Der Dyckerhoff-Rundwanderweg in Lengerich

 
 

 
 
 

Der Dyckerhoff-Rundwanderweg liegt im Tecklenburger Land direkt im Naturschutzgebiet Intruper Berg. Er führt den Wanderer auf rund acht Kilometern und 170 Höhenmetern durch stillgelegte Steinbrüche, aber auch vorbei am aktiven Steinbruch des Zementwerkes Dyckerhoff.

Einstieg und Aufstieg

Der Dyckerhoff Rundwanderweg führt auf rund acht Kilometern einmal rund um den Steinbruch.
Der Dyckerhoff Rundwanderweg führt auf rund acht Kilometern einmal rund um den Steinbruch.

In Lengerich angekommen, finden Sie schnell die Lienener Straße, die im 22.000-Einwohner-Städtchen nach Osten führt, Richtung Lienen und Bad Iburg. Kurz vor dem unübersehbaren Zementwerk biegen Sie von der Stadtmitte kommend links in die Dyckerhoffstraße ab. Bereits dort finden Sie ein Hinweisschild auf den entsprechenden Wanderparkplatz.

Sie finden sofort den Einstieg in die Wanderung, in dem Sie der blauen Wegmarkierung folgen, die das Logo des Unternehmens Dyckerhoff ist. Und schon tröpfelt der erste Schweiß. Es kommt direkt die erste „Bergwertung“ und wir sind mittendrin im Naturschutzgebiet Intruper Berg. Haben wir ersten Höhenmeter erklommen, sehen wir auch schon den ersten Steinbruch. Einen stillgelegten. Im Laufe der Jahrzehnte ist daraus ein besonderes naturschützwürdiges Gebiet entstanden. Ein Gebiet mit ausgedehnten, geschlossenen Kalkbuchenwäldern. Gerade die alten Steinbrüche sind, als Ersatz für verlorenen gegangene oder degenerierte ursprüngliche Lebensräume, zu Rückzugsgebieten für zahlreiche vom Aussterben bedrohte Arten geworden.

Vielfalt in Flora und Fauna

Dyckerhoff Steinbruch in Lengerich
Farbenprächtige Libellen erwarten uns in den Sommertagen im Dyckerhoff Steinbruch in Lengerich. Foto: Biologische Station Steinfurt

Mehr als 500 Pflanzenarten haben Botaniker bisher in den Lengericher Kalksteinbrüchen und den umgebenden Wäldern gefunden. Ein sichtbarer Ausdruck für die Vielfalt der Biotope am Teutoburger Wald. Die Masse der Orchideen muss man erst einmal an anderer Stelle finden. Es wachsen Helm-Knabenkraut, Pyramiden-Hundswurz, Fransen-Enzian und Wacholder. Dort, wo Senken mit Wasser gefüllt sind, finden sich Sumpf-Löwenzahn, Froschlöffel und Tausendgüldenkraut.

Und sollte es uns im Frühjahr hierhin ziehen, hören wir die Gesänge und Rufe der Vögel im Steinbruch. Es singen Nachtigall, Fitis-Laubsänger, Baumpieper, Goldammer und Grasmücke. Und wir sehen mit etwas Glück die Zauneidechse, wie sie sich sonnt auf den Steinschutthaufen. Wir sehen den Gras-, Wasser- und Laubfrosch. Im Hochsommer dann gesellen sich 30 farbenprächtige Tagfalterarten hinzu. Und Uhu und Turmfalke. Und Libellen. Und Feuersalamander.

Weitblick ins Münsterland

Das Zementwerk und der Steinbruch sind einige Zeit gut einsehbar.
Das Zementwerk und der Steinbruch sind einige Zeit gut einsehbar.

Wir folgen weiter der blauen Wegmarkeirung. Und noch ein paar Höhenmeter stehen uns ins Haus. Langsam, aber stetig bewegen wir uns auf einem schmalen Kalksteinweg weiter nach oben. Wir genießen die herrliche Landschaft und kommen alsbald an die erste Aussichtsplattform. Rast ist angesagt. Die ersten Getränkeflaschen werden die Runde machen. Wir blicken auf das Münsterland. Bei klarem Wetter können wir ohne Probleme am Horizont die Bettentürme der Münsteraner Uni-Klinik erkennen.

Weiter führt uns der Weg zur nächsten Aussichtsplattform. Dort ist nun Zeit für eine ausgiebige Mahlzeit, die uns der Rucksack liefert. Eine Bitte: Mülleimer werden Sie vergebens suchen, die Verpackungsreste kommen zurück in den Rucksack. Genießen Sie den Blick auf den aktiven Steinbruch der Dyckerhoff-Zementwerke. Wie Spielzeug sehen sie aus, die Bagger, die den wertvollen Rohstoff Kalkstein für die Zementherstellung ernten. Die Größe dieser Bagger erschließt sich dann, wenn im Steinbruch plötzlich die LKW auftauchen, die uns erst die Relationen aufzeigen.

