Auf den Spuren der Kerkherren von Clarholz nach Beelen und über Lette zurück

 
 

 
 
 

Nichts für Anfänger und nichts für ladenneues Schuhwerk: Mit diesem Wander-Tipp liegt eine Strecke von 22 Kilometern vor uns. Wir wandern sozusagen grenzüberschreitend vom ostwestfälischen Clarholz zum münsterländischen Beelen und über Oelde-Lette zurück.

Kloster in Clarholz
Mit einer weißen Raute - wie hier am Kloster in Clarholz - ist der Kerkherrenweg gekennzeichnet. Foto: Stefan Herringslack

Dabei begeben wir uns auf die Spuren der sogenannten Kerkherren und tauchen ganz tief in die Vergangenheit ein. Wir nutzen den frischmarkierten Rautenweg, die Spurensuche 10, des Westfälischen Heimatbundes.

Start am Kloster Clarholz

Kerkherren – das waren die Clarholzer Prämonstratenser, die Jahrhunderte lang das Seelsorgeamt der Kirchen in Clarholz, Beelen und Lette inne hatten. Anfangs übten sie das Amt nicht stationär aus, gingen also sozusagen auf Wanderschaft zu ihren Schäfchen. Das machen wir auch. Wir starten am Kloster in Clarholz und schauen uns dort um. Obwohl nach der Säkularisation 1803 zahlreiche Bauten abgebrochen wurden, zum Beispiel das Kapitelhaus, die Kreuzgänge, das Brauhaus oder die Molkerei, lässt das verbleibende Gebäudeensemble auch heute noch die Atmosphäre eines geistigen Zentrums spüren.

Kirche, Konventshaus, Prostei, Zehntscheune, Wirtschaftsgebäude, Alte Schule und Gasthaus gruppieren sich um drei Plätze: Kirchplatz, Propsteihof und Wirtschaftshof. Umrahmt von weitläufigen Gärten. Insgesamt ist das Klosterareal sieben Hektar groß.

Von der Zehntscheune aus gehen wir über den Wirtschaftshof zur Klosterpforte und zur Haupteinfahrt. Wir biegen nach links in die Letter Straße ein. Nach wenigen Hundert Metern erreichen wir den Westhoff, der auf der rechten Seite der Letter Straße liegt. Er wurde, wie auch die anderen Meierhöfe, von den Prämonstratensern im 12. Jahrhundert angelegt. Der Weg über die Hofanlage lohnt sich: Zahlreiche denkmalgeschützte Bauten umgeben das Haupthaus. Auch das Müllerhäuschen von 1701 steht noch. Die Mühle indes musste vor Jahren weichen.

Über den Axtbach nach Beelen

Bildstock
"Die schmerzhafte Mutter von Telgte" stellt dieser Bildstock am Bauernrott dar, der mittlerweile unter Denkmalschutz steht.

Wir folgen weiter der Raute, kommen am barocken Bildstock von Westhoff (1761/62) vorbei und überqueren den alten Axtbach. Hinter der Brücke verlässt der Kerkherrenweg die Letter Straße nach rechts.

Nach 100 Metern geht es wieder rechts. Wir stoßen bald auf die Bahnlinie Münster-Rheda. Sie wurde 1887 parallel zur 1834 konstruierten Chaussee, heute B 64, gebaut. Wir überqueren die Straße, gehen auf dem Radweg 100 Meter nach links und biegen dann bei einem Wegekreuz nach rechts ein. Hier ist die Grenze zwischen Clarholz (Kreis Gütersloh) und Beelen (Kreis Warendorf).

Rund 3,5 Kilometer verläuft der Kerkherrenweg jetzt durch die typisch münsterländische Landschaft. Nachdem wir den Harsewinkeler Damm überquert haben, nähern wir uns dem Südufer des Axtbaches, dem wir nun bis zur Dorfmitte von Beelen folgen.

Links liegt der alte Friedhof, rechts hinter der imposanten Brücke der neue. Wir sollten kurz einen Blick in die neue Kirche werfen, bevor wir am Ende des Osthoffs auf den alten Kirchplatz kommen.

An dieser Stelle standen die ersten vier Beelener Kirchen. Anhand von Grabungen konnten 1973 die Grundrisse aller vier Kirchen rekonstruiert werden, Die erste war aus Holz und brannte ab. Dann bauten die Beelener eine Steinkirche. Die indes zu klein war. Das Kloster Clarholz baute dann im zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts eine wesentlich größere romanische Kirche. Rund 600 Jahre überdauerte sie. 1857 wurde die vierte Beelener Kirche – neugotisch – dann geweiht. 1969 musste sie abgerissen werden, sie war zu klein und in einem schlechten Zustand. Am alten Kirchplatz sind die erhaltenen Umrissmauern gut zu sehen.

