Steinfurt-Borghorst: St. Nikomedes

 
 

 
 
 

Steinfurt-Borghorst - Die dreischiffige, 2200 Quadratmeter große Hallenkirche wurde am Ende des 19. Jahrhunderts von Hilger Hertel dem Älteren an der Stelle des Damenstiftes Borghorst errichtet. Sie ist eine der größten Kirchen im Bistum Münster, erbaut im hochgotischen Baustil. Der 95 Meter hohe Kirchturm der Pfarrkirche beherrscht das Borghorster Stadtbild.

St. Nikomedes

In der Stiftskammer der St. Nikomedes Pfarrkirche befindet sich der unter anderem der bedeutendste Schatz der Kirche: das ottonische Kreuzreliquiar, das auch als das „Borghorster Stiftskreuz“ bekannt ist. Hierbei handelt es sich um eine Goldschmiedearbeit aus der Mitte des 11. Jahrhunderts.

Außerdem befinden sich in der Stiftskammer zwei Reliquienstatuetten, eine der Muttergottes aus dem Jahr 1450 und eine des heiligen Nikomedes in Weißgold, drei Drachenleuchter, die um 1160 entstanden sind, verschiedene Messkelche, der älteste stammt aus dem Jahr 1704. Zudem findet man dort zwei Messgewänder, ein spätgotisches mit Kölner Borte um 1500 und eine barockes aus Lyoner Seidenbrokat um 1700, sowie vier Altarleuchter Augsburger Silberschmiedearbeit mit silbernem Altarkreuz und liturgischen Gegenständen aus der Zeit um 1650.

Die heutige Stiftskapelle befindet sich im Anbau der St. Nikomedes Kirche. Hierbei handelt es sich um den früheren Kapitelsaal der Stiftsdamen. Dieser Raum wird seit dem Jahr 1968 als Werktagskapelle genutzt und steht für kleinere liturgische Feierlichkeiten zur Verfügung. Geschmückt wird die Stiftskapelle von der steinernen Marienklage des Künstlers Evert von Roden, entstanden um 1520.

Das Borghorster Stiftskreuz ist ein um 1050 entstandenes Kreuzreliquiar, das aus der ehemaligen adeligen Damenstiftskirche St. Nikomedes zu Borghorst stammt und heute in der Stiftskammer St. Nikomedes in Steinfurt-Borghorst untergebracht ist.

Das kostbare Reliquiar aus getriebenem Goldblech über Holzkern - mit seinen Filigranarbeiten mit Edelsteinen, Bergkristallen, Perlen und Gemmen reich verziert - enthält eingeschlossen in persische Bergkristallfläschchen einige bedeutende Reliquien. Das in Form eines Gemmenkreuzes gefertigte Goldschmiedestück zeigt im dreifach durchbrochenen Längsbalken oben einen Bergkristall, in der Mitte eine Bergkristallflasche mit einem purpurroten Innenstoff und unten ein weiteres Bergkristallfläschchen in Form eines Fisches mit seitlich verdeckten Flossen, die ebenfalls einen Purpurstoff enthält.

Die Fläschchen umfassen 17 verhüllte und versiegelte Reliquien, die in der Inschrift auf der Rückseite im einzelnen aufgeführt sind. Darunter sind, wie es wörtlich heißt, Reliquien "vom Holze des Herrn", vom "Schwamme des Herrn", vom Bette Mariens, vom Körper der Apostel Petrus und Bartholomäus und Reliquien weiterer Heiliger.

Vier in Goldblech getriebene feine Reliefs zieren die Balken des Kreuzes: Oben Christus am Kreuz mit Maria und Johannes, links innen Petrus, rechts innen Paulus, außen links St. Cosmas, rechts St. Damian. Diese Heiligen sind in der Verehrung des gekreuzigten Christus dargestellt. Oberhalb des fischförmigen Kristallgefäßes ist eine Darstellung des Kaisers Heinrich III. zu erkennen, dem zwei Engel aus dem Himmel entgegenschweben. Das Kreuz mit seinen Gemmen ist das typische Beispiel eines sogenannten Pachosiekreuzes, das den wiederkommenden Christus verherrlicht.

Näheres zur Geschichte des Kreuzes ergibt sich, wenn man die Rückseite mit seinen gravierten Blattrankeninschriften und seinen figürlichen Darstellungen betrachtet. Hier ist eine weibliche Figur zu sehen, die in Bethaltung zum Himmel emporblickt. Die Inschrift bezeichnet sie als Berta Abba(tissa), also Äbtissin Berta, über der die Hand Gottes erscheint. Auf sie bezieht sich auch die Inschrift, die die Reliquien der verschiedenen Heiligen nennt. Die Stifterin bittet um Gnade für sich selbst und die ihr Nahestehenden. Die Heiligen sind in Form ihrer Reliquien gleichsam Vermittler zu Erlangung himmlischer Gnade. Die Stiftung steht in engem Zusammenhang mit der Erlangung ewigen Seelenheils, eines der wichtigsten Faktoren der religiösen Stiftungen im Mittelalter überhaupt.

Die Darstellung Kaiser Heinrich III. weist darauf hin, dass das Borghorster Stift in besonderer Weise mit dem Kreis der Reichsbischöfe verbunden war. Kaiser Heinrich war unter anderem auch bei der Gründung des Klosters Überwasser 1040 in Münster anwesend, also in unmittelbarer Nähe von Borghorst. Mit diesem Liebfrauenstift in Münster war das Borghorster Stift verbrüdert.

Kaiser Heinrich hat sich besonders für die Friedenswahrung eingesetzt und nach einer Dank- und Bußhandlung nach dem Ungarnsieg von 1044 sich persönlich vor dem mitgeführten Splitter des heiligen Kreuzes auf die Knie geworfen.

Da er auf dem Kreuz dargestellt ist, kann man davon ausgehen, dass er vielleicht der Stifter der Reliquien war. Das im Vergleich mit anderen Werken um 1050 entstandene Kreuz konnte regional näher eingeordnet werden, nachdem die alten Bienenwachsfüllungen der getriebenen Goldreliefs bei der BASF untersucht wurden und anhand einer Pollenanalyse eine Herkunft aus Essen festegestellt werden konnte.

 
 

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St. Nikomedes
Pastoratsweg 8
48565 Steinfurt
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