Heiden: Die Teufelssteine

 
 

 
 
 

Dem Gemeindewappen wurde das Wappen der Herren von Heiden - in Silber drei blaue Balken - zu Grunde gelegt. An Stelle des dritten Balkens erinnert das jungzeitliche Großsteingrab "Düwelsteene" an die Besiedlung und Bedeutung des Ortes in vorgeschichtlicher Zeit.

Die Teufelssteine bei Heiden
Die Teufelssteine bei Heiden

In der Bauernschaft Nordick, etwa 3,5 km von Heiden entfernt, haben uns die Ureinwohner unseres Landes ein merkwürdiges Denkmal hinterlassen: ein altheidnisches Steinkammergrab. Leider sind durch Grabungen nach Urnen die Steine wild durcheinander gewürfelt.

Wie sind nun die Steine dort hingekommen? Der Sage nach so:Der Teufel befand sich einstens auf dem Weg nach Aachen, um den Dom, den Karl der Große errichtet hatte, zu zerstören. Zu diesem Zwecke hatte er alle großen Findlinge im Lande zusammengesucht und trug diese in einem Sacke auf dem Rücken gen Aachen.

Schweißtreibend schleppte er sich unter der Last mühsam weiter. Bei Heiden begegnete ihm ein Schuster, der zwölf Paar verschlissene Schuhe auf dem Rücken trug. Diesen fragte der Teufel, wie weit es bis Aachen sei. Der Schuster hatte den Teufel am Pferdefuß erkannt und sagte: „Ich komme geradewegs aus Aachen, die Schuhe, die ich auf dem Rücken trage, habe ich von dort bis hier verschlissen.“

Da schüttelte der Satan unter fürchterlichem Fluchen den Sack aus, dass die Felsblöcke zu Erde fielen und der Boden unter den Füßen des Schusters zitterte und bebte.

Das Volk erzählt ferner, dass die Steine niemand zählen kann, und dass niemand die Steine ohne Schaden von ihrer Stelle holen und zerstören kann.

Einst holte sich ein Bauer einen flachen Deckstein und verwendete ihn als Platte für seinen neuen Backofen.

In der Geisterstunde der folgenden Nacht entstand im ganzen Haus ein Poltern und Lärmen, die Kühe hatten sich im Stalle losgerissen, die Schweine rannten wie toll im Stall umher und die Hühner flatterten entsetzt von ihren Stangen. Bei näherem Zuschauen fand man den neuen Backofen eingestürzt, und am folgenden Tage lag der flache Stein wieder an seiner ursprünglichen Stelle in der Gesellschaft der anderen Teufelsteine.

Geschichte der Teufelssteine
Etwa viertausend Jahre vor unserer Zeit haben sich die ersten sesshaften Bauern in unserer Gegend selbst ein Denkmal gesetzt. Es ist bis heute erhalten geblieben: das Riesensteingrab Teufelsteine („Düwelsteene“).

3,5 Kilometer östlich von Heidens Ortskern liegt es in einer von Kiefern bewachsenen Dünenlandschaft. Wie diese Dünen nach Westfalen gekommen sind, ist eine eigene Geschichte: Diese Sandhügel sind eiszeitlichen Ursprungs. Der Wind hat sie während der Weichsel-Eiszeit (vor rund fünfzigtausend Jahren) angeweht, als Norddeutschland schon nicht mehr vom Eis bedeckt war, aber wegen der noch herrschenden Kälte keine Vegetationsdecke trug, die den leichten Sandboden hätte festhalten können.

Woher kommen die Teufelssteine?
Das Baumaterial der Teufelsteine stammt aus der Saale-Eiszeit (vor rund 145.000 Jahren) – genauer: aus dem Nachlass der mehr als einhundert Meter dicken Eisschicht, die damals unser Land von Norden her verschoben hatte.

Bei ihrer Ausbreitung von Norden nach Süden hatte diese gigantische Eismasse ihren Untergrund regelrecht glatt gehobelt – dabei alles eingeebnet und mitgeschleppt, was ihr im Weg stand oder lag.

So sind die vielfarbigen Kiesel, Gerölle und Findlinge aus Gneis, Granit, Quarzit und anderen Gesteinsarten mit dem Eis aus Skandinavien hier her zu uns gereist.

Die geologische Bezeichnung „Geschiebe“ für dieses Gesteinsmaterial ist ein Hinweis darauf. Nach dem Abschmelzen des Eises blieb die steinerne Fracht an Ort und Stelle liegen oder wurde von den oft reißenden Schmelzwasser-Strömen zu dicken Schotterpaketen zusammengeschwemmt. Und genau diesen geologischen Vorgängen verdanken die großen Findlinge der Teufelsteine ihre Anwesenheit bei uns.

Sehr viel später – während der jüngeren Steinzeit vor rund viertausend Jahren – waren die mächtigen, bis zu sieben Tonnen schweren und vom Gewicht des Eises rund geschliffenen Steinbrocken unseren Vorfahren hochwillkommen. Sie fügten sie zusammen zu einem Steinkammergrab von 21 Metern Länge und etwa 1,70 Metern Breite – mit einer Technik, die damals in ganz Nordeuropa geläufig war:

Die Findlinge wurden zunächst auf Baumstamm-Rollen zur „Baustelle“ geschafft. Dort hat man die Steine unter Einsatz von hölzernen Hebeln und Muskelkraft ausgerichtet. Für das Dach des Steinkammergrabes suchten sich die Baumeister große, flache Steinplatten. Um sie nach oben zu schaffen, schütteten sie rund um die offene Grabanlage schiefe Ebenen aus Sand und Erde auf.

Auf diese Weise entstand schließlich eine geschlossene Grabkammer mit einer Innenhöhle von rund anderthalb Meter. Zwischen dem zweiten und dritten Wandstein an der Südostseite des Grabes blieb eine schmale Eingangsöffnung für die Beisetzungen.

Die Teufelsteine wurden über lange Zeit als Kollektivgrab genutzt. Es enthielt Überreste einer ganzen Reihe von Bestattungen. Den Toten hatte man Nahrungsvorräte in kunstvoll geformten und verzierten Tongefäßen mitgegeben. Scherbenfunde aus jüngerer Vergangenheit belegen dies.

Wo genau die Erbauer der Teufelsteine gelebt und gewohnt haben, ist unbekannt. Was man aber herausgefunden hat, ist folgendes: Sie waren Bauern, wohnten in rechteckigen Pfostenhäusern und bauten Weizen und Gerste an. Das haben Wissenschaftler aus Funden in der Nähe anderer Riesensteingräber geschlossen.


Anfahrt

Teufelssteine Heiden
Düwelsteensweg
48653 Heiden
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