und Bever noch naturnah. Das heißt mäandrierend, mit Steilufern, regelmäßigen Uferabbrüchen und mit typischer Wasservegetation mit Seerosen und Laichkräutern.

Auf Schrifttafeln wird auf die Naturnähe hingewiesen. Wir lesen: „Die Aue ist durch Grünland, Altwasser und ehemalige Flutrinnen mit Rörichtvegetation vielfältig strukturiert. Aufgrund des ausgeprägten Oberflächenreliefs wechseln Mager-, Nass- und Feuchtweiden ab. Zu den selten vorkommenden Pflanzen- und Tierarten zählen die Schwanenblume, Fieberklee, Wollgras, Waldschnepfe, Schafstelze, Eisvogel, Uferschwalbe, Neuntöter und Nachtigall.“ Kurzum: einfach mal innehalten und genießen.

Vorbei an Haus Langen

Die Doppelmühle an Haus Langen liegt ebenfalls am Wegesrand. Foto: Stefan Herringslack

Kurz bevor die Bever, deren Name übrigens auf die ehemals zahlreich vertretenen Biber zurückgeht, in die Ems fließt, liegt die Wassermühle von Haus Langen. Diese wirklich idyllische zu einem Rittergut gehörende Mühle ist eine der prägnantesten typischen münsterländischen Doppelanlagen, wie sie im Mittelalter ein paar Mal öfter anzutreffen waren.

Diese hier indes entstand erst um 1800 in der heutigen Form. Beide Gebäude wurden mehrfach erneuert, die Ölmühle wurde um die Jahrhundertwende stillgelegt, die Kornmühle auf der anderen Seite hat noch bis 1958 Lohnaufträge angenommen. Die Mühle hat ihren Namen von den „edlen Rittern von Langen“, die in einer Urkunde von 1150 als Lehnherren des Bischofs von Münster erwähnt werden. Von der Fliehburg aus dem 10. Jahrhundert sehen wir noch herzlich wenig. Sehen wir genau hin, sehen wir noch Ringwälle, und wir sehen das mit Schießscharten ausgestattete Backsteinhaus aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts. Und wieder mal der Hinweis: Privatbesitz, betreten verboten.

Direkt vor der Wassermühle deutlich sichtbar laufen die beiden Wanderwege X 15 und X 4 zusammen. Sie trennen sich erst wieder hinter Westbevern.

In Westbevern

Dorfspeicher
Der Dorfspeicher in Westbevern steht unter Denkmalschutz. Foto: Gemeinde Ostbevern

Nach etwa einem Kilometer erreichen wir Westbevern, den 4000 Einwohner zählenden Ortsteil von Telgte. Mitte der 70er-Jahre wurden Ortsteile auch hier hin- und hergeschoben. Dadurch verlor Westbevern nicht nur seine Eigenständigkeit, es musste auch noch den Ortsteil Brock an Ostbevern abgeben. Vadrup durfte es behalten.

Ins Auge sticht die Pfarrkirche Cornelius und Cyprianus, neugotisch mit romanischem Turm. Sie wurde am 17. November 1898 eingeweiht. Die Vorgängerin stammt aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts, der Turm aus dem 13. Jahrhundert. In den 1960-er Jahren wurde ihm diese überragende Spitze aufgesetzt.

Auf der anderen Seite der vielbefahrenen Straße sehen wir den Dorfplatz und machen einen Abstecher dorthin, da unser Wanderweg nicht dadurch führt. Auf dem großen und äußerst gepflegten Platz steht der Dorfspeicher, Zentrum des gesellschaftlichen Lebens. 1695 erbaut, wurde er 1990 an seinem ursprünglichen Platz abgebrochen und auf dem Dorfplatz wieder aufgebaut. Er steht unter Denkmalschutz.

Wir verlassen Westbevern. Kurz hinter dem Dorfkern trennen sich die beiden Wanderwege X 15 und X 4. Der X 15 biegt nach links ab, wir bleiben auf dem X 4, der uns nach lockeren drei Kilometern nach Ostbevern bringt.

Ausflugsziele zum Ende der Wanderung

Bevor wir die Bushaltestelle aufsuchen, ab der wir zurück nach Telgte fahren, können wir uns noch ein wenig umschauen in der Gemeinde mit 10.000 Einwohnern. An der Hauptstraße sehen wir die Pfarrkirche St. Ambrosius, in unmittelbarer Nähe dazu das Alte Pastorat, ein Fachwerkbau aus dem Jahr 1640. Am Mühlenweg hat sich das Kutschenmuseum in Kock’s Mühle eingerichtet. Außerhalb des Ortskerns liegt das Schloss Loburg, ein Gymnasium und Internat.

Im Dorfzentrum nicht zu übersehen ist die Bushaltestelle. Unsere kleine Wanderung durch ein schönes Stück Natur findet hier ihr Ende. Hat sie Ihnen gefallen, sagen Sie es weiter, wenn nicht, sagen Sie es uns.

Rückfahrt planen

Fahrpläne sind im Internet unter anderem unter www.bus-und-bahn-im-muensterland.de einzusehen oder unter der Service-Nummer 01803 – 50 40 30 telefonisch abzufragen. Da auch die „schlaue Nummer“ sparen muss, erreichen die Anrufer nachts und sonntags nunmehr eine computergestützte automatisierte Auskunft. Nur an Werktagen zwischen 10 und 20 Uhr sind weiterhin noch persönliche Auskünfte möglich.

 
 

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Startpunkt

RELíGIO - Westfälisches Museum für religiöse Kultur
Herrenstraße 1-2
48291 Telgte
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Weitere Informationen

Westfälischer Heimatbund
Kaiser-Wilhelm-Ring 3
48145 Münster
Tel.: 0251 20381015
 

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