Kalkstein und Ammoniten

Der Standort des Zementwerkes in Lengerich wurde 1872 von Adolf Wicking aus Recklinghausen erschlossen. Er errichtete als erster ein Kalkwerk, das über einen Bahnanschluss verfügte. 18 Jahre später baute Wicking sechs Schachtöfen, die den ersten Lengericher Zementklinker produzierten. 1913 drehte sich der erste Drehrohrofen. Heute werden jährlich 1,3 Millionen Tonnen Zementklinker produziert, der, mit Gips vermahlen, zu Zement weiterverarbeitet wird. Übrigens: Der urkundliche Beleg einer Kalklieferung für das damalige adelige Gut Schollbruch aus dem Jahre 1576 markiert den Startpunkt der Kalk- und Zementindustrie am Teutoburger Wald.

So ganz nebenbei: Die überall zu findenden Kalksteine eignen sich in schmaler Form ganz toll als Schreibgeräte. Die Kinder werden ihren Spaß damit haben. Und sie haben ihren Spaß daran, genauso wie die Erwachsenen, nach Zeugnissen des damaligen marinen Lebens in den Steinen zu suchen. Es ist gar nicht schwer, Muscheln in den Kalksteinen zu entdecken, Seeigel, Armfüßer, Schnecken oder gar Fische. Sie werden garantiert fündig. Der größte im Lengericher Bruch gefundene Ammonit hat einen Durchmesser von 52 Zentimetern.

Auf Waldwegen zurück

Wir gehen frisch gestärkt weiter, sehen weiterhin rechts ins Münsterland und sehen links einen ebenso ausschweifenden Blick ins Osnabrücker Land. Genießen Sie diese Faszination, denn bald schon wird es wieder abwärts gehen. Nun führt uns der Weg alsbald in den herrlich duftenden Wald führt. Wir haben den letzten Ausläufer des aktiven Steinbruchs erreicht. Der Weg knickt nach rechts ab. Über einen schmalen Pfad geht es talwärts. Die weite Sicht verschwindet und wir fühlen uns im Wald schon fast einsam. So krass ist der Unterschied zum sonnenbeschienenen Kammweg.

Gehen wir zügigen Schrittes weiter, dringen so langsam Industriegeräusche an unser Ohr. Wir nähern uns dem Zementwerk – erst langsam, dann ganz plötzlich ist es vor uns. Es hat eine Ausdehnung von rund einem Quadratkilometer und beschäftigt noch knapp 240 Menschen.

Nun ist es ja so, dass der Kalkabbau im Teuto beileibe nicht unumstritten ist. Das Werk wurde selbstverständlich für neue Abgrabungsgenehmigungen (bis 30 Hektar Abgrabungsfläche) verpflichtet, im Ausgleich dem Naturschutz zu dienen. So wurde Dyckerhoff mit vor Ort ansässigen Naturschützern, unter anderem mit der ANTL (Arbeitsgemeinschaft für Naturschutz Tecklenburger Land e.V.) aktiv, um das Biotopverbundsystem Teutoburger Wald nicht mehr als nötig zu beeinträchtigen.

Es wurde 1998 die Interessengemeinschaft Teutoburger Wald (Ig Teuto) gegründet – mit zwei hauptsächlichen Aufgabenfeldern: Pflege von Kalk-Halbtrockenrasen durch die Förderung einer Wander-Schafherde, die mit einem Schäfer entlang des Teutoburger Waldes zieht, und die Wiederbelebung der Niederwaldwirtschaft mit ausgewählten Waldparzellen.

Fazit: Dyckerhoff wird sich auch in den nächsten Jahren weiter in den Teutoburger Wald graben, die Landschaft wird weiter ihr Gesicht verändern, der Teuto wird weniger. Aber die angebotenen Maßnahmen des Werks zusammen mit den Naturschützern vor Ort werden zum Teil als Kompensation für die Eingriffe in Natur und Landschaft anerkannt.

Jetzt kommt der hässliche Abschluss der Wanderung. Wir sehen das Werk jetzt in seiner vollen Größe, gehen daran vorbei bis zur vielbefahrenen Hauptstraße, die sich Lienener Straße nennt. Dort gehen wir rechts, kommen vorbei an der großen Werkseinfahrt, vorbei an Mehrfamilienhäusern bis zur Dyckerhoffstraße, die zurück zum Wanderparkplatz führt.

Kurzportrait


Startpunkt

Wanderparkplatz
Dyckerhoffstraße
49525 Lengerich
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Weitere Informationen

Westfälischer Heimatbund
Kaiser-Wilhelm-Ring 3
48145 Münster
Tel.: 0251 20381015
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