Warendorf: Dezentrales Museum Zuckertimpen

 
 

 
 
 

Warendorf - Wer durch die Gasse Zuckertimpen am Rande der Stadt Warendorf flaniert, der fühlt sich sogleich in eine andere Welt versetzt und bekommt die ungewöhnliche Gelegenheit, eine kleine und sehr lebendige Zeitreise durch eine der Keimzellen der Stadt Warendorf anzutreten.

Bildtapeten
Die Bildtapeten in der Klosterstraße. Foto: Stadt Warendorf

Seit einigen Jahren wird in Warendorf das Konzept für ein „Stadtmuseum“ mit verschiedenen dezentralen Standorten verfolgt. Es ist eine neue Form, Geschichte und Kultur für Bewohner und Besucher einer Stadt erlebbar und anschaulich zu machen. Im Gegensatz zu Freilichtmuseen, in denen bäuerliche Lebens- und Arbeitsweisen dokumentiert, deren Gebäude hierzu von ihrem historischen Ort entfernt und in fiktive Dorfgemeinschaften integriert werden, sollen die Objekte beim Stadtmuseum an ihrem ursprünglichen Standort erhalten bleiben.

Baustein für Baustein zum Museum

Gadem im Zuckertimpen
Gadem im Zuckertimpen

Einer der Standorte des dezentralen Stadtmuseums ist das Haus Nummer 4 in der Gasse Zuckertimpen, das um 1662 errichtet wurde und das auch von innen besichtigt werden kann.

Im Sommer 1993 haben die beiden Vereine „Altstadtfreunde Warendorf e.V. und der „Heimatverein Warendorf e.V.“ mit wesentlicher Unterstützung der Nordrhein-Westfalen-Stiftung das Haus gemeinsam erworben, um es als ersten Baustein des geplanten Stadtmuseums herzurichten. Zunächst wurde es daher einer baugeschichtlichen Untersuchung zur Vorbereitung einer 1994/96 durchgeführten einfühlsamen Sanierung unterzogen. Eine zusätzlich durchgeführte Grabung des Westfälischen Museums für Archäologie in Münster auf dem Hof verblieb leider ohne konkrete Ergebnisse.

Nach der Renovierung wurde das Haus mit historischem Mobiliar ausgestattet. Das Haus zeigt nach akribischer Recherche seitdem beispielhaft das Wohnen zweier Familien, wie es um 1925 ausgesehen haben könnte. Um dieses Gebäude der damaligen Zeit entsprechend einzurichten, mussten Möbel, Öfen, Gebrauchsgegenstände und Textilien gesammelt werden, die älter als 1925 waren. Es genügte aber nicht, sich nur einen Vorrat von Antiquitäten und „schönen Dingen“ anzulegen, sondern alle im Haus ausgestellten Gegenstände mussten auf ihre damalige Funktion und Geschichte hinterfragt und entsprechend der sozialen Schichtung der zu präsentierenden Bewohner ausgewertet werden.

So können sie heute im Zusammenhang mit dem Gebäude zur Darstellung der Alltagskultur früherer Bewohner dienen: 1925 bewohnte der damalige Eigentümer und Kutscher Heinrich Rolf zusammen mit seiner Frau Elisabeth und seinen drei Kindern das Haus am Zuckertimpen. Außerdem hatten Rolfs die vordere linke Stube und die vordere rechte Schlafkammer im Obergeschoss an eine Einliegerfamilie vermietet. In diesen Zimmern lebte auf engstem Raum der Lokomotivputzer August Droste mit seiner Frau und den beiden Kindern zusammen.

Der Zuckertimpen

Ausstellungsstücke
Ausstellungsstücke im Gadem Zuckertimpen

Der Zuckertimpen dürfte in seiner Anlage in der Zeit um 1200 entstanden sein, nachdem es zu einer ersten systematischen Erweiterung der entstehenden Stadt Warendorf gekommen war. Die nur schmale und kurze Zuckertimpen genannte Straße liegt ganz am Rande der Stadt und führt von der Oststraße nördlich zum Gelände des Hofes Zumloh. Zugleich diente sie als Mauerstraße des südöstlich an das Osttor anschließenden Stadtmauerabschnittes.

Im 17. Jahrhundert wurden die hier befindlichen Häuser noch regelmäßig schlicht als „am Osttor“ bzw. „bei Schulze Zumloh“ bezeichnet. Der erst in den letzten Jahrhunderten gebräuchliche Name Zuckertimpen setzt sich aus dem niederdeutschen Wort „Timpen“ für Zipfel (im Sinne einer Stich- oder Sackgasse) und der aus noch nicht bekannten Gründen verwendeten Bezeichnung „Zucker“ zusammen. Der Volksmund sieht hierin einen Vergleich mit einem Zuckerhut, da die Bebauung der Straße sich nach Osten zu in den Straßenraum vorgeschoben habe.

 
 

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Besichtigung

Museum „Gadem“
Zuckertimpen 4
48231 Warendorf
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