Todesangst im Mausoleum

 
 

 
 
 

Auch um das alte Rittergut Haus Marck bei Tecklenburg ranken sich so manche Geschichten. Dass dazu natürlich auch das unweit vom Schloss gelegene Mausoleum des Adelsgeschlechts Anlass gibt, liegt auf der Hand. Nicht zuletzt weil hier die Bewohner des Hauses bestattet wurden – und auch noch heute übrigens bestattet werden.

Das Mausoleum mit einer kleinen Kapelle liegt in einem schattigen Buchenwald auf einer kleinen Bergkuppe in der Nähe von Haus Marck. Der Wanderer, der hier in früher Morgenstunde durch die typisch münsterländischen Frühnebel aufsteigt kann einen gehörigen Schrecken bekommen, wenn sich der alte und fast gespenstisch anmutende Bau plötzlich vor ihm erhebt. Um Angst geht es auch in dieser Sage, die in der Region über das Mausoleum derer zu Haus Marck erzählt wird.

Ein Handwerksmeister bekam einst den Auftrag, Restaurationsarbeiten im Mausoleum durchzuführen und unter anderem die Särge mit einem neuen Anstrich zu versehen. Ihn begleitete zu diesem Auftrag einer seiner jungen Lehrlinge, der ihm während des Tages zur Hand ging. Den letzten Sarg jedoch sollte der Lehrling alleine streichen, da sein Meister noch weitere Aufträge zu erledigen hatte.

In Gedanken schon bei den nächsten anstehenden Arbeiten zog der Meister beim Fortgehen die Türe ins Schloss – und vergaß dabei, dass sie sich nur mit einem Schlüssel öffnen ließ, den nur er selbst in der Tasche trug. Durch die Dämmerung machte er sich den Weg bergab zum nächsten Auftrag.

Unterdessen suchte der Lehrling, mit dem erteilten Auftrag möglichst schnell fertig zu werden, denn die Stille in der Grabkammer und die sich schnell herab senkende Dunkelheit ließen ihm die Knie weich werden. Als er den letzten Pinselstrich getan und alle Sachen gepackt hatte, wollte er schnellstmöglich das Mausoleum verlassen und sich endlich auf den Weg ins sichere Zuhause machen.

Erst jetzt wurde er gewahr, dass die Tür verschlossen war und sich auch nicht von innen öffnen ließ. Nach Kräften rüttelte und zog er an der Tür, klopfte an das schwere Holz und rief schließlich verzweifelt und mit aufkeimender Panik in der Stimme um Hilfe. Doch niemand hörte den Jungen außer den aufgeschreckten Raben, die krächzend am vergitterten Fenster auf und davon flogen. So senkte sich die Nacht über den einsamen Jungen in der Grabkammer und nur der Vollmond, der in dieser Nacht auf Tecklenburg herab schien, weiß, was dann geschah..

Als am nächsten Morgen der Meister zurück kehrte und das Mausoleum aufschloss, fand er zu seinem Entsetzen den kreidebleichen Lehrling neben einem der Särge liegen. Der junge Mann war tot. Todesangst und Entsetzen standen ihm ins kalkweiße Gesicht geschrieben. Was der Junge in dieser Nacht erlebt oder gesehen hat, hat nie ein Mensch je erfahren.

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