Unsere Raute lotst uns weiter durch den Ortskern: über die Neumühlenstraße, über die Brücke, unter der B 64, über die Holzbrücke in die Straße Axtbachtal, dann in die Wohnsiedlung Seehusen. Langsam verlassen wir Beelen und kommen zur Gaststätte „Zum Holtbaum“. Der Name stammt von dem Schlagbaum, der auf der Wiese davor steht. Es war ein Durchlass durch den Landhagen, den ein Bischof von Münster im Mittelalter angelegt haben soll, um sein Bistum vor unkontrolliertem Besuch aus Südosten zu schützen. Die dazugehörige Landwehr war ein bis zu 35 Meter breites Wall-Graben-System.

Nach Überqueren der Letter Straße und weiteren 100 Metern biegen wir rechts in die Straße Hemfeld ein, biegen am Ende nach rechts ab und überqueren eine Kreuzung. Ab hier beginnt rechts ein 148 Hektar großes Feuchtwiesen-Schutzgebiet.

Auf den Wegen der Kerkherren

Wegekreuz
Wegekreuze begegnen uns auf dieser Straße häufig.

Wir gehen weiter und sehen alsbald ein neues Fachwerkhaus. In seiner Nähe hatte der Kötter Holthöfer im 19. Jahrhundert Ziegel gebrannt, auch für die Kirche in Beelen. Dieses Fleckchen ist Heimat für den Großen Brachvogel, aber auch für Teichhühner, Blesshühner, Nil- und Kanadagänse.

Die nächste Kreuzung muss überquert werden, dann kreuzt ein Graben die Straße. Das ist die Grenze zwischen Beelen und Clarholz. Der Kerkherrenweg führt an der T-Kreuzung nach links, dann nach rechts. Hier sollten wir aber einen Abstecher machen. Wir gehen nach rechts und nach 800 Metern im Kiefernwald sehen wir neben einer Bank einen Sandstein.

Auf den ersten Blick nicht sehr spektakulär. Aber er hat schon etwas ganz Besonderes: An dieser Stelle treffen die Postleitzahlbezirke 3 (Hannover) mit 33442 Clarholz, 4 (Düsseldorf) mit 48361 Beelen und 5 (Köln) mit 59302 Lette aufeinander.

Zurück zum Kloster

Grenzstein
An dieser Stelle treffen gleich drei Postleitzahlbezirke aufeinander.

Zurück zum Kerkherrenweg: Bald sehen wir Lette, ein Örtchen mit rund 2250 Einwohnern. Lette war bis 1970 selbstständig, wurde dann allerdings Oelde zugeschlagen. Unser Weg führt uns durch Wiesen in einen Eichen-Hainbuchenwald, den Kämpen. Ein alter Klosterwald mit Primeln, Anemonen, Waldmeister, Aaronstab, Lungenkraut und Glockenblumen.

Wir gehen von Norden auf die Kirche zu. Früher gab es neben der Kirche eine Brennerei und auch eine Brauerei mit eigenem Hopfengarten. Im ersten Stock der Brennerei war ein Saal. Nach dem sonntäglichen Hochamt wurden von einem Fenster aus die amtlichen Bekanntmachungen verkündet. Lette verlassen wir durch den Feilbusch. Bereits 200 Meter dahinter haben wir die Kirchspielgrenze zwischen Lette und Clarholz überschritten. Wir überqueren den Heideweg, der Meierhof Overbeck mit einem Missionskreuz von 1853 liegt 700 Meter weiter.

Auf einem Ackerweg laufen wir auf den Meierhof Vissing zu, an dessen Kotten zur Linken wir vorbeigehen. Vor der Hofstelle biegen wir bei Vissings Kreuz links ab. Wir sind wieder in der Axtbachniederung. Wir kommen dann durch einen alten Wald, an dessen Nordrand eine barocke Eichenallee beginnt, die auf das Kloster Clarholz zuführt. Über eine Holzbrücke kommen wir in den Propsteigarten und sind am Ziel einer langen Wanderung.

Dieser Wander-Tipp basiert auf der Spurensuche Nr. 10 aus der Wanderreihe „Spurensuche im Münsterland“ des Westfälischen Heimatbundes.

Weitere Informationen rund um das Wandern im Münsterland gibt es beim Westfälischen Heimatbund in Münster in der Rubrik „Auf Schusters Rappen“, in der alle Spurensuchen zum kostenlosen Download mit Karte zur Verfügung stehen. Unter anderem auch die neue 60-seitige farbige Broschüre „Wandern“, die wir zusammen mit der Münsterland Touristik erarbeitet haben, mit allen 24 Hauptwanderwegen des Westfälischen Heimatbundes und weiteren Tipps. Sie können die Spurensuche auch in Papierform beim Westfälischen Heimatbund kostenlos bestellen.


Startpunkt

Kloster Clarholz
Propsteihof
33442 Herzebrock-Clarholz
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Weitere Informationen

Westfälischer Heimatbund
Kaiser-Wilhelm-Ring 3
48145 Münster
Tel.: 0251 20381015
 



 

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