Recke: Die evangelische Kirche in Recke

 
 

 
 
 

Recke - Zwar kommt die evangelische Kirche in Recke auf den ersten Blick recht schmucklos daher, doch blickt das Gotteshaus auf eine möglicherweise knapp 100jährige Geschichte zurück und ist somit ein beeindruckender Zeitzeuge, auf den ein näherer Blick lohnt.

Die evangelische Kirche in Recke

Da urkundliche Daten zur Baugeschichte fehlen, Teile des bestehenden Kirchenbaus jedoch deutlich vor dem Ersterwähnungsdatum 1189 anzusetzen sind, war man lange Zeit auf Vermutungen über die Gestalt der vor 1189 erbauten Kirche angewiesen. Wenn auch die 1963 anlässlich der Ausschachtungsarbeiten für eine elektrische Fußbodenheizung durchgeführte Grabung nicht als methodische Grabung angelegt war und durch die hiermit gesetzte Beschränkung eventuell vorhandene Spuren hölzerner Vorgängerbauten nicht nachweisen konnte, so gelang es doch, Licht in die frühere Baugeschichte des bestehenden Kirchengebäudes zu bringen.

Die Verfolgung und Aufdeckung der oberen Fundamentpartien eines eingezogenen, quadratischen Chores unter dem heutigen Chorraum sowie einer Quermauer im westlichen Teil des Langhauses führten zu folgendem Ergebnis: Die Fundamente des im Vergleich zum jetzigen Chor erheblich kleineren Rechteckchores gehören zu dem ältesten fassbaren Bau, einer zunächst turmlosen, flachgedeckten Saalkirche von fünf Fensterachsen, deren Langhauswände sich in den heute beträchtlich erhöhten Mauern des Kirchenschiffs vollständig erhalten haben.

Das Fundament der wahrscheinlich durch Arkaden geöffneten Wand, die im Abstand von 2,70 m parallel zur Westwand des Schiffs verlief, ist als Rest einer massiven Emporenanlage einzuordnen. Sie wird durch knapp über das Fußbodenniveau ragende Mauerteile an der Nord- und Südwand markiert.

Als deutlich spätere Einfügungen in diesen ursprünglich nicht auf Wölbung hin angelegten Saalraum, der wie der ganz ähnliche Bau der alten Kirche in Welbergen wohl in das 12. Jahrhundert zurückreicht, waren die Wandvorlagen zu erkennen. Der Einbau dieses Vorlagensystems für eine Wölbung des Langhauses in zwei Jochen ist, zusammen mit der gleichzeitigen Überhöhung der Langhauswände um ca. 75 cm, Anfang des 13. Jahrhunderts anzusetzen.In diesen Jahrzehnten setzte man der turmlosen Kirche auch den wuchtigen Westturm vor.

Um die Mitte des 13. Jahrhunderts schließlich wurde der eingezogene Kastenchor durch einen spätromanischen Chorneubau ersetzt, der in seiner querrechteckigen Anlage das Schiff an Breite übertrifft.

Der aus mehreren Epochen stammende Baukörper der Recker Kirche erfuhr dann im späten 15. Jahrhundert die Umgestaltung, die ihm in seinem Innern den heutigen Charakter verliehen hat: Unter Benutzung der vorhandenen Wandvorlagen wurden im Langhaus zwei spätgotische Kreuzrippengewölbe eingezogen; verbunden mit dieser Maßnahme war eine abermalige Erhöhung der Langhausmauern.

Nachdem ein Dorfbrand im Jahr 1681 den Turmhelm und auch den Dachstuhl der Kirche zerstört hatte, erhielt der Turm ein Satteldach zwischen zwei gemauerten Giebeln. Über der Kirche wurde das noch heute zum großen Teil erhaltene zweigeschossig angelegte Binderdachwerk aufgebracht.

Eine grundlegende Instandsetzung ihres Äußeren und Inneren erfuhr die Recker Kirche in den Jahren 1961 bis 1965. Diese Gesamtrestaurierung geschah mit dem Ziel, den spätmittelalterlichen Bauzustand einer aus drei romanischen Bauepochen stammenden Dorfkirche zurück zu gewinnen.

Von der mittelalterlichen Ausstattung ist allein der spätromanische Taufstein erhalten geblieben. Es handelt sich dabei um eines der zahlreichen Beispiele des sog. Bentheimer Taufsteintyps, der von der Lippe bis nach Friesland hinein weite Verbreitung gefunden hat.

Der Recker Taufstein, der aus Bentheimer Sandstein und wohl unweit der dortigen Brüche gefertigt worden ist, zeigt im Grobaufbau die Merkmale des jüngeren Bentheimer Typs: Ein runder, sich über einen pyramidal ansteigenden quadratischen Sockelplatte erhebenden Unterkörper, der an vier Ecken der Platte von großen klotzartigen Löwenstützen flankiert ist, trägt die weiter auslandende Kuppa. Mit ihren Hinterbeinen auf der Schräge der Sockelplatte sitzend, wenden die in geduckter Stellung verharrenden Löwen dem Betrachter ihren Rücken und den jäh zurückgewandten Kopf zu.

Deutlich ist eine geritzte Zickzacklinie im geöffneten Maul der Bestien auszumachen, die ein wütendes Zähnefletschen darstellen soll. Mit ihren Schultern stützen die Löwen einen Wulstring, der den Übergang von dem runden Unterkörper zur weiter auslandenden Kuppa markiert.

Auszug aus:
Westfälische Kunststätten, Heft 57: Die evangelische Kirche in Recke. Herausgeber: Westfälischer Heimatbund, Kaiser-Wilhelm-Ring 3, 48145 Münster.

Westfälischer Heimatbund
Der Westfälische Heimatbund nimmt als Dachorganisation von über 530 Heimatvereinen und rund 650 Ortsheimatpflegern in Westfalen Aufgaben der regionalen Heimat- und Kulturpflege wahr. Er bündelt die Aktivitäten der einzelnen Mitgliedsvereine und verfolgt das Ziel, die Einheit Westfalens zu erhalten und seine Eigenart zu pflegen. In den Menschen, die in diesem Raum leben oder sich ihm zugehörig fühlen, will er das Bewusstsein der Zusammengehörigkeit wecken und vertiefen.

 
 

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Evangelische Kirche Recke
Bodelschwinghstraße 5
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