14 Kilometer auf dem X 14 von Münster-Zentrum nach Amelsbüren

 
 

 
 
 

Es soll ja Münsteraner geben, die ihre Stadt so jovel finden, dass sie sie nur ungern verlassen. Denjenigen sei dieser Wander-Tipp gewidmet. Denn wir wandern von Münsters Zentrum bis zum südlichen Stadtteil Amelsbüren. 14 Kilometer gilt es zu bewältigen.

X14
Der X14 geleitet uns auf dieser Wanderung sicher durch das Münsteraner Umland. Foto: Stefan Herringslack

Zu Beginn wird nicht gewandert, es wird promeniert. Denn der X 14 startet auf Münsters Promenade an der Windthorststraße. Das weiße X, das Markenzeichen der Wanderwege, führt uns entlang des „Fahrradhighways“, wie die Promenade gerne genannt wird. Am besten gehen wir auf den teilweise mit Rindenmulch ausgelegten Rändern, dort lassen sich Kollisionen mit den allgegenwärtigen Radfahrern am sichersten vermeiden.

Der Verlauf der Promenade folgt der ehemaligen Stadtbefestigung, die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts weichen musste. Zum Grüngürtel sollte sie damals umgestaltet werden. Den Auftrag bekam kein anderer als Johann Conrad Schlaun. Der verlieh diesem Grüngürtel einen Alleencharakter. 1920 dann war ein radikaler Kahlschlag angesagt. Ein Pilz machte sich bei den Ulmen breit. Wichtigster Promenadenbaum ist seitdem die robuste Silberlinde.

Vorbei am Aasee-Park

Giant Pool Balls
Große Kunst unter blauem Himmel: Im Sommer wird der Aasee-Park zur großen Liegewiese. In Tuchfühlung zu den vielen zeitgenössischen Skulpturen - wie hier den "Giant Pool Balls" von Claes Oldenburg - ist Picknicken doppelt schön. Foto: Presseamt Münster / MünsterView

Wir treffen auf den Aasee, der für viele einfach zu Münster gehört. Dabei ist dieser See ein vergleichsweise junges Wahrzeichen. Erst 1934 wurde die Idee endgültig verwirklicht, die 50 Jahre zuvor ein Mann hatte, der wie kaum ein anderer diesen Teil Münsters geprägt hat. Der unwiese Professor Hermann Landois (1835 – 1905) hat sowohl als Naturwissenschaftler wie auch als Unikum für Furore gesorgt. Es war sein Vorschlag, die Aa nach dem Vorbild der Hamburger Binnenalster anzustauen. Der erste Spatenstich dazu war 1913. Durch den Ersten Weltkrieg ruhten die Arbeiten und wurden erst zwölf Jahre später wieder aufgenommen. Und 1972 wurde der Aasee südlich der Torminbrücke noch einmal erweitert.

Wir folgen dem weißen X 14 zunächst entlang des Modersohnwegs am östlichen Ufer. Um dann über die 1989 neu erbaute Torminbrücke die Seite zu wechseln. Der Name des Wegs erinnert an den Maler Otto Modersohn (1865 – 1943), der unter anderem in Münster lebte und die Landschaft an der Aa in vielen Bildern festgehalten hat. Einige von ihnen sind auf Hinweistafeln zu sehen.

Viel zu sehen

Naturkundemuseum
Das Naturkundemuseum ist auch einen Besuch wert, aber heute wollen wir ja schließlich wandern. Foto: Presseamt Stadt Münster

Wir haben gelernt, dass der Aasee ein künstliches Gewässer ist, daher hat er kaum naturnahe Uferstrukturen. Trotzdem hat er Bedeutung für Wasservögel. Gerade im Winter tummeln sich dort verschiedene Enten- und Rallenarten. Der Aasee ist auch Schlafplatz für Möwen. Ein regelmäßiger Brutvogel ist der elegante Haubentaucher.

Wir sehen übrigens den Allwetterzoo Münster, 1875 eröffnet, der auch ein Kind des rührigen Professors Londois ist. Und das Naturkundemuseum. Noch eine weitere Einrichtung auf der Sentruper Höhe lohnt einen Besuch: Das Mühlenhof-Freilichtmuseum mit seinen rund 30 historischen Gebäuden.

Vorbei an Haus Kump

Speicher von Haus Kump
Der Speicher von Haus Kump ist zwar alt, aber gut erhalten und mehr als sehenswert.

Wir erreichen Haus Kump, eine der ältesten Hofanlagen Münsters. Die Ursprünge lassen sich bis zum ausgehenden 9. Jahrhundert zurückverfolgen. Schmuckstück ist der wahrscheinlich 1549 erbaute Speicher, der nicht nur das älteste erhaltene bäuerliche Gebäude Münsters ist, sondern auch durch eine außergewöhnliche Architektur überrascht. Zwei vorkragende Geschosse verleihen dem Gebäude eine Form, die an einen Pilz erinnert. Eine weitere Besonderheit ist die Außentreppe aus Holz, die sich über drei Stockwerke erstreckt.

Umfangreiche Informationen über Haus Kump gibt es übrigens im reichbebilderten und empfehlenswerten Heft 104 der Schriftenreihe Westfälische Kunststätten des Westfälischen Heimatbundes, dort für lediglich 2,50 Euro zu beziehen.

Durch eine Auenlandschaft

Bekassine
Mit etwas Glück können wir eine Bekassine beobachten. Foto: Stefan Herringslack

Bevor der X 14 sich vorerst in dichter besiedelte Bereiche begibt, geht es noch einmal über die Aa. Wir sehen eine abwechselungsreiche Flusslandschaft. Wobei der Mensch kräftig mitgeholfen hat. Noch 1995 floss die Aa dort schnurgerade. Die Stadt Münster gab eine Auenlandschaft in Auftrag. Mit Erfolg. Röhrichte und Hochstaudenfluren, Frösche und Libellen sorgen für eine Artenvielfalt, die die Aa auf ihrem Lauf von der Quelle in den Baumbergen bis zur Mündung in die Ems bei Greven kaum mehr zu bieten hat. Im Jahreslauf sehen wir Graureiher und Kormorane, mal eine Bekassine oder einen Waldwasserläufer.

Bald begrüßt uns Mecklenbeck. Namensgeber dieses Stadtteils ist der Meckelbach. Hof Hesselmann als einer der ältesten Höfe der Mecklenbecker Reihe, die schon im 13. Jahrhundert aus 13 Höfen bestand, ist heute Bürgerzentrum und sozialer Mittelpunkt des stark zerschnittenen Stadtteils. Eine Schautafel erläutert die Geschichte. Eine weitere Schautafel wenige Meter weiter findet sich an einem Graben. Von vielen achtlos überquert, ist er doch ein bedeutendes Bodendenkmal. Mehr wird nicht verraten. Den Hintergrund erläutert eben diese Tafel. Hinwandern.

Am Rande der Davert

Davert
Mehr als nur ein Wald: die Davert wartet mit ihrem ganz besonderen Zauber auf uns.

Nach der Überquerung der Bundesstraße kommen wir wieder in ruhigere Gefilde. Wir betreten die ersten Ausläufer der Davert. Die Davert liegt im zentralen Münsterland, im Grenzbereich der Kreise Warendorf und Coesfeld und der Stadt Münster. Noch um 1800 war sie größtenteils eine kaum erschlossene sumpfige waldarme Moor- und Heidelandschaft. In den folgenden Jahrzehnten wurde durch umfangreiche Aufforstungsmaßnahmen, die Anlage von Wegen und zahllosen Entwässerungsgräben der Grundstock für das heutige Landschaftsbild gelegt.

Mit etwa 2500 Hektar Waldfläche zählt die Davert heute zu den größten Waldgebieten der Westfälischen Bucht. Es handelt sich hierbei jedoch nicht um einen großen zusammenhängenden Wald, vielmehr besteht die Davert aus mehreren ausgedehnten, miteinander verbundenen Waldflächen. Gerade diese enge Verzahnung des Waldes mit der für das Münsterland typischen „Parklandschaft“, macht den Reiz der Davert aus. Neben der Größe ist es die Vielfalt an unterschiedlichen Waldlebensräumen, die an der Davert fasziniert, die übrigens FFH-Gebiet ist.

Wir erreichen Haus Loevelingloh, ein bedeutender Gräftenhof. Die Gräfte fällt zwar im Sommer oft trocken, bietet der Fauna aber trotzdem eine Heimat. Eine mächtige Blutbuche versperrt im Sommer ein wenig den Blick auf das Gebäude. Dass es sich aber um einen repräsentativen Bau handelt, zeigt die Allee aus stattlichen Eichen.

Nach Amelsbüren

Dortmund-Ems-Kanal
Den Dortmund-Ems-Kanal überqueren wir noch fix, ehe es nach Amelsbüren geht. Foto: Heribert Schwarthoff.

Für wenige Meter wandern wir nun über eine Straße, die eine der ältesten Fernverbindungen von Münster aus in Richtung Süden war. Einen typischen Ausschnitt der Parklandschaft des Münsterlandes durchwandern wir anschließend. Die Landschaft ist durch Hecken, Ufergehölze und kleinere Waldstücke eng gekammert, wie der Fachmann sagt. Bevor wir unser Ziel Amelsbüren erreichen, überqueren wir den Dortmund-Ems-Kanal. Kleiner Exkurs: Dieser Kanal ist 226 Kilometer lang, existiert seit 1899 und verbindet das östliche Ruhrgebiet mit Emden. Derzeit wird wieder gebaggert. Und zwar von Datteln bis Hörstel, um Verkehr mit Großschiffen zu ermöglichen. Baukosten bis 2010: schlappe 1,8 Milliarden Euro.

Wir haben Amelsbüren erreicht. Amelsbüren ist erst seit 1975 ein Stadtteil Münsters. Man spürt noch so etwas wie einen dörflichen Charakter, obwohl dort etwa 5000 Menschen wohnen. Um 1580 lebten dort lediglich sieben Familien, um 1760 bestand es aus 22 Wohngebäuden. Wichtige Handels- und Verkehrswege waren die Davensberger Straße (heute Davertstraße) und der Kappenberger Damm. Mit dem Bau der Eisenbahnstrecke Münster-Dortmund im Jahr 1928 erhielt Amelsbüren einen Bahnhof. Er ist bis heute als Haltepunkt in Betrieb.

Diesen Haltepunkt können wir nutzen für die Rückfahrt mit der Bahn zum Hauptbahnhof. Sollte es dem ein oder anderen Lokführer aber einfallen, mal wieder auf Geheiß seiner Gewerkschaft ein wenig zu streiken, nehmen wir ab Kirche die Stadtbuslinie 1 bis zum Hauptbahnhof, die ohnehin häufiger verkehrt als die Bahn.

Fahrpläne sind im Internet unter anderem unter www.rvm-online.de einzusehen oder unter der Service-Nummer 01803 – 50 40 30 telefonisch abzufragen. Da auch die „schlaue Nummer“ sparen muss, erreichen die Anrufer nachts und sonntags nunmehr eine computergestützte automatisierte Auskunft. Nur an Werktagen zwischen 10 und 20 Uhr sind weiterhin noch persönliche Auskünfte möglich.

Dieser Wandervorschlag lehnt sich an die Wegebeschreibung des Hauptwanderwegs X 14 von Münster nach Datteln (76 Kilometer) in der Schriftenreihe „Münsterland zu Fuß“ an. Diese Schrift ist beim Westfälischen Heimatbund erschienen und kann kostenlos bestellt werden.

 
 

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Startpunkt

Promenade Münster
Windthorststraße
48143 Münster
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Weitere Informationen

Westfälischer Heimatbund
Kaiser-Wilhelm-Ring 3
48145 Münster
Tel.: 0251 20381015
 

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